• vom 11.01.2013, 15:06 Uhr

Politik

Update: 11.01.2013, 15:18 Uhr

Burnout

Anschober schaltet nach Burnout zurück




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  • Schrittweise Rückkehr in die Politik
  • Grünen-Politiker legt Landessprecher-Funktion in Oberösterreich zurück.

Linz. In seiner ersten Pressekonferenz nach einer dreimonatigen Auszeit wegen Burnouts hat Oberösterreichs Grüner Landesrat Rudi Anschober am Freitag in Linz angekündigt, dass er die Funktion des Landessprechers im Laufe des Jahres weitergeben wird. Er wolle sich auf die Regierungsarbeit und sein Umweltressort konzentrieren. "Es geht um meine persönliche Energiewende", so der 51-Jährige. Im September hatte sich Anschober eine Auszeit genommen.

Rudi Anschober kehrt in die Politik zurück.

Rudi Anschober kehrt in die Politik zurück.© APAweb/Rubra Rudi Anschober kehrt in die Politik zurück.© APAweb/Rubra


Der Schritt falle ihm nicht leicht, gestand Anschober, hatte er die Funktion doch zuletzt seit 2002 inne. Er verbleibe im Leitungsteam der Grünen Oberösterreich und werde den Neuen oder die Neue mit ganzer Kraft unterstützen. Am Montag sei das Thema im Landesparteivorstand besprochen worden, im Februar werde man über das Prozedere und den Zeitpunkt beraten. Im übrigen sei überall sonst, wo die Grünen Regierungsbeteiligung haben, diese Funktion von der des Landessprechers getrennt.


Offen sprach Anschober über die Krankheit Burnout. Im Frühjahr 2012 habe er erste Symptome bei sich gemerkt, Schlafstörungen plagten ihn. Als nach einer Woche Urlaub im Juli keine Besserung eintrat und Schmerzen nicht mehr weggingen, suchte er ärztlichen Rat und bekam die Diagnose Burnout. "Ich habe keine Minute überlegt, etwas zu erfinden", betonte er. Auch für seinen persönlichen Genesungsprozess sei es gut gewesen, ehrlich mit der Diagnose umzugehen. "Ich habe in der Erfolgsgeschichte der Grünen Oberösterreich, mich selbst und die Balance zwischen Privatem und Politik aus den Augen verloren." Im Dezember habe er die erste Nacht durchgeschlafen - "ein wundervolles Gefühl" - und gespürt, dass die Kraft zurückkomme.

Er hatte auch eine Bitte: "Burnout ist vielschichtig und hat unterschiedliche Erscheinungsformen und Genesungsverläufe. Es kann zwei, drei Monate oder auch viel länger dauern bis die Betroffenen wieder zu Kraft kommen", appellierte er, nun nicht zu glauben, dass jeder Erkrankte nach drei Monaten in seinen Job zurückkehren könne. Er habe es da auch leichter, weil er sich seine Arbeit einfacher verändern könne als manch anderer; aber auch schwerer, weil die Öffentlichkeit herschaue, erklärte Anschober. Er möchte, dass die Politik das Tabu Burnout zum Thema mache und sich nach seiner vollständigen Genesung darum annehmen. Zahlreiche Reaktionen wie Briefe, SMS und Begegnungen auf der Straße hätten ihm viel Kraft gegeben, nun möchte er den Betroffenen Mut machen.

Die ersten drei Wochen wieder im Job seien "problemlos, aber mit enorm viel Freude" verlaufen. In einer nächsten Etappe bis Ostern möchte er sich in Richtung normale Arbeitszeit entwickeln, "so wie ich sie mir jetzt vorstelle, anders als in der Vergangenheit", betonte der Politiker. Dazu gebe es Änderungen in der Arbeitsorganisation wie Handypausen und keine Akten mehr mit nach Hause zu nehmen, aber auch besser delegieren zu lernen. Er wolle sich auf Schwerpunkte konzentrieren wie sein Ressort, die Koalitionsarbeit und das internationale Vorantreiben der Energiewende. Auch werde er in sich "hineinhören, was geht, was tut mir gut". Kontrolleur brauche er keinen, das übernehme er selber.

Dank an Pühringer
Wochenend- oder Abendtermine gebe es in der nächsten Zeit auf seiner Agenda keine, da werde weiterhin "das Kleeblatt der Grünen" im Einsatz sein, sprach er seine Vertretung durch die beiden Landessprecher-Stellvertreterinnen Ulrike Schwarz und Maria Wimmer, Klubobmann Gottfried Hirz und Geschäftsführerin Michaela Heinisch an. Ihnen, seiner Partnerin, seinen Medizinern, Landeshauptmann Josef Pühringer, der ihn in der Regierung vertrat, und Menschen, von denen er Reaktionen erhalten habe, dankte er "von Herzen".

Auf das Wahljahr 2013 und eine mögliche neue Aufgabe in der Bundespolitik angesprochen, meinte er: "Ich habe zur Zeit andere Sorgen als den Herbst 2013 oder das Jahr 2015 (Landtagswahlen in OÖ, Anm.)." Er wolle fit werden und gesund sein, dann würden sich alle Fragen neu stellen. "Ich habe den Eindruck, dass der Lernprozess mich stark machen und ich als politische Person stärker als zuvor sein kann", machte er deutlich, dass seine Lust an der Politik ungebrochen ist.




Schlagwörter

Burnout, Grüne, Rudi Anschober

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Dokument erstellt am 2013-01-11 15:08:15
Letzte Änderung am 2013-01-11 15:18:21



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