• vom 26.11.2013, 16:53 Uhr

Politik

Update: 26.11.2013, 17:10 Uhr

Schulautonomie

"Es braucht die Lehrer an Bord"




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Von Bettina Figl

  • Schulinspektoren und Ministerien entscheiden - in Österreich ist die Schulautonomie sehr gering ausgeprägt.
  • Der Weg zu mehr Autonomie funktioniert nur mit den Pädagogen.

"Es gibt viele Variablen": Mehr Autonomie ist kein Allheilmittel, um bei Bildungstests besser abzuschneiden, sagt Montt.

"Es gibt viele Variablen": Mehr Autonomie ist kein Allheilmittel, um bei Bildungstests besser abzuschneiden, sagt Montt.© Fotolia/Sergey Nivens "Es gibt viele Variablen": Mehr Autonomie ist kein Allheilmittel, um bei Bildungstests besser abzuschneiden, sagt Montt.© Fotolia/Sergey Nivens

Wien. Zum Stichwort Schulautonomie kommen den meisten vor allem die schulautonomen Tage in den Sinn, also jene schulfreien Tage, die Schulen selbst bestimmen können. Doch das war’s dann auch schon mit der Entscheidungshoheit der Schulleiter, und von vielen Seiten wird mehr Autonomie im österreichischen Schulsystem gefordert. Ein oft herangezogenes Beispiel lautet, Direktoren sollten ihr Team, also die Lehrer, selbst aussuchen können. In Österreich ist die Schulautonomie bei der Vergabe von Ressourcen im OECD-Vergleich sehr gering, beim Lehrplan liegt es im hinteren Mittelfeld. Doch ist Schulautonomie wirklich ein Rezept auf dem Weg zu einem besseren Bildungssystem? Guillermo Montt, Soziologe und Statistiker bei der OECD, forscht zu Ungleichheiten in Bildungssystemen und analysiert die Pisa-Ergebnisse. Bei einem Bildungssymposium in Wien sprach er vor Lehrern, aber auch mit der "Wiener Zeitung", über Schulautonomie.

"Wiener Zeitung":Schneiden Länder mit viel Autonomie bei Tests wie Pisa besser ab?


Guillermo Montt: Sie schneiden besser ab als andere. Das heißt aber nicht, dass, wenn Österreich mehr Autonomie bekommt, es direkt besser abschneiden wird. Es gibt viele Variablen.

Was ändert sich, wenn die Schulen mehr Autonomie bekommen?



Alles. Wenn Schulleiter entscheiden, wer unterrichtet, ändert das ihre Beziehung zu den Lehrern, die Konkurrenz zwischen den Lehrern und zwischen den Schulen wächst. Wenn Lehrer auswählen, an welchen Schulen sie unterrichten wollen, ändert sich ihre Verteilung.

Und das nicht immer zum Besseren: In Ihrem Heimatland Chile ist das Schulsystem 30 Jahre nach der Einführung von mehr Autonomie sehr segregativ.

Ja, weil es genau so gemacht wurde, wie man es nicht machen sollte. Wir hatten ein zentralistisches System, jetzt liegt die Kompetenz bei den Gemeinden. Die Schulen waren gewohnt, dass ihnen gesagt wird, was zu tun ist, und plötzlich mussten sie selbst Entscheidungen treffen. Heute besuchen Kinder aus der Mittelschicht andere Schulen als Kinder aus ärmeren Familien. Wenn man weiß, wo jemand zur Schule ging, weiß man, welchen sozio-ökonomischen Hintergrund er hat.

Dabei würden benachteiligte Schüler von gemischten Klassen profitieren. Gute Schüler nicht?

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Schlagwörter

Schulautonomie, Interview, OECD

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Dokument erstellt am 2013-11-26 16:56:10
Letzte Änderung am 2013-11-26 17:10:26



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