• vom 29.08.2003, 00:00 Uhr

Politik

Update: 07.04.2005, 10:31 Uhr

Sozialminister a. D. Josef Hesoun im 74. Lebensjahr in der Nacht auf Donnerstag gestorben

Vom Automechaniker zum Minister




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Der frühere Sozialminister Josef "Jolly" Hesoun ist tot. Er ist in der Nacht auf Donnerstag im Wiener Hanusch-Krankenhaus im 74. Lebensjahr gestorben. Hesoun war von 1990 bis 1995 Sozialminister. Sein politischer Werdegang war eine sozialdemokratische Bilderbuchkarriere - vom gelernten Automechaniker über die Gewerkschaft der Bau- und Holzarbeiter, die niederösterreichische Arbeiterkammer bis in den Nationalrat und ins Sozialressort. In seiner Amtszeit wurde das Pflegegeld eingeführt. Den Ruf eines "Betonierers" handelte er sich im Streit um das geplante Donaukraftwerk Hainburg ein.

Hesoun war bekennender Sozialpartner in Zeiten, als diese Österreich oft im Alleingang gestaltet haben, geprägt von den Idealen der damals Sozialistischen Partei, Weggefährte Anton Benyas im Kampf gegen Umweltschützer und Gegner der ersten Frauenministerin Johanna Dohnal, wenn es um das Thema Emanzipation ging.

Hesoun legte eine sozialdemokratische Bilderbuchkarriere zurück - vom Automechaniker bis zum Minister. Er war ein Selfmademan, ein Pragmatiker, nach Eigendefinition ein "Streithansel", der mit dem politischen Gegner oft besser "konnte" als mit Intellektuellen seiner Partei.


Auf Hesouns Konto gehen 136 Gesetze und mehr als 90 Verordnungen, mit dem unter seiner Führung ausgearbeiteten Pflegegeldmodell ist er in die österreichische Sozialgeschichte eingegangen. Unter seiner Ägide wurde auch die Arbeitsmarktverwaltung - gegen viele Widerstäne - als eigenständiges Arbeitsmarktservice ausgegliedert. Den Ruf eines "Betonierers" handelte er sich im Streit um das geplante Kraftwerk Hainburg ein. Letztlich wirkte er aber doch mäßigend in der Auseinandersetzung zwischen Umweltschützern und Gewerkschaftern, indem er in der besetzten Au den Dialog mit den Naturschützern suchte.

Als negativstes Erlebnis seiner Karriere hat er selbst die so genannte "Grapsch"-Affäre bezeichnet. Seine damalige Partei- und Parlamentskollegin Waltraud Schütz hatte ihn beschuldigt, ihr in den Rückenausschnitt gegriffen zu haben. Hesoun dementierte stets: "Das war ein Tiefschlag der politischen Unkorrektheit, auch das Abscheulichste für mich". Sprachlos gemacht hatte ihn, dass im Jahr 2000 das Sozialressort an die FPÖ gegangen war, und zwar an Elisabeth Sickl. Hesoun dazu wörtlich: "Dass nach 30 Jahren Sozialpolitik dort jemand sitzt, der Schlossbesitzerin ist, das ist für mich ein bissl was Obszönes".




Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2003-08-29 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-04-07 10:31:00



Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Neue Aufgaben für Sexarbeiterinnen
  2. Winterlicher Wochenbeginn mit erstem Schneefall
  3. Ein Warnzeichen namens Selbstzensur
  4. Vorwürfe zu rechtsextremem Security seien "restlos aufzuklären"
  5. Hurra, wir leben noch
Meistkommentiert
  1. UNO-Migrationspakt sorgt für Kontroversen
  2. Namenspflicht gegen Hass im Netz
  3. "Die Zeichen stehen auf Sturm"
  4. Verdacht auf Spionage
  5. "Großteil der Fälle ist Verhetzung"

Peter Handke bei der Verleihung des 19. Wiener Theaterpreises "Nestroy" im Theater an der Wien. Hier mit dem Preis für sein Lebenswerk.



Werbung