• vom 03.12.2018, 17:11 Uhr

Politik

Update: 03.12.2018, 17:28 Uhr

Umwelt

Verbrauchte Böden




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  • Österreich ist Europameister beim Zubetonieren von Grünflächen. Gleichzeitig wächst die Zahl ungenutzter Gebäude.

Täglich werden rund 15 Hektar Äcker und Wiesen für Straßen, Wohnsiedlungen und Gewerbeflächen zubetoniert. - © dpa/Patrick Pleul

Täglich werden rund 15 Hektar Äcker und Wiesen für Straßen, Wohnsiedlungen und Gewerbeflächen zubetoniert. © dpa/Patrick Pleul

Wien. (jm) Wer kennt sie nicht, die Einkaufszentren, Gewerbeparks und Wohnsiedlungen an Österreichs Ortsrändern, die stärker aus der Erde sprießen als sonst wo. Das ist beachtlich wie problematisch. In keinem anderen Land in Europa werden Naturflächen so rasant zubetoniert wie hier. In Österreich wird täglich eine Fläche von 12,9 Hektar verbaut. Das ist viel, angesichts der Nachhaltigkeitsstrategie der UNO, die einen Bodenverbrauch von 2,5 vorschreibt und zu der sich Österreich seit 2002 verpflichtet hat. ÖVP und FPÖ wollen dieses Ziel nun bis 2022 erreichen. Davon ist man aber meilenweit entfernt.

Das Zupflastern von Grünflächen, despektierlich in unseren Breiten "Bodenfraß" genannt, wirkt sich auf die Umwelt aus. Vom täglich verbauten Boden wird etwa die Hälfte mit einer wasserundurchlässigen Schicht abgedeckt. Dadurch fehlt dem Boden der Wasser- und Luftaustausch, wodurch dieser unbrauchbar und nie wieder landwirtschaftlich nutzbar wird. Zwischen 100 und 200 Jahre braucht es, um einen Zentimeter Humusschicht aufzubauen. Mehrere Hektar sind hingegen in kürzester Zeit zubetoniert. Durch die fehlenden Versickerungsmöglichkeiten steige die Gefahr von Überschwemmungen und Hochwasser, so das Umweltbundesamt. Auch Dürreperioden würden zunehmen.


Während täglich neue Grünflächen versiegelt werden, entsteht in Österreich gleichzeitig eine immer größer werdende Betonwüste. Schätzungen des Umweltbundesamtes zufolge sind etwa 40.000 Hektar Fläche ungenützt, was der Fläche Wiens entspricht. Ein Viertel davon sind brachliegende Gewerbe- und Industrieflächen. Genaue Zahlen gibt es nicht.

Auch Arbeitsplätze betroffen
"Die Revitalisierung der mehr als 40.000 Hektar leer stehenden Immobilien ist das Gebot der Stunde", sagt Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung. Immer weniger nutzbare Böden würden unter anderem die Versorgung mit heimischen Lebensmitteln und viele Arbeitsplätze gefährden. Die Linzer Volkswirtschafter Friedrich Schneider und Stefan Jenewein von der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung haben sich dem ökonomischen Schaden im Rahmen einer Studie näher gewidmet. In zehn Jahren würde die Wertschöpfung um 216 Millionen Euro sinken und 20.000 Arbeitsplätze verloren gehen. Der größte Verlierer sei die Landwirtschaft, erklären die Studienautoren. Ein Vorbild sei Deutschland, das bis 2050 keine neuen Böden mehr bebauen möchte.

Vor etwas mehr als einem Jahr präsentierte die Halgelversicherung gemeinsam mit dem Institut für Höhere Studien, kurz IHS, eine Studie mit Maßnahmen, die aktuell wie logisch geblieben sind. Demnach müsste es zu Einschränkungen der Bauaktivitäten auf nicht erschlossenen Flächen kommen, um sie auf die Brachflächen umzulenken. Das sei bisweilen nur mit finanziellen Anreizen möglich, weil es momentan billiger ist, auf der grünen Wiese zu bauen, sagte Beate Friedl vom Kärntner IHS. Die Regierung hat diese Maßnahme auch in ihrem Arbeitsprogramm verankert. Das müsse über die Raumordnung mit den Ländern geklärt werden, heißt es aus dem Umweltministerium. Gespräche hätten noch keine stattgefunden.

Schneider regte zusätzlich an, dass Länder oder die Gemeinden dafür zur Kasse gebeten werden sollen, wenn sie Grünflächen zubetonieren, anstatt Leerstand zu recyceln. "Nur dann wird ein Umdenken stattfinden."




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-12-03 17:22:38
Letzte Änderung am 2018-12-03 17:28:37




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