• vom 14.08.2015, 08:41 Uhr

Politik

Update: 15.08.2015, 09:10 Uhr

Asyl

"Eine ziemlich dominante Stille"




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Von Eva Zelechowski

  • Amnesty-Bericht zeigt "unmenschliche Behandlung" in Traiskirchen und "unnötige administrative Strukturen".

Wien/Traiskirchen. Nach einer Überprüfung im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen präsentierte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International am Freitagvormittag ihren Bericht mit den Ergebnissen. Positives gibt es vom AI-Research-Team zur menschenrechtlichen Situation in den Bereichen Unterbringung, Verpflegung und medizinischer Versorgung nicht zu berichten. "Die Situation in der Bundesbetreuungsstelle Traiskirchen ist schwer menschenrechtsverletzend", urteilt Heinz Patzelt, Generalsekretär von Amnesty International.

Am 6. August hatte ein Team, darunter AI-Kommunikationschefin und Head of Mission Daniela Pichler sowie der Arzt Siroos Mirzaei, Zugang zum Lager erhalten. Bei ihrem Aufenthalt, der mehrere Stunden dauerte und zum Teil von Mitarbeitern der Lagerbetreuungsfirma ORS und des Innenministeriums begleitet wurde, konnten sie sich ein genaues Bild über Unterkunft, Administration, Verpflegung, medizinischer Versorgung und der Situation für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge machen. Auch fanden einzelne Gespräche mit den Asylsuchenden statt.

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Der Wunsch, in Frieden zu leben

"Das erste Gefühl, das sich beim Betreten der Einrichtung einstellt, ist Betroffenheit. Zu sehen, wie Menschen in der enormen Hitze versuchen, Schatten zu finden, ist schrecklich. Häufig liegen sie auf dem Asphalt. Es herrscht eine ziemlich dominante Stille", erzählt Pichler von ihren persönlichen Eindrücken. Sie habe erwartet, dass unzählige Menschen auf sie einströmen würden, aber es kamen nur vereinzelt Personen, die ihre Geschichte erzählen wollten. Sehr beeindruckt sei sie von der Bescheidenheit der Menschen, die aus ihrer Heimat vor Krieg und Verfolgung fliehen mussten und "eigentlich nur einen Wunsch haben: in Frieden zu leben, in Österreich oder am liebsten bald wieder in ihrem Heimatland".

Den Fakten-Bericht teilte das Research-Team in vier Bereiche: Unterkunft, Verpflegung, medizinische Versorgung und Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge.

1500 Obdachlose

Wenig überraschend ist das Ergebnis zu den Unterkünften: Es gebe keine angemessenen Unterkünfte. "Es gibt über 1.500 Obdachlose innerhalb des Areals der Erstaufnahmestelle, hinzu kommen zahlreiche Menschen, die sich außerhalb des Zauns befinden und warten", sagte Pichler.

Wie viele Menschen außerhalb des Lagers ausharren, wisse man nicht, auch wenn täglich zwei Teams unterwegs sind, um Standzählungen vorzunehmen. Durch die Aufnahme einiger Asylsuchender in der Sicherheitsakademie des Innenministeriums (SIAK) und den zehn Bussen vor dem Aufnahmezentrum sei die Zahl der Menschen ein wenig gesunken.

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Dokument erstellt am 2015-08-14 08:42:19
Letzte Änderung am 2015-08-15 09:10:22



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