• vom 01.11.1998, 00:00 Uhr

Politik

Update: 08.04.2005, 16:28 Uhr

Flüchtiger Bankier hat sich offenbar verspekuliert

Nun kommt Licht in die Causa Rieger




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  • Knalleffekt in der Causa Rieger: LASK-Vizepräsidentin Brigitte Campregher wurde am Samstag wegen des Verdachts der "Begünstigung" des flüchtigen Bankiers Wolfgang Rieger und wegen
  • Verdunkelungsgefahr in Linz verhaftet.

Campregher wird bis heute, Montag, bei der Wirtschaftspolizei (WIPO) in Wien in Haft bleiben, teilte Innenministeriumssprecherin Cornelia Zoppoth gestern mit.

Über eine vom Nachrichtenmagazin "profil" ins Spiel gebrachte Geld-Spur von Rieger nach Lugano wußte man bei der WIPO nichts. Der Bankier selbst sagt in einem "News"-Interview, das auszugsweise


in der neuesten Ausgabe von "Format" veröffentlicht wird, daß er das Geld verspekuliert habe. "profil" und "Format" berichteten, daß die Diskont Bank Riegerbank-Anleihen im Nominale

von 81 Mill. Schilling um einen Bruchteil des Einstandpreises verkauft hat.

Die Einvernahmen Campreghers - sie ist Geschäftsführende Gesellschafterin der Firmen BC Industriemontagen und BC Industrietechnik, die mit 550 Mitarbeitern im Vorjahr 290 Umsatzmillionen

erwirtschaftet haben - liefen am Wochenende jedenfalls auf Hochtouren. Insbesondere dürfte es dabei um Angaben gehen, die auf den derzeitigen Aufenthaltsort des flüchtigen Rieger schließen lassen.

Der Bankier und LASK-Präsident war der Exekutive vergangene Woche in Nizza entkommen und ist seither verschwunden. Campregher hatte ihn gemeinsam mit dem "News"-Journalisten Karl Wendl - einem

"engen Bekannten" der 45jährigen - getroffen. Ihrer Darstellung zufolge ging es bei ihrem Gespräch mit Rieger um die Zukunft des LASK, außerdem habe sie versucht, den Bankier dazu zu

überreden, sich zu stellen.

Bei dem Gespräch in Nizza habe Rieger einen verzweifelten Eindruck gemacht, er sei "fix und fertig". Er habe auch gesagt, daß "es ihm leid tut" und daß er "erpreßt" werde, von wem, wisse sie nicht,

so Campregher bei einer von ihr selbst einberufenen Pressekonferenz, in deren Anschluß sie verhaftet worden war. Rieger sagte in dem Interview mit Wendl in Nizza: "Ich habe zehn Jahre lang Bilanzen

gefälscht und das Geld schlicht verspekuliert. Jetzt ist es weg." Seine Flucht sei "eine Kurzschlußhandlung, ein Blackout" gewesen. Die Flucht wäre auch nicht von langer Hand vorbereitet gewesen.

Rieger ist vergangene Woche nach seiner Beinahe-Verhaftung in der Nähe von Cannes wieder untergetaucht. Vor seiner Flucht mußte er einen Teil der aus dem Tresor der Riegerbank verschwundenen 107

Mill. Schilling sowie zwei - abgelaufene - auf seinen Namen lautende Reisepässe zurücklassen.

Die in Frankreich sichergestellten Riegerbank-Millionen sollen so schnell wie möglich den Privatkunden der in den Konkurs geschlitterten Bank zugute kommen, fordert der Kreditschutzverband von 1870

(KSV). Riegerbank-Masseverwalter Klemens Dallinger unternehme derzeit alle rechtlichen Schritte um die aufgefundenen 100 Mill. Schilling für die Konkursmasse zu erhalten.

Über die Diskont Bank AG (vormals EffectInvest) wurde wie erwartet am Freitag die gerichtliche Geschäftsaufsicht angeordnet, teilte der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) mit. Ein Konkurs sei

nicht auszuschließen, betonte der Insolvenzexperte im Alpenländischen Kreditorenverband (AKV), Andreas Handler. Mit Verhängung der richterlichen Geschäftsaufsicht wird die Diskont Bank automatisch

ein Fall für die Einlagensicherung des Bankenverbandes. Anhand der Daten, die die Diskont Bank regelmäßig an die Nationalbank meldet, könnten die besicherten Einlagen und so die Entschädigungssummen

bis 500 Mill. Schilling erreichen, hieß es.

Die Diskont Bank hatte nach Magazinberichten ("Format") erst kürzlich die Einlagensicherung davon informiert, daß sie 81 Mill. Schilling Nominale der Rieger-Anleihe in den Büchern stehen und

jetzt Probleme habe. Die beiden heute, Montag, erscheinenden Nachrichtenmagazine "profil" und "Format" melden nun, daß die Diskont Bank vorige Woche ihre Riegerbank-Anleihen im Nominale

von 81 Mill. Schilling um einen Bruchteil des Einstandspreises verkauft hat. Der Käufer - Euro Invest - spricht im "profil" von einem "klassischen Junk Bond-Deal".

Während "Format" lediglich von einer Gruppe anonymer Investoren als Käufer spicht und als Erlös rund 10 Mill. Schilling nennt, berichtet "profil", daß das Anleihepaket "um weniger als

eine Million" an die Euro Invest Bank verkauft worden sei.

Bisher war vermutet worden, daß die Diskont Bank - sie hatte für eine Provision von 15% die Riegerbank-Anleihe vom Frühjahr 1998 auf den Markt gebracht - immer noch im Besitz dieses Anleihepakets

wäre.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 1998-11-01 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-04-08 16:28:00


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