• vom 27.03.2015, 17:45 Uhr

Politik


Netzbetreiber

Schatten über dem Solarstrom




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Von Marina Delcheva

  • Immer mehr Haushalte montieren Photovoltaik-Anlagen auf ihre Dächer und produzieren ihren Strom selbst.
  • Das geht zum Teil auf Kosten anderer Haushalte, weil Netzbetreiber Gebühren und Kosten gegenrechnen.



Wien. "Wie Schwammerln aus dem Boden schießen sie", sagt Martin Graf von der E-Control. Mit den "Schwammerln" sind private, kleine Photovoltaik-Anlagen (PV) mit einer installierten Leistung weniger als fünf Gigawattpeak (GWp) gemeint. In den Vororten und außerhalb der dicht besiedelten Städte schmücken immer mehr dunkelblaue, rechteckige Solarzellen die Dächer von Einfamilienhäusern und wandeln an sonnigen Tagen Licht in Strom um.

Für die Haushalte, die sich diese Anlagen leisten und betreiben können, ist das gut. Sie produzieren einen Teil ihres Stroms selbst und sparen zusätzlich Gebühren. Für Menschen, die zum Beispiel in einem Wiener Gemeindebau leben, ist diese Regelung weniger gut. Die Netzbetreiber haben nämlich einen gesetzlichen Anspruch, ihre Kosten abzurechnen; derzeit belaufen sich diese auf 1,5 Milliarden Euro jährlich, Tendenz sinkend. Das bedeutet: Je mehr PV-Anlagen am Netz hängen, desto mehr werden die dadurch entstandenen Kosten und entgangenen Netzgebühren auf andere Haushalte und kleine Betriebe aufgeteilt. Industrie- und Großbetriebe sind übrigens davon kaum betroffen, weil sie andere Großhandelspreise, Tarife und Netzstufen haben.


Ein Prozent des Stroms
aus Photovoltaik

Tatsächlich erlebt die PV in den vergangenen Jahren einen Aufschwung. In der Herkunftsnachweisdatenbank der E-Control sind über 50.000 PV-Anlagen registriert. Die Dunkelziffer dürfte jedoch höher sein, weil dort beispielsweise keine Anlagen aufscheinen, die nicht von der Österreichischen Abwicklungsstelle für Ökostrom gefördert sind. Eine zentrale PV-Datenbank gibt es nicht. Mit einer installierten Leistung von 626 Megawattpeak machte die PV 2013 1,1 Prozent am gesamten österreichischen Stromverbrauch aus. Bis Jahresende soll die Leistung auf ein GWp steigen, bis 2020 auf 1,2 GWp. Geschätzte drei Viertel der Anlagen entfallen auf private Haushalte und Landwirtschaften.

Netzbetreiber wollen
neue Spielregeln

Angesichts dieser Entwicklung keimt nun in der österreichischen Stromwelt eine Diskussion über neue Netzstruktur und neue Netzkosten auf. Der Vorwurf: Die PV-Anlagenbetreiber würden auf Kosten anderer Stromkonsumenten, die sich solche Anlagen nicht leisten können, vom bestehenden System profitieren. "Es ist eine Entsolidarisierung der PV-Anlagenbetreiber zu Lasten jener, die keine PV-Anlagen haben", argumentiert etwa Graf. "Die Umstellung der Stromproduktion in Richtung dezentraler erneuerbarer Energien erfordert nicht nur einen Ausbau der Netze, sondern auch eine Neuausrichtung der Kostenaufteilung", sagt Barbara Schmidt, Generalsekretärin der Interessensvertretung der E-Wirtschaft Österreichs Energie, im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung.

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Dokument erstellt am 2015-03-27 17:47:11



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