• vom 09.11.2018, 15:30 Uhr

Politik

Update: 09.11.2018, 15:46 Uhr

Pakistan

Grüne fordern Asyl für Asia Bibi




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Von Bernd Vasari und Matthias Winterer

  • Die Christin ist in Pakistan wegen angeblicher Blasphemie mit dem Leben bedroht. Die Grünen wollen sie nach Österreich holen.

Asia Bibi soll vor einer Gruppe islamischer Frauen behauptet haben, Jesus Christus sei der wahre Prophet, nicht Mohammed. Dafür wurde sie als erste Frau in der Geschichte Pakistans zum Tode verurteilt. - © APAweb / afp, British Pakistani Christian

Asia Bibi soll vor einer Gruppe islamischer Frauen behauptet haben, Jesus Christus sei der wahre Prophet, nicht Mohammed. Dafür wurde sie als erste Frau in der Geschichte Pakistans zum Tode verurteilt. © APAweb / afp, British Pakistani Christian

Das Leben von Asia Bibi ist in Gefahr. Ein wütender Mob will sie töten. Denn sie soll den islamischen Propheten Mohammed beleidigt haben. Die österreichischen Grünen wollen sie nun in Sicherheit bringen. Sie fordern die Bundesregierung auf, Bibi "umgehend Asyl" zu gewähren.

Der 51 Jahre alten Christin und Mutter von fünf Kindern wünschen viele den Tod. Bibi lebt in Pakistan. Ihr Menschenrecht, ihre Religion frei auszuüben, ist dort nichts wert. Ganz im Gegenteil. 2010 wurde sie dafür als erste Frau in der Geschichte des Landes zum Tode durch den Strang verurteilt. Die Straftat: Blasphemie. Bibi soll vor einer Gruppe islamischer Frauen behauptet haben, Jesus Christus sei der wahre Prophet, nicht Mohammed. Bibi selbst bestreitet die Äußerung. Acht Jahre saß sie dafür in der Todeszelle.

Ehemann Masih bittet um Asyl

Im Oktober hob der Oberste Gerichtshof nach zahlreichen internationalen Protesten das Urteil auf und begnadigte Bibi. Das rief die radikalen Islamisten der Partei Tehreek-e-Labaik auf den Plan. Sie organisierten Massenproteste gegen den Freispruch und forderten Revision. Dieser Forderung gab die Regierung in Islamabad nach. Bibi wurde die Ausreise aus Pakistan verboten. Am 7. November verließ sie das Gefängnis. Seither ist sie an einem "unbekannten Ort", wie lokale Medien berichteten.

Bibis Ehemann Ashiq Masih bittet westliche Staaten um Asyl. Aus Angst vor Angriffen könne die Familie ihr Versteck nicht verlassen. Es gäbe Probleme, die fünf Kinder zu ernähren, wie der Leiter der vatikanischen Organisation "Kirche in Not" in den Vatikan News sagte.

Die österreichischen Grünen wollen nun helfen. Sie fordern "umgehendes Asyl" in Österreich. "Die fünffache Mutter ist in akuter Lebensgefahr und einem fanatischen Mob ausgesetzt, der ihre Hinrichtung fordert", sagt die grüne Bundesrätin Ewa Dziedzic zur "Wiener Zeitung". "Wer zu diesen Vorgängen schweigt, macht sich mitschuldig. Unsere Außenministerin Kneissl, Kanzler Kurz und die Bundesregierung sind aufgefordert, Bibi Schutz zu gewähren und sich dafür einzusetzen, dass die Frau ausreisen darf."

Auf Anfrage der "Wiener Zeitung" verweist das Büro von Außenministerin Karin Kneissl auf das Bundesministerium für Inneres. Eine Anfrage an das Ressort blieb bisher unbeantwortet.

Bibi könnte Schutz in Europa finden

Bibis Ehemann Masih selbst wandte sich an Italien, "mir und meiner Familie zu helfen, Pakistan zu verlassen, denn wir sind in Gefahr". Italien Innenminister Matteo Salvini reagierte auf den Appell. Sein Land sei bemüht, Bibi "diskret" zu helfen. Er versprach im Interview mit dem Radiosender RTL 102.5 "alles Menschenmögliche zu tun, um die Zukunft von Bibi zu garantieren". Bibis Anwalt Saiful Mulook ist unterdessen in die Niederlande geflogen. Dort wurde ihm eine auf drei Monate befristete Aufenthaltserlaubnis angeboten.

Nach Ansicht des deutschen CDU-Menschenrechtsexperten Michael Brand soll Bibi und ihre Familie Schutz in Deutschland finden. "Obwohl die obersten Richter Asia Bibi Freiheit zugesprochen haben, ist ihr Leben jetzt auf das Höchste bedroht", sagte der menschenrechtspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Deutschen Bundestag am Dienstag. Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es, von der pakistanischen Regierung werde erwartet, dass sie den universellen Menschenrechten und einem rechtsstaatlichen Verfahren Geltung verschaffe.

Die "Internationale Gesellschaft für Menschenrechte" (IGFM) wies laut Kathpress am Donnerstag auf ähnliche Fälle wie jenen Bibis hin. Derzeit säßen "noch Dutzende Menschen wie Bibi wegen angeblicher Gotteslästerung in pakistanischen Gefängnissen", erklärte die IGFM. Hier sei mehr Unterstützung westlicher Staaten nötig.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-11-09 15:05:03
Letzte Änderung am 2018-11-09 15:46:24



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