• vom 14.11.2013, 09:00 Uhr

Politik


Asyl

"Systemversagen" bei Asylheimen




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  • Rechercheplattform Dossier besuchte 98 Grundversorgungsquartiere.

Schimmel im Bad einer Unterkunft in Aschau. In Pama waren Matratzen schimmlig.

Schimmel im Bad einer Unterkunft in Aschau. In Pama waren Matratzen schimmlig.© Dossier Schimmel im Bad einer Unterkunft in Aschau. In Pama waren Matratzen schimmlig.© Dossier

Wien. Der Verdacht, dass die organisierten Unterkünfte für Asylwerber in der Grundversorgung oft menschenunwürdig sind, drängt sich spätestens seit dem Skandal um die Saualm in Kärnten auf. Hier hat vor kurzem erst die Volksanwaltschaft einen vernichtenden Bericht vorgelegt.

Bestätigt hat sich der Verdacht nun durch eine umfangreiche Recherche der investigativ- und datenjournalistischen Plattform Dossier. Von April bis November 2013 haben die Journalisten insgesamt 98 organisierte Quartiere für Asylwerber im Burgenland, in Niederösterreich und in Salzburg untersucht und die Zustände fotografiert. Zusätzlich wurde ein Ranking nach Punkten vorgenommen: Ausgangspunkt waren für jedes Quartier 30 Punkte, bei negativen Beobachtungen wurden Minuspunkte vergeben, für positive Maßnahmen - Leistungen, die nicht zwingend erforderlich sind, den Asylwerbern aber den Alltag erleichtern, also zum Beispiel das Angebot von Deutschkursen - gab es Pluspunkte.


Insgesamt hat ein Drittel der besuchten Unterkünfte nach dieser Definition grobe Mängel aufgewiesen: Unhygienische und gesundheitsgefährdende Lebensbedingungen, mangelhafte Verpflegung und Eingriffe in die persönliche Freiheit wurden festgestellt. Neben Schimmel in den Unterkünften, losen Leitungen und kaputten Matratzen bemängelt Dossier auch fehlende Infrastruktur, da viele der Unterkünfte abgeschieden liegen. Ein zentrales Problem ist für Dossier-Chefredakteur Florian Skrabal die fehlende Kontrolle durch die Länder, in deren Kompetenz die Grundversorgung ja liegt.

Kontrolle durch Länder fehlt
"Die Recherche hat ein Systemversagen gezeigt: Fehlende oder mangelhafte Kontrollen durch die Länder führen dazu, dass Missstände nicht entdeckt beziehungsweise behoben werden. Die Betreiber kann man dafür nicht alleine verantwortlich machen", sagte Skrabal.

Am Donnerstag werden alle Ergebnisse auf der Website www.dossier.at veröffentlicht, am Abend (ab 22.15 Uhr) gibt es außerdem einen Schwerpunkt zum Thema auf Servus TV, das sich an der Recherche beteiligt hat.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-11-13 18:50:04
Letzte Änderung am 2013-11-13 18:59:03



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