• vom 03.10.2015, 22:02 Uhr

Politik

Update: 08.10.2015, 13:41 Uhr

Voices for Refugees

"Menschen in Not brauchen Zuwendung"




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Von WZOnline/APA, red

  • Mehr als 150.000 Menschen bei Konzert am Wiener Heldenplatz.

Wien. Zum Abschluss rockten die Toten Hosen. "Ihr habt als erste so etwas in dieser Dimension auf die Beine gestellt", sagte Hosen-Sänger Campino zum Solidaritätskonzert "Voices for Refugees - Konzert für ein menschliches Europa" auf den Wiener Heldenplatz. Und fügte hinzu: "Lasst euch diese bunte Stadt von diesem Karl Heinz Christian nicht wegnehmen."

Die Band aus Düsseldorf brachte, dynamisch wie immer, ein hauptsächlich politisches ausgerichtetes Programm mit Liedern wie "Willkommen in Deutschland", "Europa" und "Schrei nach Liebe". Tausende von in die Höhe gehaltenen leuchtenden Handys gaben eine stimmungsvolle Kulisse ab. "Dieses Bild soll um die Welt gehen", meinte Campino.


150.000 Besucher

Erich Fenninger, Präsident der Volkshilfe, Veranstalter der Kundgebung, und Organisator Ewald Tatar, Chef von Nova Music Entertainment, hatten zuvor 150.000 Besucher verkündet. Laut Polizei waren über den Tag bis zu 120.000 Menschen anwesend. Jedenfalls war der Heldenplatz seit den Nachmittagsstunden, als Maschek den bunten Reigen eröffneten, ständig sehr gut gefüllt.

Bundespräsident Heinz Fischer hielt am Abend eine eindringliche Ansprache. "Menschen in Not brauchen Zuwendung, wir dürfen uns nicht abwenden", sagte das Staatsoberhaupt. Danach kamen alle Mitwirkenden für eine Schweigeminute auf die Bühne.

"Ich sage es mit aller Deutlichkeit: Ich wende mich nicht von denen ab, die Sorgen und Ängste haben", betonte Fischer. "Aber ich wende mich von denen ab, die aus der Not der Flüchtlinge ein Geschäft machen, sei es ein wirtschaftliches oder politisches." Der Bundespräsident betonte, dass "alle Staaten der europäischen Gemeinschaft etwas beitragen" müssten.

Nach der Ansprache des Präsidenten kamen alle mitwirkenden Künstler, auch die Toten Hosen, zu ihm auf die Bühne, um bei Raoul Haspels "Schweigeminute (Traiskirchen)" mitzumachen. Plötzlich herrschte am Heldenplatz Schweigen - das vielleicht schönste Zeichen, in Zeiten des medialen und politischen Getöses, wie viele meinten.

"Grüße aus München"

Kritische Worte fand naturgemäß Konstantin Wecker, der seinen Auftritt mit "Sage Nein!" begann: "Wenn sie dann in lauten Tönen, saufend ihrer Dummheit frönen, denn am Deutschen hinterm Tresen, muss nun mal die Welt genesen, dann steh auf und misch dich ein: Sage nein!", sang der 69-Jährige. Der deutsche Liedermacher richtete "Grüße aus München" aus, "wo sich zwar nicht so viele wie hier, aber Tausende gegen die Orbanisierung Münchens wehren". Und zum Abschluss forderte er das Publikum auf: "Träumen wir weiter, seien wir subversiv, heißen wir alle Flüchtlinge willkommen."

Conchita Wurst brachte stilvoll "Heroes" und "Put That Fire Out". "Wir versuchen unsere Stimme für jene zu erheben, denen nicht oder zu wenig zugehört wird", erklärte sie. "Wenn man Bescheid weiß, kann man keine Vorurteile haben, sondern den Leuten nur mit Liebe und Respekt begegnen." Eine beeindruckende Performance legte Anja Plaschg alias Soap & Skin. Die 25-Jährige sang unter anderem ein Lied in syrischer und kurdischer Sprache. Die Jungstars Tagträumer appellierten an das Publikum: "Glaubt an das Gute."

Ansprachen dazwischen

Zwischen den Musikbeiträgen gab es immer wieder kurze Ansprachen. "Wenn Sie heute hier weggehen", sagte etwa Caritas-Präsident Michael Landau, "nehmen Sie drei Dinge mit: Sie sind richtig viele, Sie alle zeigen Haltung, Sie können etwas verändern." Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger warnte: "Wenn das Asylrecht fällt, fällt das Menschenrecht." Fenninger kritisierte, dass "50 Prozent der Gemeinden noch keinen Flüchtling aufgenommen" hätten: "Das ist beschämend."

Die ergreifendsten Statements kamen von Flüchtlingen. Ein Mädchen auf der Bühne berichtete etwa mit Tränen in den Augen: "Wir haben in Syrien kein Wasser und keinen Strom. Aber das ist nicht das Problem. Sondern viele Menschen sind tot."

In den Abendstunden rockte Zucchero gewohnt souverän. Der italienische Blues- und Rockmusiker interpretierte auch Verdis "Va pensiero" zusammen mit dem Kinderchor der Chorschule an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Gerockt war auch am Nachmittag bei Kreisky geworden.

Viele Sportler - von David Alaba bis Marcel Hirscher - und Prominente sowie Künstler schickten Videobotschaften. Der Eintritt zum Open Air war frei, es wurden Spenden gesammelt.




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Dokument erstellt am 2015-10-03 22:04:58
Letzte Änderung am 2015-10-08 13:41:44



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