• vom 18.01.2011, 19:13 Uhr

Politik

Update: 18.01.2011, 19:14 Uhr

Nationalratspräsidentin Prammer präsentierte das Gesamtkonzept für die Generalsanierung des Parlaments

"Ein extrem teures Projekt"




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  • Kosten zwischen 260 und 300 Millionen Euro für den Umbau.
  • Bauzeit ist 2014 bis 2017.
  • Wien. (pech) "Das Projekt, ich sage es ganz offen, ist ein extrem teures. Das hat mich selbst auch geschockt", sagte Nationalratspräsidentin Barbara Prammer Montagabend bei der Präsentation des Gesamtkonzepts zur Generalsanierung des Parlaments.

Prammer war von Kosten "schockiert". Foto: apa

Prammer war von Kosten "schockiert". Foto: apa Prammer war von Kosten "schockiert". Foto: apa

260 Millionen Euro plus mindestens 35 Millionen Euro für die Übersiedlung in ein anderes Gebäude während der Bauzeit und weitere 40 Millionen Euro, wenn man das Haus am Ring effizienter nutzen will.


Diesen Kostenrahmen plus/minus 20 Prozent sieht das Konzept vor, das von der Arbeitsgemeinschaft der Architekten Frank + Partner Ziviltechniker GmbH vorgelegt wurde.

Prammer gab zu bedenken, dass mit diesen Sanierungsarbeiten rund 1000 Arbeitsplätze pro Jahr gesichert werden können. Sie selbst habe sich gewünscht, dass keine Generalsanierung notwendig sei, dies sei aber nach den Überprüfungen unumgänglich. Die Alternative wäre, ein neues Parlament auf der grünen Wiese zu errichten. Das wäre billiger, aber das Haus am Ring müsste trotzdem saniert werden.

Bereits am Dienstag hat Prammer die Fraktionen informiert. Am 16. Februar wird der Baubeirat - bestehend aus Abgeordneten - zusammentreffen und eine Entscheidung über die weitere Vorgangsweise treffen. Denn angesichts des Bauzustands könne das Projekt "nicht mehr warten", sagte Prammer.

Die weitere Vorgangsweise: Am 16. Februar entscheidet der Baubeirat, dann folgen weitere Planungsarbeiten bis in den Frühling. Der Rechnungshof wird eingeschaltet. Dann folgt eine Ausschreibung für einen Generalunternehmer. Baubeginn: 2014, Fertigstellung: 2017.

Gesamtabsiedlung wahrscheinlich

Der Betrieb während der Bauphase könnte in drei Varianten erfolgen: Es gibt dafür zwei Teilabsiedlungsvarianten zu etwa 100 und 80 Millionen Euro. Dabei würden die Plenarsitzungen im Haus stattfinden. Eine Gesamtabsiedlung mit den Tagungen außer Haus würde etwa 35 Millionen Euro kosten.

Prammer ist jede dieser Varianten recht, es spreche aber vieles für eine Gesamtabsiedlung. Wohin - das wollte die Nationalratspräsidentin noch nicht sagen. Sie befürwortet beim Umbau die große Lösung - also jene mit Effizienzsteigerung.

Schon unter Nationalratspräsident Andreas Khol (ÖVP) wurde Anfang der 2000er Jahre eine Sanierung beschlossen. Die Ausschreibung für eine Revitalisierung des Plenarsaals wurde damals eingeleitet, unterdessen steht auch schon ein Siegerprojekt dafür fest. Dieses soll im Zuge der Generalsanierung umgesetzt werden.

125 Jahre ist das von Theophil Hansen erbaute Gebäude alt. Um 1910 wurde einmal umgebaut, nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der zerstörte Plenarsaal - mit geringem finanziellen Aufwand - provisorisch saniert.

Von Brandschutz biszu Barrierefreiheit

Wie der mit dem Gesamtkonzept betraute Architekt Sepp Frank sagte, müssen für den Brandschutz neue Fluchttreppen ins Gebäude eingezogen, die Tragfähigkeit der Dachkonstruktion verstärkt und die Barrierefreiheit des Hauses garantiert werden. Auch die Technik sei dringend zu erneuern, zumal die elektrischen Leitungen derzeit durch den Lüftungskanal verlaufen, was im Fall eines Kabelbrandes zur raschen Verbreitung des Rauches im ganzen Haus führen würde.

Neben dem Sanierungskonzept wurde von Hermann Schnell (Quickborner Team) ein Nutzungskonzept erarbeitet. Dieses sieht etwa eine Besucher-Magistrale vor, die vom Eingang am Ring bis zur Reichsratsstraße führt. Mit einem Mehraufwand von 40 Millionen Euro, sagte Schnell, könnte die Nutzfläche um die Hälfte erweitert werden. Diese Kosten würden sich sogar teilweise amortisieren. 50.000 Quadratmeter Nutzfläche müssen jedenfalls saniert werden. Die Wiener Architektenkammer bewertet auf Basis dessen die Kosten von rund 300 Millionen Euro für realistisch. Herbert Ablinger, Vorsitzender der Architekten in der Wiener Architektenkammer, erklärte, was bei solch großen Projekten unbedingt zu beachten ist, wenn man ein Desaster wie bei Skylink verhindern will: Generalplanerwettbewerb, Installierung eines entscheidungsbefugten Bauherrnvertreters, perfekte Kommunikation zwischen Bauherrn und Planungsteam.

FPÖ gegenEffizienzvariante

ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf will vor dem Umbau ein Rechnungshof-Gutachten einholen, was Prammer ihrerseits bereits angekündigt hat. Grundsätzliche Unterstützung für die Umbaupläne kommt von den Grünen. Das Gebäude gehöre saniert und an die heutigen Anforderungen angepasst, sagte Dieter Brosz. Der Dritte Nationalratspräsident Martin Graf von der FPÖ will Sanierungsmaßnahmen mittragen, die zur Erhaltung des Gebäudes notwendig sind. "Nice to haves" lehnt er jedoch ab. Das BZÖ will sich erst am Mittwoch festlegen.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2011-01-18 19:13:50
Letzte Änderung am 2011-01-18 19:14:00


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