• vom 05.06.2018, 15:43 Uhr

Menschenrechte

Update: 05.06.2018, 17:19 Uhr

Pflegeregress

Würdevolles Altern braucht Qualität in der Pflege




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Von Günther Kräuter

  • Nach Abschaffung des Pflegeregresses muss man eine Balance zwischen Pflege im Heim und zu Hause schaffen.




© Moser © Moser

Die gute Nachricht zuerst: Menschen haben hierzulande gute Chancen, alt zu werden. Die Lebenserwartung liegt heute bei mehr als 81 Jahren, Tendenz steigend. Die Gruppe der Hochaltrigen (älter als 85 Jahre) ist die am stärksten wachsende Bevölkerungsgruppe. Die meisten Menschen wünschen sich, dass sie bis ins hohe Alter gesund bleiben und ihren Hobbys nachgehen können. Auch dafür stehen die Chancen nicht schlecht.

Mit dem Steigen der Lebenserwartung steigt jedoch auch die Wahrscheinlichkeit, irgendwann auf fremde Hilfe und Pflege angewiesen zu sein. Auch dann sollen nicht die Erschwernisse des Alltags das Leben prägen. Betroffene wollen meist möglichst selbstbestimmt leben und natürlich selbst entscheiden können, wo sie wohnen oder wann sie zu Abend essen. Auch dann möchten sich die meisten Menschen mit all ihren Erfahrungen aktiv mit anderen austauschen und ihre Freizeit nach ihren eigenen Vorstellungen genießen - wenngleich mit Unterstützung. Die meisten Österreicherinnen und Österreicher würden übrigens am liebsten zu Hause gepflegt werden.


© Fotolia/bilderstoeckchen © Fotolia/bilderstoeckchen

Die weniger gute Nachricht ist, dass all diese Aspekte in der aktuellen Debatte kaum eine Rolle spielen. Es geht vorwiegend um die Kosten. Bund und Länder scheinen nun zumindest den Streit um den Kostenersatz für die Abschaffung des Pflegeregresses beigelegt zu haben. Doch die Diskussion greift zu kurz. Ältere Menschen dürfen nicht auf einen Kostenfaktor reduziert werden. Vielmehr muss man über Qualitätssicherung und Menschenwürde in der Pflege sprechen und über die Schaffung einer Balance zwischen Pflege im Heim und zuhause. Letzteres würde übrigens auch helfen, Kosten zu senken.


Menschenrechte werden manchmal krass verletzt
Betreffend Qualität der Pflege in Einrichtungen hat die Volksanwaltschaft durch die unangekündigten Besuche ihrer Kommissionen in Alten- und Pflegeheimen einen guten Einblick. Allein im Vorjahr wurden rund einhundert solcher Einrichtungen besucht. Die Kommissionen stellten dabei leider nach wie vor Mängel, Defizite, manchmal auch krasse Menschenrechtsverletzungen fest.

In knapp der Hälfte der besuchten Einrichtungen ist, aus Sicht der Kommissionen, in der Nacht nicht ausreichend (diplomiertes) Personal im Dienst. In 60 Prozent der Fälle stuften Kommissionen die ärztlich verordnete Medikation als "bedenklich" ein. So werden etwa häufig die durch die gleichzeitige Vergabe mehrerer Medikamente entstehenden Nebenwirkungen unterschätzt. Strukturelle Gewalt gegen ältere Menschen kann zudem über ungeschriebene Verhaltensregeln sehr subtil erfolgen: Abendessen bereits um 16.30 Uhr sind keine Seltenheit, in vielen Einrichtungen liegt ein Großteil der Bewohnerinnen und Bewohner auch im Sommer zwischen 18 und 19 Uhr bereits in ihren Betten, ein Abendprogramm gibt es dort nicht. Solche starren Regeln können die Lebensqualität des Einzelnen stark beeinträchtigen.

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Dokument erstellt am 2018-06-05 15:52:17
Letzte Änderung am 2018-06-05 17:19:46


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