• vom 15.11.2015, 13:32 Uhr

Politik

Update: 15.11.2015, 13:48 Uhr

Elektronische Gesundheitsakte

ELGA: Große Zuversicht, Ärztekammer skeptisch




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Von WZ Online, APA

  • "Nur harmlose, keine schwerwiegenden Kinderkrankheiten" - Reaktion der Ärzte nicht prognostizierbar.

Wien. Während die Projektverantwortlichen dem Start der Elektronischen Gesundheitsakte (ELGA) am 9. Dezember zuversichtlich entgegen blicken, herrscht in der Ärztekammer Skepsis. Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) erwartet, dass einerseits die Patientensicherheit erhöht und andererseits die Arbeitsbedingungen für die Ärzte und das Gesundheitspersonal im Allgemeinen verbessert werden.

Die Geschäftsführerin der ELGA GmbH, Susanne Herbek, ist von einem guten Start überzeugt. "Ich bin zuversichtlich, dass das ELGA-System laufen wird." Auch der zuständige stellvertretende Generaldirektor im Hauptverband der Sozialversicherungsträger, Volker Schörghofer, meint: "Wir werden den 9. Dezember hinkriegen." Er gibt aber zu: "Es wird kein Spaziergang", es handle sich um einen sehr komplexen Vorgang. Deshalb könnte es seiner Einschätzung nach am Anfang vielleicht auch noch "etwas holpern", was bei einem so großen Projekt aber nicht ungewöhnlich wäre.


"Nur harmlose, keine schwerwiegenden Kinderkrankheiten" sind für den verantwortlichen Manager im Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV), Michael Binder, zu erwarten. Aber auch er geht von einer "sehr ruhigen Inbetriebnahme" aus: "Wir brauchen uns nicht fürchten, wir sind sehr gut vorbereitet." Genau so sieht das auch der steirische Gesundheitslandesrat Christopher Drexler (ÖVP): "Ich denke wir sind gut vorbereitet." Er hofft, "dass wir in der Pilotphase alle Befürchtungen mit der Datensicherheit zerstreuen können".

Deutlich skeptischer ist Ärztekammer-Präsident Artur Wechselberger. Für ihn ist der Start in Spitälern in Wien und der Steiermark "die Nagelprobe, ob es funktioniert oder nicht". Ob die Ärzte das neue System voll annehmen werden, lässt er noch offen. Wenn das System funktioniert, es den Ablauf im Spital erleichtert und die Arbeitszeit nicht noch mehr beansprucht, werden es die Ärzte auch nutzen. Wenn aber die Benutzerfreundlichkeit nicht ausreichend und es für die Ärzte nicht praktikabel sei, dann kann sich Wechselberger auch vorstellen, dass sich die Ärzte "wehren". Das wisse er aber noch nicht.

Derzeit hat der Ärztekammer-Präsident noch die Sorge, dass ELGA den Ablauf im Spital hemmt und die Administration zunimmt. Weil es noch keine integrierte EDV-Lösung, sondern auch noch eine Speicherung von PDF-Dokumenten gebe, sei die Suchfunktion eingeschränkt. Das sei am Anfang noch kein großes Problem, mit der steigenden Anzahl von gespeicherten Dokumenten werde eine Reform aber dringend.

Laufend Verbesserungen versprochen

Das gesteht auch Schörghofer zu. Der stellvertretende Hauptverbands-Generaldirektor gibt zu, dass eine "semantische Suche" etwa nach Stichworten in einzelnen Befunden noch nicht möglich sei. Er verspricht aber, dass es laufend Verbesserungen geben werde. Das System könne zu Beginn noch nicht alles, es werde aber weitere Ausbaustufen geben. Auch Binder erwartet aus diesem Grund keine Proteste von Ärzten.

Als größten Vorteil von ELGA sieht Schörghofer ebenso wie sein Generaldirektor Josef Probst, dass die Österreicher künftig "Herr über ihre Gesundheitsdaten" werden - und das 24 Stunden am Tag. Pharmig-Präsident Robin Rumler erwartet daher auch, dass die Gesundheitskompetenz der Österreicher steigen wird. Für Drexler eröffnet ELGA "neue Möglichkeiten in der Qualität im Gesundheitswesen. Neben der zielgerichteten Unterstützung der Ärzte stärkt ELGA vor allem die Rechte der Patienten, Diagnose- und Behandlungsverläufe werden transparenter." Und Oberhauser verweist darauf, dass ELGA den Patientinnen und Patienten Mehrfachuntersuchungen erspart.




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Dokument erstellt am 2015-11-15 13:34:37
Letzte Änderung am 2015-11-15 13:48:11



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