• vom 08.11.2018, 23:14 Uhr

Politik

Update: 09.11.2018, 10:44 Uhr

Metaller-Lohnrunde

Ab Montag wird gestreikt




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Von WZ Online, APA

  • Arbeitnehmervertreter und Gewerkschafter konnten sich auch in der fünften Verhandlungsrunde nicht einigen.

In der Metallindustrie stehen ab Montag die Betriebe still. - © APAweb / Georg Hochmuth

In der Metallindustrie stehen ab Montag die Betriebe still. © APAweb / Georg Hochmuth

Arbeitnehmer und Arbeitgeber konnten sich bei den Metaller-KV-Verhandlungen nicht einigen. Ab Montag sollen die Hochofen stillstehen.

Arbeitnehmer und Arbeitgeber konnten sich bei den Metaller-KV-Verhandlungen nicht einigen. Ab Montag sollen die Hochofen stillstehen.© APAweb / HAns Klaus Techt Arbeitnehmer und Arbeitgeber konnten sich bei den Metaller-KV-Verhandlungen nicht einigen. Ab Montag sollen die Hochofen stillstehen.© APAweb / HAns Klaus Techt

Wien. Jetzt gibt es den von vielen Beobachtern erwarteten Zores rund um den Metaller-KV: Kommende Woche ab Montag finden Warnstreiks in der Metalltechnischen Industrie (FMMI) mit 1.200 Betrieben und gut 130.000 Mitarbeitern statt. Gewerkschaften und Arbeitgebervertreter konnten sich in der Nacht auf Freitag in der fünften Verhandlungsrunde im Metaller-KV nicht einigen.

Streik bis Mittwoch

In den Unternehmen der Metalltechnischen Industrie (FMMI) stehen nach APA-Informationen zumindest bis Mittwoch Warnstreiks bevor. Dazu werden die zuletzt nur unterbrochenen Betriebsversammlungen wieder aufgenommen.


ORF

In der gescheiterten fünften Verhandlungsrunde sind sich die beiden Verhandlungsseiten vorerst etwas näher gekommen. Dann platzten die Gespräche doch. Den Schwarzen Peter dafür schieben sich Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter gegenseitig zu. Einen neuen Gesprächstermin gibt es freilich vorerst noch nicht.

Zahl der Streikstunden pro Jahr seit 1945.

Zahl der Streikstunden pro Jahr seit 1945.© APA Zahl der Streikstunden pro Jahr seit 1945.© APA

Genauer in die Karten schauen lassen, in welchen Unternehmen wann die Arbeit niedergelegt wird, wollten sich die Gewerkschaftsverhandler unter der Führung von Rainer Wimmer (PRO-GE) und Karl Dürtscher (GPA-djp) am späten Donnerstagabend noch nicht lassen.


Gewerkschafter fühlen sich "ein bisschen verarscht"

Man fühle sich von den Arbeitgebern, deren Vorgangsweise "absurd" sei, auch "ein bisschen verarscht", so die Gewerkschafter. Schon Erreichtes sei von den Arbeitgebern am Abend wieder "über den Haufen geworfen" worden. Zu guter Letzt habe man noch telefonisch ein Angebot erhalten, das man einfach nicht ernst nehmen könne.

"Wir waren der Meinung, unser Abgebot war fair", sagte hingegen der Sprecher der Arbeitgeberverhandler, Christian Knill Donnerstagnacht im Gespräch mit der APA. "Wir haben 2,7 Prozent Lohn-/Gehaltszuwachs geboten". Samt Zugeständnissen im Rahmenrecht "wäre das Gesamtangebot bei mehr als 3 Prozent gelegen."

Dieses Angebot habe man nicht ernst nehmen können, sagten Wimmer und Dürtscher dazu. Man fühle sich von den Arbeitgebervertretern so gar nicht ernst genommen. Die Wirtschaft brumme, die Arbeitnehmer sollten daran aber viel zu wenig teilhaben dürfen.

Die Gewerkschaften fordern ein Lohn-/Gehaltsplus von 5 Prozent oder mindestens 100 Euro mehr. Dazu wollen sie umfangreiche Zugeständnisse im Rahmenrecht. Hier seien die Arbeitgeber den Arbeitnehmern entgegengekommen, meinte Knill. "Ich glaube, die Streiks waren schon vorgeplant", kritisierte er die Arbeitnehmervertreter, die "sich selbst ins Abseits stellen" würden.

Ein Streiktag kostet bis zu 50 Millionen Euro

Ein Streiktag - vorerst sind nur einige Stunden geplant - in der FMMI mit ihren 1.200 Betrieben koste zwischen 30 und 50 Mio. Euro. "Streiks bringen niemandem etwas - außer Verunsicherung und Kosten. Sie schaden dem Standort."

In fünf weiteren kleineren Metallerbranchen, die gemeinsam rund 60.000 Mitarbeiter haben, gibt es in der kommenden Woche indes weitere Verhandlungsrunden, in denen die Gewerkschaften den Druck ebenso erhöhen wollen. "Wir werden den gemeinsamen KV (für alle Metaller der verschiedenen Unterbranchen mit insgesamt gut 190.000 Mitarbeitern, Anm.) mit ganzer Kraft verteidigen", sagte Wimmer.

Seit einigen Jahren werden die sechs Metaller-KV einzeln verhandelt. Am Ergebnis orientierten sie sich bisher aber stets - bis auf minimale Details - gänzlich am Abschluss der Metalltechnischen Industrie.

Die bisherigen KV, die per Ende Oktober ausliefen, gelten weiter, bis es zu neuen Abschlüssen kommt.

Arbeitnehmer: Arbeitgeber wollen Belegschaft spalten 

Dass die Arbeitgeber im Metaller-KV zumindest für die 1.200 Betriebe der Metalltechnischen Industrie überlegen, eine freiwillige Lohn-/Gehaltserhöhung von 2,7 Prozent umzusetzen, stößt bei der Gewerkschaft auf massive Kritik. "Es scheint modern zu werden, dass die Arbeitgeber versuchen, die Belegschaft zu spalten", kritisierte GPA-djp-Chef Karl Dürtscher im APA-Interview am Freitagvormittag.

"Das lassen wir uns nicht gefallen. Es wird versucht, die Arbeitnehmer mit einem Prozentsatz abzuspeisen, der den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht entspricht." Dürtscher spielte damit auf ein ähnliches Vorgehen beim Eisenbahner-KV an, das für die Gewerkschaften nicht akzeptabel sei. Man werde zeigen, dass die Beschäftigten hinter dem Vorgehen der Gewerkschaft stünden und es der Gewerkschaft nicht um den Selbstzweck gehe.

Ansonsten ließ der Gewerkschafter auch kein gutes Haar am Vorgehen der Arbeitgeberverhandler bei den KV-Verhandlungen in der Metalltechnischen Industrie (FMMI). Gestern sei es zuerst einen Schritt nach vorne, dann aber zwei, drei Schritte zurückgegangen. Zuerst habe es Zusagen zu rahmenrechtlichen Forderungen der Gewerkschaft gegeben. "Plötzlich hat es geheißen, diese können nicht gehalten werden. Das ist eine absolut unübliche Vorgehensweise, eigentlich eine Frechheit", sagte Dürtscher.

Es stimme auch nicht, dass die Arbeitgeber mehr als 3 Prozent geboten hätten. Der GPA-djp-Mann griff heute auch einmal mehr den Sprecher der Arbeitgeber, Christian Knill, an: Dieser sitze selbst nicht am Verhandlungstisch, "und behauptet dann Angebote, die es so nicht gegeben hat".

Wie sollen Arbeitnehmer und Arbeitgeber in der verfahrenen Situation nun doch noch zusammenfinden? "Es wird wieder eine Gesprächsbasis geben müssen. Es ist ganz klar, es wird ein Ergebnis geben. Auf Arbeitgeberseite muss aber Vernunft einkehren." Leider habe man derzeit aber den Eindruck, dass seitens der Arbeitgeber bisher "kein Abschlusswille vorhanden" war bzw. ist. Bisher seien die Arbeitgeber nicht bereit gewesen, die Beschäftigen am Ertrag teilhaben zu lassen. Die wirtschaftliche Lage sei sehr gut. "Die Gewinnmitnahmen der Unternehmenseigentümer sind auch hoch. Die Beschäftigten haben sich einen gerechten Anteil an den Gewinnen verdient."

"Montag beginnen nun einmal die Warnstreiks - vorzugsweise ab Mittag." Diese Warnstreiks würden sich dann in die kommende Woche hinein ziehen, aber nicht allzu lange dauern. Wo und wann genau sei noch offen, sagte Dürtscher im Gespräch mit der APA.




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Dokument erstellt am 2018-11-08 23:17:03
Letzte Änderung am 2018-11-09 10:44:16



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