• vom 04.04.2012, 18:34 Uhr

Chronik

Update: 05.04.2012, 09:37 Uhr

Obsorgestreit

Vater stellt sich nach Kindesentziehung




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Von Katharina Schmidt

  • Obsorgestreit zwischen Österreicherin und Dänen eskalierte
  • Kind soll zu Psychologen, Auslieferung nach Österreich unwahrscheinlich.

Trennungen gehen zulasten des Kindes, wenn sich die Eltern nicht einigen können.

Trennungen gehen zulasten des Kindes, wenn sich die Eltern nicht einigen können.© © Images.com/Corbis Trennungen gehen zulasten des Kindes, wenn sich die Eltern nicht einigen können.© © Images.com/Corbis

Wien. Leidtragender ist wie immer das Kind. Wie berichtet, wurde Dienstagfrüh ein fünfjähriger Bub von seinem eigenen Vater vor einem Kindergarten in Graz entführt. Thomas S. soll Oliver gemeinsam mit einem Freund der Mutter entrissen und in seine Heimat Dänemark gebracht haben. Am Mittwoch hat nun der 40-Jährige, der von der Staatsanwaltschaft Graz per europäischem Haftbefehl gesucht wird, angekündigt, sich der Polizei stellen zu wollen. Der dänische Fernsehsender TV2 berichtete von einer "Vereinbarung" mit der Polizei, die dem Mann eine Lösung angeboten habe. Demnach werde sich der Vater stellen und gleichzeitig Kinderpsychologen den Zugang zu Oliver ermöglichen. S.’ Pressesprecher meinte indes, dass es dem Kind gut gehe und er "unberührt von der Situation" wirke.

"Die Situation" ist tatsächlich eine komplizierte: Oliver wurde 2006 in Dänemark geboren, kurz nach seiner Geburt trennten sich seine Eltern, die nie verheiratet waren. Daher geht auch die Anwältin der Mutter Marion, Britta Schönhart, davon aus, dass das alleinige Sorgerecht für das Kind von Geburt an bei der Mutter lag. Das ist laut dänischer Gesetzgebung auch automatisch so, allerdings können die Eltern durch Unterzeichnen einer gemeinsamen Erklärung auch das gemeinsame Sorgerecht erhalten.


Im Juli 2010 zog die Mutter mit Oliver nach Österreich - wozu sie, wenn sie das alleinige Sorgerecht hatte, auch ohne die Zustimmung des Vaters berechtigt war. Nur einen Monat später, im August 2010, wurde allerdings dem Vater von einem dänischen Familiengericht die alleinige Obsorge zugesprochen - in Abwesenheit von Mutter und Kind. Und genau hier spießt es sich gewaltig: Die Mutter ist nämlich während des laufenden Obsorgeverfahrens nach Österreich zurückgekommen - in Dänemark werden daher Stimmen laut, die von Kindesentziehung schon damals sprechen.

Kindesentziehung nur im Fall von Sorgerechtsverstoß
Eine Kindesentziehung ist aber erst dann gegeben, wenn tatsächlich gegen ein bestehendes Sorgerecht verstoßen wird, wie der Wiener Rechtsanwalt und Familienrechtsexperte Marco Nademleinsky der "Wiener Zeitung" erläutert. Wenn aber der Vater nun laut dem dänischen Gericht das Sorgerecht hat, ist dann der Vorfall vom Dienstag gar keine Kindesentziehung? Die österreichischen Behörden sehen das sehr wohl so. So hat der Oberste Gerichtshof (OGH) vergangenes Jahr entschieden, dass die Entscheidung des dänischen Gerichts in Österreich nicht anerkannt wird. Das Höchstgericht beruft sich dabei auf das Europäische Sorgerechtsübereinkommen (ESÜ) und begründet sein Urteil unter anderem damit, dass Oliver hierzulande gut integriert ist und zum Zeitpunkt der Entscheidung bereits seit neun Monaten seinen Lebensmittelpunkt in Österreich hatte.

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Dokument erstellt am 2012-04-04 18:41:07
Letzte Änderung am 2012-04-05 09:37:31


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