• vom 28.04.2003, 00:00 Uhr

Politik

Update: 07.04.2005, 10:41 Uhr

Eine Stimme für die Menschenwürde

Nationalratsabgeordnete im Porträt: Michaela Sburny, Die Grünen




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Von Andreas P. Pittler

Wiewohl schon Großmutter ist Michaela Sburny die jüngste unter den neuen grünen Abgeordneten, was aber nur auf den ersten Blick verwundert. Die Grünen haben sich in den letzten Jahren vom vielzitierten "bunten Haufen" zu einer professionellen Partei entwickelt, in der jede/r AktivistIn entsprechende Aufgaben erfüllt. So auch Michaela Sburny, die auf eine lange politische Vita zurückblicken kann. Geboren am 17. Mai 1959 in Wien, besuchte sie nach der Volksschule Gymnasien in Mödling und Wien, ehe sie später die Pädagogische Akademie absolvierte. Unterbrochen wurde ihr bildungspolitischer Werdegang durch die Geburt zweier Töchter, die heute 27 und 24 Jahre alt sind und Sburny bereits zur Großmutter gemacht haben.


Genau die Erfahrung als junge Mutter brachte Sburny aber auch in die Politik. Als Alleinerzieherin erfuhr sie hautnah die Notwendigkeit einer effizienten Frauenpolitik, wie sie Ende der 70er erstmals breit diskutiert wurde. Die in jenen Tagen aktuelle Frage der Inbetriebnahme Zwentendorfs trieb Sburny ins Lager der Grünen. Und wenn sie auch noch bis 1991 als Lehrerin tätig war, so ließ sie ihr politisches Engagement auch in den 80ern nicht ruhen. Erst 1991, nach dem Wahlerfolg der Grünen in Wien, wechselte sie als "Profi" in die Politik - sie war zunächst Fachreferentin im Grünen Klub, 1994 wurde sie Landesgeschäftsführerin der Wiener Grünen. Von 1998 bis 2001 wirkte sie als Bundesgeschäftsführerin, im Dezember 2002 zog sie nun in den Nationalrat ein.

Dort haben es ihr vor allem Wirtschaftsthemen angetan. Im GATS (dem weltweiten Handels- und Dienstleistungsabkommen) sieht Sburny gerade für die ArbeitnehmerInnen Gefahren, wie sich die Lage der Werktätigen in den Jahren generell stark verschlechtert hat. Hier gelte es, global gegenzusteuern, um den Menschen die Chance auf ein erfülltes und selbstbestimmtes Leben in Würde zu erhalten bzw. zu geben. Die Veränderungen in der Arbeitswelt, so etwa die "neue Selbstständigkeit", sind ihr Arbeitsschwerpunkt im Hohen Haus. Und wenn ihr auch bewusst ist, dass sie mit ihren Forderungen nur selten durchdringen wird, so sieht sie doch, wie ihre Reden einen gewissen Einfluss auf die anderen Abgeordneten auszuüben vermögen: "Der parlamentarische Alltag ermöglicht es, gewisse Dinge zu thematisieren und die Öffentlichkeit zu sensibilisieren."

Bleibt bei der umfassenden politischen Arbeit noch ein wenig Freiraum, so geht Sburny gerne ihren Hobbies nach. Dazu zählen ausgiebige Spaziergänge oder intensive Gespräche mit FreundInnen. Auch verliert sich die Grünmandatarin gerne in Buchhandlungen, um zu stöbern, wobei sich immer Lesenswertes findet. Gegenwärtig hat es Sburny die algerische Historikerin und Literatin Assia Djebar angetan, deren Werke vom verdienstvollen Unions-Verlag dem deutschsprachigen Publikum erschlossen werden. Wobei der Lesegenuss freilich auch wieder Quell zu politischer Erkenntnis ist. Womit der Kreis sich schließt.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2003-04-28 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-04-07 10:41:00


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