• vom 25.01.2013, 18:22 Uhr

Politik


Harald Dobernig

Was Haider befahl, bezahlte die Hypo




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  • Ohne Sicherheiten überwies Bank eine halbe Million für ein Formel-1-Cockpit.

Wien. Talent plus viel, viel Geld. Das ist die Zauberformel aller Rennfahrer, wenn sie einmal in der Formel 1 ihre Runden drehen wollen. Der Kärntner Patrick Friesacher hatte Talent - und das brachte ihm Ende 2004 eine Einladung des Minardi-Rennstalls ein, der für viele spätere Größen wie Fernando Alonso, Mark Webber oder Giancarlo Fisichella die Eintrittskarte in die Königsklasse des Motorsports gewesen war.


Was Friesacher jedoch fehlte, war das Geld. Bei den kleinen, privaten Teams in der Formel 1 gibt es ein Cockpit nur gegen eine satte Mitgift, und so verlangte der Minardi-Teamchef Paul Stoddard 2 Millionen Dollar (1,66 Millionen Euro). Wenige Tage vor dem ersten Rennen im März 2005 kam dann die scheinbar finale Ausladung, das versprochene Geld war nicht da. Eine Woche später wurde Friesacher in Velden dann aber doch noch als Pilot präsentiert - in Anwesenheit von Landeshauptmann Jörg Haider, der "seinem Landsmann bei der Sponsorensuche sehr geholfen" habe, wie die APA damals schrieb.

Russisches Geld
Woher plötzlich die Sponsorgelder kamen, warum sie dann, im Sommer, wieder versiegten und Friesacher sein Cockpit auch wieder verlor, bot schon damals Anlass für wilde Spekulationen in Kärnten. Haider wollte die Geldgeber partout nicht nennen, es seien private Sponsoren, die keine Gegenleistung forderten, sagte der Landeshauptmann damals.

Der Prozess gegen Haiders ehemaligen Referenten Franz Koloini bringt nun, Jahre später, Licht in diese Geldflüsse, und er offenbart auch, welchen Einfluss Landeshauptmann Haider auf die Hypo-Alpe-Adria hatte (und von diesem auch Gebrauch machte).

Im Prozess geht es um den Vorwurf, die zwei russischen Geschäftsmänner Alexey B. und Artem B. hätten auf ein Hypo-Konto 1 Million US-Dollar und 900.000 Euro einbezahlt, um die österreichische Staatsbürgerschaft zu erhalten. Haider soll demnach bei den damaligen Regierungsmitgliedern Wolfgang Schüssel, Martin Bartenstein und Liese Prokop interveniert haben, und obwohl sowohl das Bundeskriminalamt als auch die Fachabteilung im Innenministerium die Verleihung der Staatsbürgerschaft nicht befürwortet hatten, erhielten die beiden Russen in der allerletzten Ministerratssitzung der ÖVP-BZÖ-Koalition im Jänner 2007 einen österreichischen Pass.

Doch es dauerte eben, und es dauerte offenbar zu lange für Stoddard, der Friesacher knapp vor Saisonbeginn wieder von der Fahrerliste streichen wollte. Dann sprang die Hypo ein. Wie der damalige Bankvorstand Gert Xander als Zeuge aussagte, hätten ihn zunächst Koloini, dann Haider persönlich gedrängt, eine halbe Million Dollar ans Minardi-Team zu überweisen, was die Hypo dann auch tat - ohne jedwede Sicherheiten. Der Bank sei zwar versprochen worden, dass das Obligo binnen kurzer Zeit abgedeckt werden würde, doch erst fünf Monate später sei eine Zahlung von 1 Million Dollar eingegangen - von den beiden wegen Bestechung angeklagten Russen.

Dobernig weiß von nichts
Die Hypo leistete dann weitere Zahlungen ans Minardi-Team, das am Ende der Saison von Red Bull gekauft wurde. Das Obligo blieb bestehen, und wie aus einem Aktenvermerk eines Bankangestellten hervorgeht, sei der Hypo im Oktober 2006 dann klar gewesen, dass es erst nach Staatsbürgerschaftsvergabe beglichen werden würde. Die letzte Rate kam dann auch wenige Tage nach der Ministerratssitzung im Jänner 2007.

Der Bankangestellte, der kommenden Montag aussagen soll, beruft sich auf Informationen von Harald Dobernig, damals Haiders Büroleiter, heute Finanzlandesrat. Dobernig wies im Zeugenstand die Vorwürfe zurück. Er sei weder ins Sponsoring noch in die Staatsbürgerschaftsvergabe eingebunden gewesen: "Im Grunde habe ich nie was damit zu tun gehabt."

Als das Friesacher-Konto bei der Hypo dann aufgelöst wurde, war auf diesem ein Überhang von 197.000 Euro. Diese hob Koloini - laut eigener Aussage auf Ersuchen Haiders - ab und übergab sie Haider in bar, weswegen sich der Ex-Referent nun gegen den Vorwurf der Geldwäsche verantworten muss. Ein Urteil ist für Montag zu erwarten.




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Dokument erstellt am 2013-01-25 18:26:02



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