• vom 05.06.2014, 17:46 Uhr

Politik


Universität

Die Rückkehr des Bummelstudenten




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  • Neue Studie: 40 Prozent der Inskribierten sind im ersten Studienjahr inaktiv, aber weniger Dropouts als angenommen.

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Wien. (kats) 17 inskribierte Fächer an vier Universitäten - von Elektrotechnik bis Philosophie. Das war eines der Highlights, die die Forscher vom Institut für Höhere Studien gefunden haben, als sie die Studienaktivität und Dropout-Raten von Österreichs Studierenden untersuchten. Der junge Mann, der da ein so vielseitiges Interesse an den Tag gelegt hatte, dürfte seine Berufung gefunden haben: Ein Jahr später war er nur noch in zwei Fächern an einer Uni inskribiert.

Dieses skurrile Detail ist freilich nicht das einzige Ergebnis der breit angelegten Studie, die das IHS in den vergangenen zwei Jahren im Auftrag der Universitätenkonferenz (Uniko) durchgeführt hat. Aber es ist ein Charakteristikum des typisch österreichischen Studierenden: Er probiert viel aus, ist am Anfang ziemlich desinteressiert an Prüfungen - und sucht dann eben auch oft sein Glück abseits des Universitätssystems. Denn das ist eines der Hauptergebnisse der Studie, die unter dem Motto "Dropouts sind nicht gleich Dropouts" steht: 40 Prozent der Erstzugelassenen an allen österreichischen Universitäten absolvieren kaum Prüfungen. Die Prüfungsaktivität wurde anhand der erreichten ECTS-Punkte (European Credit Transfer System) in den ersten beiden Semestern nach der Inskription errechnet: 24 Prozent der Studierenden gelten demnach als studieninaktiv, weil sie in dieser Zeit keine einzige Prüfung absolvieren. Weitere 16 Prozent gelten als "prüfungsinaktiv" - sie schaffen maximal 16 ECTS-Punkte in einem Zeitraum, in dem 60 Punkte nötig wären, wollte man das Studium in Mindeststudiendauer hinter sich bringen. "Rechnen Sie sich einmal aus, wie lange der dann für sein Studium braucht", meinte WU-Rektor Christoph Badelt bei der Präsentation der Studie am Donnerstag.


An der Wirtschaftsuni ist die Zahl der inaktiven Studierenden mit mehr als 53 Prozent am höchsten, vor der Universität Wien mit 50 Prozent. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass an jenen Universitäten, an denen es Zugangsregeln gibt, der Anteil der studien- und prüfungsinaktiven Studierenden signifikant abnimmt: So sind etwa an der Medizin-Uni Wien 97 Prozent der Studierenden aktiv, in Graz und in Innsbruck, wo es ebenfalls Aufnahmetest für Mediziner gibt, ist die Situation mit 89 beziehungsweise 92 Prozent ähnlich.

Badelt: Liberales Studienrecht noch gerechtfertigt?
Für Badelt hat dieses Studienergebnis "verheerende politische Folgen": Man müsse sich überlegen, ob "das extrem liberale Studienrecht noch gerechtfertigt ist". So kann er sich vorstellen, dass zum Beispiel das Erststudium gratis ist, für alle darüber hinaus inskribierten Studienrichtungen aber Gebühren anfallen.

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Dokument erstellt am 2014-06-05 17:50:04



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