• vom 24.11.2015, 17:41 Uhr

Politik

Update: 24.11.2015, 22:01 Uhr

Bildung auf einen Blick 2015

Zu viele Bildungsabsteiger




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  • Mehr als ein Fünftel der Jugendlichen übertreffen Bildungsabschluss ihrer Eltern.



Wien/Paris. (apa) In Österreich gelingt der Bildungsaufstieg "bemerkenswert" selten. Nur 21 Prozent der Jugendlichen erreichen einen höheren Abschluss als ihre Eltern. Im OECD-Durchschnitt gelingt das immerhin zu 32 Prozent. "Die Aufwärtsmobilität im Bildungsbereich ist weiterhin bemerkenswert schwach ausgeprägt", konstatiert die OECD, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, in ihrem jährlichen Bildungsbericht "Bildung auf einen Blick 2015" in ihrer Österreich-Ländernotiz.

Noch weniger Bildungsaufsteiger gibt es nur in Tschechien (17 Prozent) und Deutschland (19 Prozent). Die meisten Aufsteiger verzeichnet Südkorea (61 Prozent), gefolgt von Italien, Irland (je 45 Prozent) und Spanien (41 Prozent).


Die sogar OECD-weit geringste Aufwärtsmobilität gibt es in Österreich auf tertiärer Ebene, also im Universitäts- und Fachhochschulbereich, wo nur elf Prozent (OECD-Mittelwert: 22 Prozent) der 25- bis 34-Jährigen den höchsten Abschluss der Eltern durch einen Hochschulabschluss übertreffen. Umgekehrt sind in Österreich auch verhältnismäßig viele "Bildungsabsteiger" zu finden: Ebenfalls 21 Prozent der jungen Erwachsenen erreichen einen niedrigeren Abschluss als ihre Eltern (OECD: 16 Prozent).

Mit der sogenannten Aufwärts- und Abwärtsmobilität in engem Zusammenhang steht für Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ), dass in Österreich das erreichte Bildungslevel immer noch sehr stark davon abhängt, welchen Bildungsabschluss die Eltern haben. Dass die OECD das erneut als Schwachpunkt im heimischen Bildungssystem identifiziert hat, überrascht die Ministerin nicht, wie sie am Dienstag bei der Vorstellung der Studie in Wien erklärte.

In den vergangene Woche präsentierten Plänen zur Bildungsreform sind laut Heinisch-Hosek aber einige Maßnahmen enthalten, mit denen die "Bildungsvererbung" zurückgedrängt werden könnte. Ein möglichst früher Eintritt in das System könne "davor bewahren, dass familiäre Bildungsnachteile mitgeschleppt werden". Vor diesem Hintergrund sei die Einigung in der Bildungsreformgruppe auf die Einführung des zweiten verpflichtenden Kindergartenjahres (mit Opt-out-Möglichkeit nach drei Monaten) ein wichtiger Schritt.

Welchen Stellenwert Frühförderung hat, zeige sich in nahezu allen Datensätzen aus fast allen Ländern, die an der Studie teilnehmen, erklärte OECD-Abteilungsleiter Dirk Van Damme. Entscheidend sei eine "gute Mischung" aus Spiel- und Bildungsangeboten. Ein besonderes Problem in Österreich ortete der Forscher in der im internationalen Vergleich hohen Anzahl an "Bildungsabsteigern".

Ein - neben mangelnder Frühförderung - wichtiger Faktor, der dazu führt, dass Kinder aus benachteiligten Umfeldern eher in Bildungswegen landen, die nicht zu höheren Abschlüssen führen, ist laut Heinisch-Hosek die im heimischen Schulsystem frühe Trennung der Kinder nach der vierten Schulstufe. Mit den im Rahmen der Bildungsreform geplanten, nicht flächendeckenden Modellregionen zur Erprobung der gemeinsamen Schule bis 14 Jahre, gehe man diesen Punkt nun an. Dann werde sich zeigen, ob Bildung tatsächlich weniger vererbt wird, sagte die Ministerin.

AK-Präsident Rudolf Kaske forderte in einer Reaktion auf die Studie eine "gesamtnationale Bildungsstrategie" sowie eine Schulfinanzierung nach sozialen Kriterien, bei der Schulen umso mehr Mittel bekommen, je mehr Schüler sie haben, denen die Eltern selbst nicht beim Lernen helfen können.

ÖVP-Wissenschaftssprecher Karlheinz Töchterle sieht in der Studie einen weiteren Beleg für den geringen Privatanteil bei der Finanzierung von Wissenschaft und Forschung. Die Grüne-Wissenschaftssprecherin Sigrid Maurer forderte dagegen, "die chronische Unterfinanzierung der Universitäten vielmehr durch höhere öffentliche Ausgaben zu beheben", und auch die Neos forderten generell Investitionen in den Bildungsbereich.

Akademikerquote

2014 lag der Anteil der Hochschulabsolventen an der Bevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren in Österreich bei 30 Prozent (OECD-Schnitt: 33 Prozent). Das entspricht einem starken Anstieg für Österreich (2012: 20 Prozent), der auf einer neuen Einordnung von Bildungsabschlüssen (4. und 5. Jahrgang der BHS gelten als tertiäre Kurzausbildung) basiert.

Ausgaben pro Schüler/Student In Österreich betrugen diese 2012 von der Volksschule bis zur Hochschule kaufkraftbereinigt pro Kopf durchschnittlich 13.189 US-Dollar (12.340 Euro). Der OECD-Schnitt ist 10.220 Dollar.

Betreuungsverhältnis

Im Primarbereich (Volksschule) treffen auf einen Pädagogen zwölf Schüler (OECD: 15), in der Sekundarstufe neun Jugendliche (OECD: 13). Im tertiären Bildungsbereich kommen 15 Studenten auf einen Lehrenden (OECD: 16).

Bildungsausgaben

4,9 Prozent des BIP werden für Bildungseinrichtungen vom Primar- bis Tertiärbereich verwendet, in der OECD sind es im Schnitt 5,2 Prozent.

Bildungsmobilität

In Österreich gelingt ein sogenannter "Bildungsaufstieg" laut OECD "bemerkenswert" selten. Nur 21 Prozent der 25- bis 34-jährigen, die nicht mehr in Ausbildung sind, erreichten einen höheren Bildungsabschluss als ihre Eltern - in der OECD sind es dagegen immerhin 32 Prozent.

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Dokument erstellt am 2015-11-24 17:47:07
Letzte Änderung am 2015-11-24 22:01:21



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