• vom 31.01.2012, 14:13 Uhr

Politik

Update: 31.01.2012, 14:37 Uhr

Orden

Nach "Juden"-Sager: Kein Orden für Strache




  • Artikel
  • Kommentare (4)
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Ehrenzeichen zurückgestellt.
  • FPÖ sieht eigenwilliges Amtsverständnis.

Wien. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache muss sich fürs erste keine Gedanken mehr machen, was er mit dem von der Regierung zugesagten "Großen Goldenen Ehrenzeichen mit dem Stern" anfangen soll. Er bekommt es nämlich gar nicht. Bundespräsident Heinz Fischer hat beschlossen, den entsprechenden Vorschlag der Regierung zurückzustellen. Anlass sind kolportierte Äußerungen des freiheitlichen Obmanns beim Ball des Wiener Korporationsrings vergangenen Freitag.


Strache soll dort angesichts der heftigen Proteste gegen die Veranstaltung unter anderem gemeint haben: "Das war wie die Reichskristallnacht" und "Wir sind die neuen Juden." Der FPÖ-Chef bestritt diese Äußerungen nicht, sieht sie aber als aus dem Zusammenhang gerissen.

Wegen Vergleichs der Demo mit Novemberpogrom
Den Bundespräsidenten besänftigte das nicht. Da Strache "die Demonstrationen gegen den WKR-Ball - in welchem Zusammenhang auch immer - mit dem verbrecherischen und zahlreiche Todesopfer fordernden Novemberpogrom der Nationalsozialisten in Zusammenhang gebracht hat", habe er entschieden, die Verleihung des Ehrenzeichens zurückzustellen.

Auf Nachfrage der APA wurde in der Präsidentschaftskanzlei erklärt, dass der Bundespräsident Ehrenzeichen immer wieder einmal zurückgestellt habe. Ob es zu einer späteren Verleihung kommen wird, wollte man in der Hofburg nicht einschätzen.

Kickl: "Pseudomoralische Agitation"
Die FPÖ erkennt in der Rückstellung des Ehrenzeichens für Parteichef Heinz-Christian Strache durch Bundespräsident Heinz Fischer ein eigenwilliges Amtsverständnis des Staatsoberhaupts. Fischer stelle "auf Zuruf der linken Jagdgesellschaft" traditionelle Gepflogenheiten der Republik in Frage, wunderte sich FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl und erkannte eine "pseudomoralische Agitation".

Offenbar habe der Bundespräsident kein Problem, "wenn hunderte vermummte Linksextremisten unmittelbar vor seinem Amtssitz mit Bomben spazieren gehen und gewalttätige Akte inklusive Brandschatzung und Körperverletzungen setzen", meinte Kickl. Mahnende Worte Fischers zu den Ausschreitungen bei den Protesten gegen den WKR-Ball vermisse man nämlich bis heute.

Strache wollte Orden ausstellen
Rund um das Ehrenzeichen hatte es schon vor einer Woche Wirbel gegeben. Die FPÖ hatte kritisiert, dass die Regierung sich selbst Ehrenzeichen verleihe, musste aber zur Kenntnis nehmen, dass die Koalition auch Strache auf Antrag der Nationalratspräsidentin eine Auszeichnung zugestanden hätte. Der Chef der Freiheitlichen erklärte darauf, den Orden selbstverständlich annehmen zu wollen, weil er ihn verdient habe. Am Samstag wiederum kündigte er an, das Ehrenzeichen nicht tragen zu wollen, sondern es den fleißigen Österreichern zu widmen und es öffentlich auszustellen.




Schlagwörter

Orden, WKR-Ball, Heinz Fischer

4 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2012-01-31 14:14:15
Letzte Änderung am 2012-01-31 14:37:25



Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Die neuen, höheren Sozialtarife
  2. Lob und Tadel nach einem Jahr
  3. Wien beendet Verfahren zu Doppelstaatsbürgerschaften
  4. Immer noch schärfer
  5. Burgenland bei der Mindestsicherung auf Kurs mit dem Bund
Meistkommentiert
  1. Köstinger bremst Hofer ein
  2. Anordnung für Drasenhofen direkt von Waldhäusl
  3. Juristen sehen "Anwesenheitspflicht" für Asylwerber skeptisch
  4. FPÖ klagt Republik
  5. Regierung erwägt nächtliche "Anwesenheitspflicht" für Asylwerber

Der chinesische Künstler Jin Shan vor einer seiner Skulpturen in seinem Studio in Shanghai. 



Werbung