• vom 08.10.2012, 16:05 Uhr

Politik

Update: 08.10.2012, 16:08 Uhr

Anton Benya

100 Jahre Benya: ÖGB und Parlament würdigen Langzeitpräsidenten




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  • Foglar: "Mussten uns jeden kleinen Fortschritt hart erkämpfen"
  • Faymann: "Großer Baumeister der Zweiten Republik" .
  • Leitl: Stand für sozialen Frieden und Augenmaß.

Bundeskanzler Werner Faymann würdigte Benya dabei als einen der "großen Baumeister der Zweiten Republik", Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl als "Vorbild". - © APAweb/BKA/ANDY WENZEL

Bundeskanzler Werner Faymann würdigte Benya dabei als einen der "großen Baumeister der Zweiten Republik", Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl als "Vorbild". © APAweb/BKA/ANDY WENZEL

 Wien. Der langjährige ÖGB- und Parlamentspräsident Anton Benya wäre am Montag 100 Jahre alt geworden. Gewerkschaft und Nationalrat gedachten des 2001 verstorbenen SP-Politikers mit einer Festveranstaltung im Parlament. Bundeskanzler Werner Faymann würdigte Benya dabei als einen der "großen Baumeister der Zweiten Republik", Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl (V) als "Vorbild". Und ÖGB-Präsident Erich Foglar (S) nutzte die Gelegenheit, "uns ins Gedächtnis zu rufen, dass gerade für uns Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nie etwas vom Himmel gefallen ist".

Benya habe stets Lösungen am Verhandlungsweg gesucht, im Zweifelsfall aber auch den Konflikt nicht gescheut, sagte Foglar bei der rund eineinhalbstündigen Veranstaltung, zu der einiges an rot-schwarzer Politprominenz in den Plenarsaal des Parlaments gekommen war. "Wenn wir streiken, dann streiken wir nicht zum Spaß, sondern wir sind uns der Verantwortung bewusst", sei sein Credo gewesen, meinte Foglar. Und das Gedenken an Benya sei auch Erinnerung daran, "dass wir uns jeden kleinen Fortschritt immer hart erkämpfen mussten".

Wirtschaftskammerpräsident Leitl würdigte Benya als einen Mann, der für "sozialen Frieden" und für "Augenmaß" gestanden sei. Mit seiner Bescheidenheit und seinem Anstand sei Benya heute mehr denn je ein "Vorbild". Ähnlich der Zweite Nationalratspräsident und Beamtengewerkschafter Fritz Neugebauer (V): Bei Benya habe es keine Skandale, Bereicherung oder Pfründe gegeben. Er sei ein Pragmatiker mit Handschlagqualität und stets darum bemüht gewesen, den Partner nicht das Gesicht verlieren zu lassen.

"Ein großer Baumeister der Zweiten Republik"
Faymann zählte Benya "zu den großen Baumeistern der Zweiten Republik". Benya sei kämpferisch für die Interessen der Arbeitnehmer eingetreten, habe dabei aber immer die Grenze des Zumutbaren für die Gegenseite beachtet. Und Benyas Erfahrungen in den von hoher Arbeitslosigkeit geprägten 1930er Jahren bezeichnete Faymann angesichts der Entwicklung in manchen Teilen Europas als "Warnung" dafür, wie stark eine Gesellschaft in Reich und Arm auseinanderbrechen könne. Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (S) würdigte Benya als "außergewöhnliche Persönlichkeit": "Anton Benya war ein Kämpfer. Gleichzeitig wusste er immer, wann es notwendig war, Kompromisse zu schließen."

Der Metallergewerkschafter Benya stand 30 Jahre lang (1963 bis 1987) an der Spitze des ÖGB, 15 Jahre (1971 bis 1986) war er Nationalratspräsident. Der ÖGB war damals am Höhepunkt seiner politischen und gesellschaftlichen Macht und dass ein SP-Vorsitzender auf die Idee kommen könnte, "Spitzengewerkschafter" aus dem Nationalrat verbannen zu wollen, wie das Alfred Gusenbauer nach dem BAWAG-Skandal 2006 verkündete, wäre dem gelernte Elektromechaniker wohl nicht im Traum eingefallen. Wobei: Dass sein Nachfolger an der Gewerkschaftsspitze, Fritz Verzetnitsch, den legendären Streikfonds verpfänden würde, um Spekulationsverluste der Gewerkschaftsbank abzufangen, hätte sich Benya bei seinem Abschied wohl auch nicht träumen lassen.

Die "Benya-Formel"
Bis heute erhalten geblieben ist die "Benya-Formel" als Basis der Gehaltsverhandlungen zwischen Gewerkschaft und Wirtschaftskammer: Demnach sollen die jährlichen Lohnerhöhungen sowohl die Inflationsrate abgelten als auch den halben Produktivitätsgewinn an die Arbeitnehmer weitergeben. Wirtschaftsforscher sehen diese Formel als Grundlage für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie.

An Benyas Fußballleidenschaft - er war von 1990 bis 1993 Präsident des SK Rapid und bis zu seinem Tod am 5. Dezember 2001 Ehrenpräsident - erinnerte Rapid-Präsident Rudolf Edlinger. Seit seinen Jugendjahren als Kicker bei den Penzinger Amateuren sei Benja "ein Grün-Weißer" gewesen und für ihn habe es nur zwei Mannschaften gegeben: "Rapid und die Rapid-Reserve."

Zur Festveranstaltung gekommen waren außerdem u.a. die Klubchefs der Koalitionsparteien, Josef Cap und Karlheinz Kopf, die SP-Landeshauptleute von Wien und Salzburg, Michael Häupl und Gabi Burgstaller, die Sozialpartner-Spitzen Herbert Tumpel (AK) und Gerhard Wlodkowsky (Landwirtschaftskammer) sowie die Präsidenten der drei Höchstgerichte und Benyas Nachfolger im ÖGB, Verzetnitsch.




Schlagwörter

Anton Benya, Parlament, ÖGB

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Dokument erstellt am 2012-10-08 16:06:26
Letzte Änderung am 2012-10-08 16:08:08



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