• vom 21.01.2019, 09:57 Uhr

Politik

Update: 21.01.2019, 11:05 Uhr

Mindestsicherung

Dauerhaft Arme sterben früher




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Von WZ Online, APA

  • Die Lebensspanne von Menschen mit dauerhafter Armut verkürzt sich um bis zu zwölf Jahre.

Laut Sonderauswertung liegt das Sterberisiko bei wohnungslosen Menschen deutlich höher als in der Gesamtbevölkerung, nämlich 4,5-mal so hoch. - © APAweb, dpa, Carmen Jaspersen

Laut Sonderauswertung liegt das Sterberisiko bei wohnungslosen Menschen deutlich höher als in der Gesamtbevölkerung, nämlich 4,5-mal so hoch. © APAweb, dpa, Carmen Jaspersen

Laut Statistik Austria sind 1,5 Millionen Menschen in Österreich von Armut oder sozialer Ausgrenzung gefährdet. Sie haben also ein niedriges Einkommen (unter 1.238 Euro bei Einzelpersonen) oder Schwierigkeiten beider Erfüllung notwendiger Grundbedürfnisse.

Laut Statistik Austria sind 1,5 Millionen Menschen in Österreich von Armut oder sozialer Ausgrenzung gefährdet. Sie haben also ein niedriges Einkommen (unter 1.238 Euro bei Einzelpersonen) oder Schwierigkeiten beider Erfüllung notwendiger Grundbedürfnisse.© Grafik: APA Laut Statistik Austria sind 1,5 Millionen Menschen in Österreich von Armut oder sozialer Ausgrenzung gefährdet. Sie haben also ein niedriges Einkommen (unter 1.238 Euro bei Einzelpersonen) oder Schwierigkeiten beider Erfüllung notwendiger Grundbedürfnisse.© Grafik: APA

Wien. Dauerhaft arme Menschen sterben zehn Jahre früher als der Rest der Bevölkerung. Das hat eine von der Statistik Austria durchgeführte Sonderauswertung der EU-Sozialstudie SILC ergeben. Noch größer ist der Unterschied bei Obdachlosen. Die Armutskonferenz, ein Netzwerk sozialer Hilfsorganisationen, warnt daher davor, die Situation von Mindestsicherungsbeziehern weiter zu verschlechtern.

Laut Statistik Austria sind 1,5 Millionen Menschen in Österreich von Armut oder sozialer Ausgrenzung gefährdet. Sie haben also ein niedriges Einkommen (unter 1.238 Euro bei Einzelpersonen) oder Schwierigkeiten bei der Erfüllung notwendiger Grundbedürfnisse. Und das bringt auch eine sinkende Lebenserwartung mit sich, wie die Statistik Austria für das Sozialministerium errechnet hat.

Der Sonderauswertung zufolge sterben armutsgefährdete Männer um vier Jahre früher, bei Frauen sinkt die Lebenserwartung um eineinhalb Jahre. Wer nicht nur armutsgefährdet ist, sondern in manifester Armut lebt - also etwa Probleme hat, die Wohnung warm zu halten und sich keine unerwarteten Reparaturen leisten kann - stirbt um vier Jahre (Frauen) bis elf Jahre (Männer) früher.

Armutskonferenz warnt vor prekärer Situation

Die Armutskonferenz verweist nun darauf, dass es sich bei Mindestsicherungsbeziehern durchwegs um manifest arme Menschen handelt. Dauert diese Armut mehrere Jahre an, sinkt die Lebenserwartung noch weiter: um zwölf Jahre bei Männern und um neun Jahre bei Frauen. Hier spricht man von "dauerhaft manifester Armut".

"Diese enorme Einschränkung der Lebenserwartung betrifft in Österreich fast 270.000 Menschen, das entspricht in etwa der Bevölkerung von Graz, der zweitgrößten Stadt Österreichs", sagt Martin Schenk von der Armutskonferenz. Hier gehe der Stress durch finanziellen Druck Hand in Hand mit geschwächtem Krisenmanagement und einem ungesunden Lebensstil. "Man kann einen Menschen mit einer feuchten Wohnung genauso töten wie mit einer Axt."

Die Armutskonferenz warnt daher davor, die Situation von Mindestsicherungsbeziehern weiter zu verschlechtern. Stattdessen brauche es effektive Maßnahmen für leistbares Wohnen, Hilfe für ältere Arbeitslose und bei prekären Jobs und chronischen Erkrankungen.

Wohnungslose haben deutlich höheres Sterberisiko

Noch einmal deutlich geringer ist die Lebenserwartung bei Obdachlosen. Sie sterben laut Statistik Austria um 20 Jahre früher als die restliche Bevölkerung. Das Sterberisiko liegt 4,5-mal so hoch als in der Gesamtbevölkerung. Was laut den Autoren auffällt, ist, dass Wohnungslose deutlich jünger sind als die Gesamtbevölkerung. Nur etwa jeder zehnte wohnungslose Mann gehört zur Altersgruppe ab 55 Jahren. In der Gesamtbevölkerung trifft dies auf beinahe jeden fünften Mann zu.

Die Zahl der registrierten Wohnungslosen lag im Jahr 2017 bei 21.567 Personen. Das sind um 3798 Personen mehr als im Jahr 2018, in welchem 17.769 Wohnungslose erfasst wurden. (+21%).







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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-01-21 10:07:48
Letzte Änderung am 2019-01-21 11:05:24




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