• vom 23.02.2008, 10:03 Uhr

Politik

Update: 23.02.2008, 21:12 Uhr

Anti-Mobbing - Gesetz ist dem ÖGB zu streng

Hundstorfer: SPÖ geht zu weit




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Von WZ Online / APA

  • Wien. ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer geht der SPÖ-Vorschlag für ein Anti-Mobbing-Gesetz zu weit. Die Abgeordnete Gabriele Heinisch-Hosek hatte dafür das Anti-Stalking-Gesetz zum Vorbild erkoren. "Wir befürworten das nicht unbedingt", sagte Hundstorfer der APA. Lieber wäre ihm eine weniger umfangreiche Erwähnung im Strafgesetz. Vor allem aber will der ÖGB-Chef Prävention von Mobbing "zur Kultur machen".

"Unser Grundzugang zu Themen wie Mobbing ist es, nicht mit dem Strafrahmen zu beginnen", erklärt Hundstorfer. Die Linie des ÖGB ist es, vor allem im Arbeitnehmerschutzrecht anzusetzen. Neben der Verpflichtung des Arbeitgebers, Vorsorge zu treffen, kann sich der Gewerkschaftschef auch eine erzwingbare Vereinbarung zur Prävention vorstellen - zumindest in jenen Betrieben, in denen es einen Betriebsrat gibt. Im ÖGB sei so etwas vor zwei Jahren abgeschlossen worden.


Konkret kann sich Hundstorfer in den Betrieben so genannte Konfliktlotsen vorstellen: Sie sollen erst einmal Gespräche in Gang setzen. Versetzungen seien dann als Ausweg nicht ausgeschlossen, "sehr wohl auch des Mobbers", sagt Hundstorfer. An und für sich sei man in jenen Betrieben, die bereits Anti-Mobbing-Vorsorge treffen, zufrieden: "Im ÖGB haben wir die Lotsen bisher nicht gebraucht."

Eine Verankerung von Mobbing im Strafgesetzbuch hält Hundstorfer trotz aller Vorsorge für notwendig. Studien über die Anzahl der Mobbingbetroffenen sind immer nur Schätzwerte. Es wird angenommen, dass die Dunkelziffer ziemlich hoch ist. Laut Fourth European Working Conditions Survey (Dublin Foundation) sind EU-weit und in Österreich fünf Prozent der Arbeitnehmer im vergangenen Jahr von Mobbing betroffen gewesen. In Österreich alleine ergibt das hochgerechnet eine Zahl von über 200.000 Gemobbten. Die Kosten von Mobbing reichen laut Schätzungen von 50.000 bis 70.000 Euro pro Jahr und Mobbingfall. Verursacht werden sie durch erhöhte Fehlzeiten und verringerte Arbeitsleistung der Betroffenen.



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Dokument erstellt am 2008-02-23 10:03:05
Letzte Änderung am 2008-02-23 21:12:00


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