• vom 11.02.2011, 19:27 Uhr

Politik

Update: 11.02.2011, 22:49 Uhr

Die Geldflüsse von Karl-Heinz Grasser und seinen Stiftungen sind eine harte Nuss für die heimischen Ermittler

Weit gestreut und unübersichtlich




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  • Fokus liegt derzeit auf Liechtenstein.
  • Netz verlangt Rechtshilfeansuchen.
  • Wien. (red) Karl-Heinz Grasser hat sein Geld in Kanada "komplett aus den Augen verloren". So lautete zuletzt gegenüber dem Radio seine Rechtfertigung, weshalb er es verabsäumt hatte, sein kanadisches Wertpapierdepot (zur Zeit, als er noch das Amt des Finanzminister bekleidet hatte) zu deklarieren oder die Gewinne aus den Jahren 2002 bis 2008 zu versteuern.

Neben dem Depot in Kanada gab Grasser in seiner jetzt bekannt gewordenen (und wohl strafbefreienden) Selbstanzeige noch die Existenz von drei weiteren, bisher nicht aufgelisteten, Wertpapierkonten (inklusive Dividendengewinnen) zu Protokoll. Dazu gehört ein Hypo-Alpe-Adria-Konto, ein Meinl-Bank-Konto und ein Konto beim Morgan Stanley Joint Venture Smith Barney mit Sitz in New York.


Jetzt sind laut "Format" Briefkastenfirmen am Tatort Liechtenstein im Visier der Ermittler. Dabei soll geprüft werden, ob die Geldflüsse von und zu den Stiftungen ordentlich versteuert worden sind. Die Rechtshilfeersuchen zu Kontenöffnungen sind in Ausarbeitung. In Liechtenstein befindet sich etwa Grassers "Waterland Stiftung", der wiederum die Tochtergesellschaft "Silverwater Invest and Trade" mit Sitz auf der Karibikinsel Tortola gehört. Eine andere Tochter der Waterland ist die "Angelus Ltd." mit Sitz in Zypern.

Laut dem Protokoll der Einvernahme von Grassers Steuerberater Peter Haunold hat etwa Grassers österreichische Firma "Valuecreation" (zu Deutsch in etwa "Wertsteigerung") von Silverwater in den Jahren 2007 bis 2009 vier Millionen Euro Beratungshonorar erhalten. Zudem soll es laut Haunold ein Konto in der Schweiz geben - das sich im Besitz der Silverwater-Tochter Levesque befindet.

Die zweite Grasser-Stiftung in Liechtenstein hat ihren Namen nicht vom versilbertem Wasser, sondern vom Land: die Töchter von "Silverland" (Levesque-Holding und Gemain Ltd.) befinden sich vor allem im selben Land: Liechtenstein. Nur die Tochter "SMW OG" ist in Österreich beheimatet - und hat etwa namens der Stiftung die Villa am Wörthersee erworben, in der Grasser wohnt.

Die Wochenzeitung "Falter" berichtete aus den Ermittlungsakten, dass der Verdacht bestehe, Grasser habe "dem Inland zurechenbare Einkünfte aus ausländischen Gesellschaften bezogen" und diese nicht versteuert. Dabei gehe es um einen günstigen Millionenkredit zur Finanzierung seines Wiener Penthouse.

Angesichts der zahlreichen Stiftungen und Konten merkte der frühere Rechnungshofpräsident Franz Fiedler zum Thema kanadisches Depot süffisant-verständnisvoll an, dass Grasser nicht den "kompletten Durchblick" gehabt habe - oder haben konnte.

Einst hatte Grasser selbst wenig Verständnis für Steuerhinterziehung - im September 2001 kündigte er als Minister eine "Aktion scharf" an: Es gehe nicht an, "dass es sich manche richten können und an der Steuer vorbeioperiert wird."

Ankurbelung der Kabarett-Wirtschaft

Fest steht unterdessen nur, dass Grasser die österreichische Kleinkunst zu neuen Blüten treibt. Das schon 2009 aufgenommene Lied "Karl-Heinz" des Duos Christoph und Lollo, in dem ein fiktiver Heurigenbesucher darauf wartet, dass Grasser eingesperrt werde, ist inzwischen zur Internet-Sensation mit eigener Webseite avanciert. Die Kabarett-Sendung "Willkommen Österreich" ruft dazu auf, Fanbriefe an Grasser zu schreiben - als Reminiszenz an den legendären Auftritt "Im Zentrum", als Grasser seine Post auszugsweise vorgetragen hat. Die Grünen gingen am Freitag mit der Homepage karlheinzkassa.at online.



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Dokument erstellt am 2011-02-11 19:27:00
Letzte Änderung am 2011-02-11 22:49:00


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