• vom 11.02.1999, 00:00 Uhr

Politik

Update: 07.04.2005, 12:10 Uhr

Eine "Femmage" zum 60. Geburtstag




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Von Gisela Vorrath

  • "60 Jahre Johanna Dohnal sind ein guter Anlaß, nicht nur, um zurückzublicken, sondern auch, um aufzuzeigen und weiter zu verweisen", schreibt Frauenministerin Barbara Prammer in ihrem Vorwort zu
  • der Festschrift, die anläßlich des 60. Geburtstages der ersten Frauenministerin Österreichs von Eva Kreisky und Margit Niederhuber herausgegeben wurde. Der Band wird heute vom Milena-Verlag im Bruno-
  • Kreisky-Forum in Wien präsentiert. 45 Frauen und fünf Männer haben die persönliche Sicht ihrer Begegnung und Zusammenarbeit mit der Jubilarin beschrieben.

Die Idee zu dem Buch "Johanna Dohnal · Eine andere Festschrift" entstand, so Margit Niederhuber, bei der Aufarbeitung des Dohnal-Archivs über 16 Jahre Regierungstätigkeit. Eva Kreisky betont für


die versammelte AutorInnenschaft, daß sie alle "ein Stück des Weges" miteinander gegangen sind, des Weges zu mehr Gleichberechtigung und Gerechtigkeit für Frauen. Johanna Dohnal genoß keine höhere

Schulbildung, sondern hat nach der Pflichtschule eine Lehre gemacht, aber sie war stets die personifizierte Weiterbildung. Ihre intellektuellen Fähigkeiten beeindruck(t)en in der Politik, an den

Universitäten und in der Öffentlichkeit. Mit 16 schloß sie sich in ihrem Heimatbezirk Wien-Penzing den "Kinderfreunden" an, wurde Mitglied der SPÖ und Bezirksrätin. Von 1972 bis 1979 war sie Wiener

Frauensekretärin der SPÖ und Abgeordnete im Wiener Landtag. Von 1979 bis 1995 war sie Mitglied der Bundesregierung, zehn Jahre als Staatssekretärin für allgemeine Frauenfragen und dann als

Frauenministerin im Bundeskanzleramt. Die Vertretung der Interessen der Frauen war für sie stets ein persönliches Anliegen. Das haben alle gespürt. Und das war es, was Frauen an ihr so geschätzt, und

Konservative und Ewiggestrige an ihr so bedrohlich gefunden haben. Dohnal wurde wie kaum eine Politikerin zugleich angefeindet und unterstützt.

Susanne Feigl listet in ihrem Beitrag jene Aktivitäten Dohnals auf, die "das Leben von Frauen in Österreich entscheidend verändert haben". Dabei habe Dohnal, als Staatssekretärin ohne Kompetenzen,

sich oft, wie Ferdinand Lacina schreibt, erst ihre Lobby schaffen müssen.

Dohnal "sorgte dafür, daß

auch unverheiratete Mütter die Vormundschaft für ihr Kind bekommen

Kinder nicht mehr automatisch die Staatsbürgerschaft des Vaters kriegen

Mädchen und Buben nach den gleichen Lehrplänen unterrichtet werden

es ein Bundes-Gleichbehandlungsgesetz gibt

"Gewalt gegen Frauen" nicht länger ignoriert bzw. toleriert wird

nicht die mißhandelten Frauen, sondern die prügelnden Männer die eheliche Wohnung verlassen müssen

es Polizistinnen gibt und Frauen bei der Gendarmerie

Eltern von Kleinkindern als Alternative zum Karenzurlaub Teilzeit arbeiten können

Hausfrauen keine Schenkungssteuer mehr zahlen müssen, wenn sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Wohnungseigentum erwerben

Bäuerinnen und gewerblich selbständige Frauen in den Mutterschutz einbezogen wurden

Frauen auch andere als traditionelle und traditionell schlecht bezahlte Frauenberufe ergreifen

die Pensionsreform mit einem Gleichbehandlungspaket und sehr langen Übergangszeiten verknüpft wurde."

Die Liste ist aber natürlich keinesfalls vollständig. Unter anderen erinnern Barbara Neuwirth, Ruth Wodak und Gleichbehandlungsanwältin Ingrid Nikolay-Leitner an die sprachliche Gleichberechtigung

der Frauen und die gesetzliche Verankerung der weiblichen Funktionsbezeichnungen, die Dohnal durchsetzte. Als die Politikerin ihr Amt antrat, durfte nämlich nur die Bezeichnung "Staatssekretär" auf

dem Briefkopf stehen.

Andere Beiträge sind dem Abbau rechtlicher Diskriminierungen, der Verankerung der Frauenförderung in der Verfassung, den interministeriellen Arbeitsgruppen, der Zusammenarbeit mit den Universitäten,

den Medien, den Feministinnen und den Gewerkschafterinnen gewidmet.

Sylvia Hahn spannt den Bogen der großen Sozialdemokratinnen von Adelheid Popp über Rosa Jochmann zu Johanna Dohnal.

In etlichen Beiträgen wird das internationale Engagement der Frauenpolitikerin beschrieben, da geht es etwa um die Weltfrauenkonferenzen der Vereinten Nationen und die Entwicklungszusammenarbeit.

Herbert Berger schildert den Einsatz Johanna Dohnals für Nicaragua, und die Künstlerin Malangatana Valenta Ngwenya aus Mozambique und Albie Sachs aus Südafrika schwärmen von Johannas aktiver

internationaler Solidarität.

Künstlerinnen aller Genres, denen Dohnal Öffentlichkeit verschaffte, würdigen die Unterstützung und das Engagement der Politikerin. Es seien hier nur Elfriede Hammerl, Käthe Kratz, Heidi Pataki und

Grita Insam genannt. Helga David beschreibt das treffend: "Sie hat sich für Frauen jeden Metiers interessiert, war menschlich, hilfsbereit, sie war eben ein Zuhause, mitnichten ein politischer

Sturbeutel · Johanna, eine Frau mit vielen Facetten, arbeitskräftig und zugänglich zugleich. Nie ließ sie sich durch ihren Job bestimmen, wie hätte das auch gehen sollen: sie lebte ihn".

Dem sind nur mehr Glückwünsche zum Geburtstag Johanna Dohnals anzufügen.

Eva Kreisky, Margit Niederhuber (Hrsg.), Johanna Dohnal · Eine Festschrift, Milena-Verlag Wien, Reihe Dokumentation Band 17, ISBN 3-85286-068-7.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 1999-02-11 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-04-07 12:10:00



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