• vom 10.10.2018, 17:38 Uhr

Chronik

Update: 10.10.2018, 19:31 Uhr

Kinder- und Jugendpsychiatrie

Psychisch unterversorgt




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Von Petra Tempfer

  • Ein Drittel der Kinder und Jugendlichen zeigt psychische Symptome seelischer Belastungen. Bei einem Fünftel gibt es dringenden Handlungsbedarf.


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Wien. Erkennen Sie Ihr eigenes Potenzial, können Sie mit den Stresssituationen des Alltags umgehen und produktiv arbeiten? Dann sind Sie psychisch gesund, zumindest laut Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO. Bei Kindern und Jugendlichen zeige sich die psychische Gesundheit zudem in der Fähigkeit und Möglichkeit, ein erfülltes soziales Leben mit Freundschaften und liebevollen Beziehungen zu gestalten. Liebe und Arbeit, darin sah schon der Psychiater und Begründer der Psychoanalyse, Sigmund Freud (1856-1939), die Eckpfeiler des Glücks.

Rund ein Drittel der Kinder und Jugendlichen kann nicht auf diese Eckpfeiler bauen. Sie zeigen im Laufe des Aufwachsens psychische Symptome seelischer Belastungen, so die Zahlen des Berichts zur Lage der Kinder- und Jugendgesundheit in Österreich. "Sie haben Einschlafschwierigkeiten, sind nervös, speziell bei Mädchen nehmen Selbstverletzungen zu", sagte Caroline Culen, klinische und Gesundheitspsychologin und fachliche Geschäftsführerin der österreichischen Kinderliga, am Mittwoch - dem Tag der seelischen Gesundheit. Der ständige Druck durch Soziale Medien, der Vergleich mit nicht erreichbaren Vorbildern (Role Models) und die wachsende Anzahl armutsgefährdeter Familien hätten die Situation verschlechtert, so Culen. Weitere Belastungen seien ein allgemeiner Leistungsdruck und Versagensängste. Bei einem Fünftel sei sogar dringender Handlungsbedarf gegeben.


Ausbau in der Versorgung
geht nur schleppend voran

Die Betroffenen bekommen die ärztliche Diagnose gestellt, dass sie eine Therapie brauchen, und es gäbe auch genug ausgebildetes Personal in Österreich - allein, die Therapien werden nicht ausreichend von den Kassen bezahlt. "20 Prozent der Menschen in Österreich sind Kinder", sagte dazu Christoph Hackspiel, Präsident der Kinderliga, "aber nur sechs Prozent der Gesundheitsausgaben kommen Kindern direkt zugute." Was die Kassenstellen für die Kinder- und Jugendpsychiatrie betrifft, so gibt es 27,5 Stellen in Österreich, wobei in der Steiermark und im Burgenland keine einzige existiert. Das ist eine leichte Steigerung gegenüber dem Vorjahr: Damals waren es 26,5 Kassenstellen.

Ein Ausbau in der Versorgung findet also statt, er schreitet aber extrem schleppend voran. Voll- und teilstationäre Behandlungsplätze gibt es aktuell rund 350.

Vom Plansoll ist man damit noch weit entfernt. Dem Strukturplan Gesundheit zufolge sind 0,08 bis 0,13 kinder- und jugendpsychiatrische Betten pro 1000 Einwohnern vorzusehen. Für Wien würde das 128 bis 208 Betten bedeuten, österreichweit wären es 860 Betten und 100 Kassenstellen.

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Dokument erstellt am 2018-10-10 17:48:39
Letzte Änderung am 2018-10-10 19:31:32


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