• vom 05.03.2015, 17:51 Uhr

Politik

Update: 05.03.2015, 18:08 Uhr

Schulautonomie

Schulautonomie im Zentrum der neuen Schulsteuerung




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  • Expertengruppe fordert in Reformpapier eine Mindestgröße für die autonome Schule und mehr Spielraum beim Lehrplan.

Wien. (temp) Die Reaktionen auf die Evaluierung der Neuen Mittelschule (NMS) waren zwar durchaus geteilt - in einem Punkt war man sich aber weitgehend einig: Die Autonomie der Schulen soll ausgebaut werden. Diese Forderung steht im Zentrum des neuen Modells zur Schulsteuerung, das die Expertengruppe Schulverwaltung unter dem Titel "Freiraum für Österreichs Schulen" für die aus Vertretern der Bundesregierung und der Länder zusammengesetzte Bildungsreformkommission ausgearbeitet hat. Auch die zentrale Steuerung durch das Ministerium und die in den Ländern angesiedelten Bildungsdirektionen sind wesentliche Punkte.

Die Expertengruppe setzt sich aus Landesschulratspräsidenten sowie Spitzenbeamten aus dem Bundes- und Landesbereich und einem Vertreter der Industriellenvereinigung zusammen. In ihrem Reformpapier orten sie die "verflochtenen Zuständigkeiten zwischen Gemeinden, Bund und Ländern", die "getrennte Finanzierung des Schulsystems" und den "verfassungsrechtlich vorgegebenen Parteienproporz". Dem könne man mit Maßnahmen begegnen.


An erster Stelle steht die Forderung, dass Schulen eine "deutliche Stärkung von Autonomie erfahren" sollen. Neue Gestaltungsspielräume sollen entstehen, indem den Schulen die Verantwortung für Pädagogik, Organisation, Personal und Finanzen überantwortet wird. Detailliertere Angaben dazu gibt es aber kaum. Das Schulmanagement obliegt einer "entsprechend qualifizierten Schulleitung, die administrativ unterstützt wird". Die Schulen können Schwerpunkte setzen, dabei inhaltlich bis 25 Prozent vom vorgegebenen Lehrplan abweichen und alternative Leistungsbeurteilungen (derzeit nur als Schulversuch möglich) wählen.

Als "idealtypische Mindestgröße" im Volksschul- und Neue-Mittelschulbereich wird in einer autonomen Schule eine Schülerzahl von 200 angestrebt, in der Sekundarstufe II (Oberstufenbereich) liegt die Grenze bei 400 Schülern. Kleinere Standorte würden aber nicht zugesperrt, sondern in einem "organisatorischen Verbund" zusammengefasst - etwa mit einem gemeinsamen Direktor.

Klare Ziele und Kontrollen
Damit die Schulen ihre Autonomie optimal nutzen können, brauche es klare Zielvorgaben und regelmäßige Ergebniskontrolle. Orientierung geben sollen hier bundesweit einheitliche Rahmen, die vom Bildungsministerium kommen sollen. Die Expertengruppe empfiehlt, die Gesetzgebungskompetenz beim Bund zu belassen, bei gleichzeitigem Wegfall der Ausführungsgesetzgebung.

Durch die Übernahme von Kompetenzen durch die Schulen und klare Vorgaben von der Bundes-Ebene könne die operative Umsetzung über bei den Ländern angesiedelte "Bildungsdirektionen" übernommen werden. Deren Aufgaben wären dann unter anderem die Schulerhaltung und die Personalbewirtschaftung.

Eine Schlüsselrolle scheint einer neu einzurichtenden Qualitätssicherungsstelle zuzukommen. Ihr obliegt die Überprüfung der Schul- und Unterrichtsqualität, die Prüfung einzelner Schulen sowie die Evaluierung der Effizienz des Bildungssystems und die Erstellung eines Schulqualitätsberichts ans Parlament.

Mittels eines "normkostenbasierten Ressourcenmodells" sollen die Kosten durch den Bund transparent berechnet werden. Für die Umsetzung der Reformen wird im Papier ein Ausbauplan bis 2025 vorgeschlagen.

Der Bildungssprecher der Grünen, Harald Walser, sieht in dem Reformpapier die Chance auf einen "wirklichen Schritt vorwärts", wie er betonte. Die Grünen bieten sich als Verhandlungspartner für die Umsetzung an. Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) plädierte indes dafür, im Rahmen der Evaluierung der NMS auch Länderergebnisse zu veröffentlichen.

Ein OECD-Vergleich nährt die allgemeine Forderung nach mehr Autonomie: Laut der Studie "Bildung auf einen Blick" ist die Autonomie der Schulen in Österreich im internationalen Vergleich gering. Nur 31 Prozent der Entscheidungen im Schulwesen werden hier auf Schulebene getroffen - im OECD-Vergleich sind es 41 und in der EU 46 Prozent.




Schlagwörter

Schulautonomie, NMS, OECD

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2015-03-05 17:56:08
Letzte Änderung am 2015-03-05 18:08:06



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