• vom 31.01.2019, 11:55 Uhr

Politik


Ärztemangel

Mehr Geld für Hausärzte




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  • Gesundheitsministerin lässt Honorarkatalog für Ärzte überarbeiten.


© M. Hirsch © M. Hirsch

Wien. (pech) Die SPÖ hat den drohenden Ärztemangel am Dienstag in einer Sondersitzung des Nationalrates zum Thema gemacht. In einem "Dringlichen Antrag" wurde Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) aufgefordert, umgehend Maßnahmen zur Attraktivierung des Arztberufs einzuleiten und den Primärversorgungsbereich weiter auszubauen.

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner, die vor Hartinger Gesundheitsministerin war, argumentierte mit einer bevorstehenden Pensionierungswelle. 48 Prozent der gut 18.000 niedergelassenen Ärzte würden spätestens in zehn Jahren das Pensionsalter erreichen. Bei den Fachärzten mit Gebietskrankenkassenvertrag würden sogar 60 Prozent bis 2029 in den Ruhestand treten.


129 Kassenstellen seien derzeit nicht besetzt, davon 68 Allgemeinmediziner. Das bedeute, dass rund 200.000 Menschen keine wohnortnahe adäquate hausärztliche Versorgung hätten. "Bald werden es ganze Regionen sein, wo kein einziger Hausarzt mit Kollektivvertrag gefunden werden kann." Gleichzeitig, so Rendi-Wagner, würde die Bevölkerung immer älter. 2020 würden mehr als 500.000 Menschen in Österreich 80 Jahre oder älter sein.

SPÖ fordert: Verantwortliche
an einen Tisch


© stock.adobe/Andrey Popov © stock.adobe/Andrey Popov

Hartinger-Klein wurde von Rendi-Wagner vorgeworfen, diese ohnehin schwierige Situation mit der sogenannten Krankenkassenreform noch zu verschärfen. Die Gesundheitsministerin müsse dafür Sorge tragen, alle Verantwortlichen an einen Tisch zu holen, um Maßnahmen gegen den drohenden Ärztemangel im Sachleistungssystem entgegenzuwirken.

Die Gesundheitsministerin hat ihrerseits die Verantwortung am Ärztemangel der SPÖ zugewiesen, die von 2009 bis 2017 das Gesundheitsministerium geführt habe. Sie, Hartinger-Klein, habe den Obersten Sanitätsrat beauftragt, einen medizinischen Maßnahmen-Katalog zu erstellen, was man leisten müsse, um mehr Mediziner für eine Kassenstelle zu interessieren. Außerdem habe sie die Anstellungsmöglichkeit von Ärzten bei Ärzten geschaffen "Mystery-Shopping" in Arztpraxen abgestellt. Und die Sozialversicherungsreform ermögliche es, veraltete Leistungskataloge zu erneuern und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen anzupassen. Zudem könne man nun neue Verträge gestalten und dabei Attraktivierungsmaßnahmen für Allgemeinmediziner setzen.

Hartinger: SPÖ hat eine Zwei-Klassen-Medizin gefördert
Der SPÖ hielt Hartinger-Klein vor, dass schon Alois Stöger einen Ärztemangel festgestellt habe. Gemacht worden sei danach aber nichts. Die Patienten seien in Richtung Wahlarzt geschoben worden, statt dafür zu sorgen, dass mehr Kassenstellen geschaffen würden: "Sie haben eine Zwei-Klassen-Medizin" gefördert, erklärte die Sozialministerin in Richtung SPÖ.

Jetzt-Abgeordnete Daniela Holzinger-Klein erinnerte daran, dass die FPÖ schon vor Jahren den roten Gesundheitsministern vorgeworfen habe, nichts gegen den drohenden Ärztemangel zu tun, jetzt mache das vice versa die SPÖ mit der FPÖ-Ministerin. Der ÖVP warf die Jetzt-Abgeordnete vor, das Problem seit Jahren zu ignorieren, und zitierte Hauptverbands-Chef Alexander Biach (ÖVP), der zuletzt im ORF-Radio erklärt hatte, dass es keine Versorgungsprobleme gebe. Tatsache sei, dass die Hausärzte in den Städten mehr Patienten und daher auch ein besseres Einkommen haben, während die Landärzte eine geringere Frequenz und weitere Wege hätten. Das müsse durch einen Landarztzuschlag abgegolten werden. Das fordert auch der Hausärzteverband.

Korosec: Höhere Honorare
und Arbeiten über 70

Die Präsidentin des ÖVP-Seniorenbundes, Ingrid Korosec, regt ebenfalls höhere Honorare für Allgemeinmediziner an. Zudem will sie die Primärversorgungszentren vorantreiben und den Turnus in den Spitälern aufwerten. Außerdem sprach sich die ÖVP-Politikerin für eine Aufhebung der Altersgrenze von 70 Jahren für Ärzte aus. Damit ist sie einer Meinung mit 53 Prozent der Österreicher, die diese Regelung laut einer Online-Umfrage von Public-Opinion Strategies für nicht sinnvoll halten.




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Dokument erstellt am 2019-01-31 12:08:45




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