• vom 06.10.2014, 17:19 Uhr

Politik

Update: 06.10.2014, 17:41 Uhr

Schulprojekt

Die Pflicht als Kür




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  • Durch das Projekt "Prosa" können jugendliche Asylwerber den Pflichtschulabschluss nachholen - Mitte Oktober startet zusätzlich die Abendschule.


© Stanislav Jenis © Stanislav Jenis

Wien. (fib) Dari, Urdu, Hebräisch, Somali: Diese Klasse ist eindeutig mehrsprachig. Die 15 Schüler kommen aus Ländern wie Afghanistan und Indien, Kenia und Somalia. Jeden Nachmittag besuchen sie die AHS Rahlgasse in Wien-Mariahilf, um den Hauptschulabschluss nachzuholen. Prosa, das "Projekt Schule für Alle", existiert seit 2012, vor wenigen Monaten hat die erste Klasse ihren Abschluss gemacht. Ein Absolvent macht nun einen Lehrgang zur Studienvorbereitung, er will an der WU Wien studieren, seine ehemaligen Mitschüler suchen derzeit eine Lehrstelle.

Am 15. Oktober startet zusätzlich in der Brünnerstraße in Wien-Floridsdorf eine Prosa-Abendschulklasse. Denn wenn die "Prosa"-Schüler während ihrer Schulzeit Asyl bekommen haben, haben sie oft die Schule abgebrochen um einer Arbeit nachgehen zu können, sagt Sina Farahmandnia, der "Prosa" vor zwei Jahren ins Leben gerufen hat. Der zweite Grund war, dass es mehr Andrang gibt als Kapazität: Einige der 85 Bewerber mussten abgelehnt werden. "Wir haben viel mehr Bedarf, als wir anbieten können", sagt Farahmandnia, zurzeit nehmen 70 Schüler an Prosa teil, seit dem Vorjahr hat sich die Zahl verdoppelt,

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Ist das bereits die Folge der Flüchtlingswelle aus Syrien und dem Irak? "Nein, das wird sich erst 2015 oder 2016 bemerkbar machen, denn zu uns kommen die Jugendlichen, wenn sie alphabetisiert sind und einen oder zwei Deutschkurse hinter sich haben", sagt Farahmandnia. Er befürchtet, dass sich die Situation für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Niederösterreich, wo viele der Schüler wohnen, verschlechtern könnte, indem die Zuständigkeit nicht mehr dem Jugendamt, sondern dem Innenministerium obliegt. "Wir hören das zum ersten Mal", heißt es aus dem Ministerium zu diesem Vorwurf.

Die Finanzierung steht bei "Prosa" jedenfalls auf wackeligen Beinen: Der Großteil der Lehrer arbeitet ehrenamtlich, aufgrund der Traumatisierung der Jugendlichen sind Sozialarbeiter und ein Psychologe im Einsatz. Der Großteil der Finanzierung stammt aus privaten Spenden, die durch Veranstaltungen wie der "Langen Nacht der Menschenrechte" eingenommen werden.




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Dokument erstellt am 2014-10-06 17:23:04
Letzte Änderung am 2014-10-06 17:41:34




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