• vom 01.10.2015, 17:54 Uhr

Politik

Update: 01.10.2015, 20:59 Uhr

Wirtschaftspolitisches Institut

Wettbewerb der Wettbewerbserklärer




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  • Ex-IHS-Chef Christian Keuschnigg baut an einem neuen Institut für Wirtschaftsforschung. Die Konkurrenz ist zweigeteilt.

Die Marktführer: Wifo-Chef Karl Aiginger (Mitte) und IHS-Interimschef Sigurd Höllinger (links) bekommen Konkurrenz durch Ex-IHS-Chef Christian Keuschnigg (rechts). - © apa/H. Fohringer, apa/R. Schlager (2)

Die Marktführer: Wifo-Chef Karl Aiginger (Mitte) und IHS-Interimschef Sigurd Höllinger (links) bekommen Konkurrenz durch Ex-IHS-Chef Christian Keuschnigg (rechts). © apa/H. Fohringer, apa/R. Schlager (2)

Wien. (jm) Der Ex-Chef des Institutes für Höhere Studien (IHS), Christian Keuschnigg, baut ein neues Wirtschaftsforschungsinstitut in Österreich auf, das Wirtschaftspolitische Zentrum, kurz: WPZ. Einer der Partner ist laut deren Webauftritt die Wirtschaftskammer.

Zu erwarten ist, dass Keuschnigg, der Volkswirtschaftsprofessor an der Schweizer Universität St. Gallen ist, wie zuvor beim IHS eine eher wirtschaftsliberale Linie vorgeben wird. Forscher und Spezialisten werden im WPZ großteils befristet arbeiten. Die Verträge sind auf die Projektdauer begrenzt. "Wir bauen dabei stark auf internationale Zusammenarbeit und Experten, die unabhängig sind von österreichischen Positionierungen ideologischer Art und ohne Abhängigkeiten zur nationalen Politik."


Transparenz über Finanziers
Keuschnigg möchte, "dass die Politik gar nicht anders kann" als die Studien aufzugreifen. Medienexperte Dietmar Ecker soll die Studien in die Öffentlichkeit bringen. Ecker war Pressesprecher des früheren Finanzministers Ferdinand Lacina und 1995 Wahlkampfleiter für den damaligen Bundeskanzler Franz Vranitzky. Später gründete Ecker sein eigenes PR-Unternehmen. Zunächst müsse jetzt einmal die Finanzierung klappen, so Keuschnigg. Öffentliche Gelder gibt es für das WPZ nicht. Es würde keine Auftragsarbeiten geben im klassischen Sinn. Wenn eine Studienidee, die aus dem Institut kommt, finanziert wird, werde das Projekt bearbeitet, wenn nicht, dann nicht. Wer die Plattform finanziert, will Keuschnigg offenlegen. Die erste Studie ("Föderalismus und Steuerautonomie) wird vom Institut Agenda Austria finanziert, weil dem Institut das passende Simulationsmodell nicht zur Verfügung stand. "Wenn uns die Arbeiterkammer finanziert hätte, hätten wir das auch gemacht", sagte Keuschnigg. "Und wir hätten das Gleiche geschrieben."

Eine mit dem Sozialforscher Bernd Marin (künftig Webster University Wien) gestartete internationale Vergleichsstudie für ein "Social Inclusion Reform Barometer" wird von der Bertelsmann Stiftung finanziert. Eine Banken/Börsen-Studie ist ebenfalls in Arbeit.

Nun gibt es mit dem Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) und Keuschniggs ehemaligem Arbeitgeber IHS bereits zwei große wirtschaftspolitische Institute in Österreich. Dazu kommen Forschungsabteilungen von Interessengemeinschaften wie der Arbeiterkammer und der Industriellenvereinigung, die 2011 ein eigenes Institut gründete: Eco Austria, das von Ulrich Schuh geleitet wird. Auch er war früher beim IHS.

"Konkurrenz genug"
Der stellvertretende Leiter des Wifo, Marcus Scheiblecker sieht nicht unbedingt eine Notwendigkeit für ein neues Institut. "Die Akteure hierzulande sind alles andere als faul, die bestehenden Institute sind Konkurrenz genug", sagt Scheiblecker. "Ich wüsste nicht, in welchem Feld Österreich eine Lücke aufweist."

Schuh, Vorstand von Eco Austria, ist anderer Meinung. "Das Wifo dominiert den Markt", sagt er. "Ich sehe die Institutsgründung positiv. Keuschnigg kann die Palette ergänzen. Durch die Konkurrenz entsteht Vielfalt, die ich begrüße."

Thomas König, Assistent des Direktors beim IHS, sieht wenig Chance für Keuschnigg: "Konkurrenz belebt zwar das Geschäft, aber ich weiß nicht, ob das WPZ schnell konkurrenzfähig sein wird. Ein Institut hochzuziehen, ist nicht einfach."

Der erste Kunde, die Agenda Austria, begrüßt naturgemäß den Markteintritt des WPZ. "Es ist ja nicht so, dass an vernünftigen Reformvorschlägen hierzulande ein Überangebot herrscht", sagt eine Sprecherin der Agenda Austria. Das privat finanzierte Institut nahm vor zwei Jahren seine Arbeit auf. Es handelt sich allerdings um einen klassischen Thinktank mit klaren wirtschaftspolitischen Interessen. Die Agenda Austria arbeitet dabei mit einem kleinen, aber fixen Team von Wissenschaftern. Leiter ist der ehemalige "Presse"-Journalist Franz Schellhorn.




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Dokument erstellt am 2015-10-01 17:59:07
Letzte Änderung am 2015-10-01 20:59:05



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