• vom 17.11.2015, 06:40 Uhr

Politik

Update: 17.11.2015, 12:49 Uhr

Österreich

Neun Bildungsdirektionen für Österreich




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Von WZ Online, APA

  • Mehr Kompetenzen für Direktoren.

Wien. Mit der am Dienstag im Ministerrat beschlossenen Punktuation zur Bildungsreform liege eine "erfreuliche Einigung" auf dem Tisch, das erklärte Bundeskanzler Werner Faymann im Pressefoyer nach dem Ministerrat. Das Thema habe die politische Lager lange "auseinanderdividiert". Die Regierung und die Bundesländer befänden sich nun aber auf einem gemeinsamen Weg.

Die wichtigsten Punkte der Reform umrissen Faymann und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) kurz. Es würden neun Bildungsdirektionen in den Bundesländern eingerichtet, in denen die Verwaltung aller Lehrer künftig gebündelt werden sollen. Dabei soll es sich um eine "Bund-Länderbehörde" handeln, alle Lehrer werden außerdem über das Bundesrechenzentrum verrechnet. Hier habe man einen "sinnvollen Kompromiss erzielt", so Faymann. Es handle sich keineswegs um einen "Etikettenaustausch". Insgesamt sprach er von einer "politischen Einigung, die sich sehen lassen kann".


Bildungsdirektor ein Bundesbediensteter

Die Kompetenzfrage bei der Bildungsreform ist von der Bund-Länder-Arbeitsgruppe mit einem Kompromiss gelöst worden. Die neuen Bildungsdirektionen werden als "gemeinsame Bund-Länderbehörde" eingerichtet. Der Bildungsdirektor wird ein Bundesbediensteter sein, der auf Vorschlag des Landeshauptmanns bestellt wird. In Sachen gemeinsamer Schule dürfen die Länder eingeschränkt Modellregionen einrichten.

In allen Bundesländern sollen Bildungsdirektionen errichtet werden, die die bisherigen Landesschulräte (Bundesbehörden) und Schulabteilungen der Landesregierung (Länderbehörden) ablösen sollen. An der Spitze steht ein Direktor, der auf Vorschlag der jeweiligen Landeshauptleute vom Bildungsminister, der auch "oberste Schulbehörde" ist, auf fünf Jahre befristet bestellt wird. Die neue Behörde verwaltet sowohl Bundes- als auch Landeslehrer, das Bundesverwaltungspersonal sowie die Schulaufsicht. Die bisherigen amtsführenden Präsidenten, Vizepräsidenten und Kollegien der Landesschulräte werden abgeschafft, was Einsparungen von sechs Millionen Euro bringen soll.

Prozentgrenze für Modellregionen

In Sachen Modellregionen für die gemeinsame Schule der Sechs- bis 14-Jährigen gibt es ebenfalls einen Kompromiss: Die Bundesländer können diese einrichten, solange sie "klaren Kriterien genügen, wissenschaftlich begleitet und anschließend evaluiert werden". Einschränkung: Die Gesamtzahl der Standorte in den Modellregionen darf in keinem Bundesland 15 Prozent aller Standorte der jeweiligen Schulart (Volksschule, Sonderschule, NMS, AHS) sowie 15 Prozent aller Schüler der jeweiligen Schulart überschreiten. Offenbar müssen die betroffenen Schulen aber nicht zustimmen - außer Privatschulen: Bei diesen wird nämlich explizit erwähnt, dass sie nicht betroffen sind, außer wenn sie freiwillig mitmachen wollen. Weitere Einschränkung: Der Bund wird die Modellregionen nicht zusätzlich finanzieren, womit keine Mehrkosten entstehen.

Weitere Details des Papiers: Lehrer sollen mehr Freiheiten beim Unterrichten erhalten. Lehrplanabweichungen sind in der Volksschule zu fünf Prozent möglich, im Gymnasium bis zu 33 Prozent. Zum Vergleich: Derzeit beträgt dieser "Autonomiegrad" laut nationalem Bildungsbericht je nach Schule zwischen fünf und zehn Prozent. Jede Schule kann in Abstimmung mit den Schulpartnern selbst ihre Öffnungszeiten sowie Unterrichtsbeginn und Ende festlegen. Das war mit ein paar Einschränkungen schon bisher möglich. Einmal jährlich muss sie einen "Qualitätsbericht" erstellen.

Aufgewertet wird die Rolle der künftig auf fünf Jahre befristet bestellten Direktoren: Sie können entscheiden, welche neuen Lehrer an ihrer Schule eingestellt werden bzw. welche Pädagogen nicht weiter verlängert werden. Einschränkung: Auswählen müssen sie die Lehrer aus einem Pool an Junglehrern bzw. Lehrern mit befristeten Verträgen, etwa aus bestehenden Lehrerdatenbänken wie "Get your teacher". Gleichzeitig erhalten sie ein Vetorecht, wenn ihnen ein Lehrer von der Behörde zugeteilt wird. Darüber hinaus können die Direktoren je nach Bedarf entscheiden, ob sie an ihrem Standort statt Lehrern lieber Psychologen, Sozialarbeiter, IT-Experten oder "Talente-Spezialisten" engagieren wollen.




Schlagwörter

Österreich, Bildungsreform

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Dokument erstellt am 2015-11-17 06:42:58
Letzte Änderung am 2015-11-17 12:49:32



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