• vom 11.02.2016, 18:18 Uhr

Politik

Update: 01.04.2016, 16:49 Uhr

Bundespräsidentenwahl 2016

Kampf der Ameisen




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  • Viele Außenseiter spähen in Richtung Hofburg, ihre Erfolgschancen sind allerdings gering.

Wien. (del) Die Wiener Hofburg hat bei dieser Bundespräsidentschaftswahl eine besonders hohe Anziehungskraft. Mit der Parteiunabhängigen Irmgard Griss, Rudolf Hundstorfer (SPÖ), Andreas Khol (ÖVP), Alexander Van der Bellen (von den Grüne unterstützt) und Norbert Hofer (FPÖ) hatten schon lange nicht mehr so viele Kandidaten reale Chancen, zur Wahl am 24. April zugelassen zu werden.



Darüber hinaus kämpft gerade eine Reihe von Außenseitern um 6000 amtlich bestätigte Unterstützungserklärungen, die für die Zulassung zur Wahl notwendig sind; mit hochidealistischen, kommerziellen bis hin zu skurrilen Motiven. Sie fordern ein bedingungsloses Einkommen für alle, den EU-Austritt Österreichs, das Ende der Väterkarenz oder einfach "persönliche Bereicherung", wie etwa Thomas Reitmayer von der Satirepartei "Die Partei".

Von EU-Austritt bis bedingungsloses Einkommen

Der Einkaufszentrenmogul und ATV-Star Richard Lugner ist die schillerndste Figur in der Ameisenrunde um das höchste Amt im Staat. Offiziell will er "Österreich wieder an die Front bringen", den "rot-schwarzen Sumpf" beseitigen und außerdem die Väterkarenz wieder abschaffen. Inoffiziell dürfte er sich vor allem über die Publicity für seine Person und sein Einkaufszentrum, die Wiener "Lugner City" freuen.

Auch Robert Marshall, Obmann der EU-Austrittspartei, möchte Bundespräsident werden. 2014 wollte er ins EU-Parlament gewählt werden, damit er sich in Brüssel gegen die EU einsetzen kann. Die Menschenrechtsaktivistin und Schriftstellerin Elfriede Awadalla fordert etwa ein bedingungsloses Grundeinkommen von 1500 Euro und engagierte sich in der Vergangenheit immer wieder für Flüchtlinge. Auch Martin Wabl von der Christenpartei will, zum vierte Mal, Bundespräsident werden. Bei den letzten drei Versuchen konnte er allerdings nie die 6000-Unterschriften-Hürde überwinden. Laut dem Politik-Blog "neuwal.at" wollen heuer elf Außenseiter, zwei davon sind Frauen, in die Hofburg einziehen. Sie alle inszenieren sich als "Kandidaten des Volkes", sie alle werden vermutlich an der 6000-Unterstützer-Hürde scheitern. Wobei Richard Lugner 1998 schon 8500 Unterstützer mobilisieren konnte und danach auf fast zehn Prozent der Wählerstimmen kam.

"Wenn diese Kandidaten das Ziel verfolgen, zu gewinnen, werden sie natürlich verlieren. Wenn es ihr Ziel ist, relativ billig sehr viel Medienaufmerksamkeit für ihre Zwecke und Ideen zu bekommen, dann gewinnen sie natürlich sehr viel", sagt der Politologe Peter Filzmaier.

Außenseiter ziehen Protestwähler an

Aber: Zu unterschätzen seien diese Kandidaten dennoch nicht. Sollte der eine oder die andere bis zum 18. März genug Unterstützungserklärungen bekommen, könnte er oder sie ein paar Protestwähler für sich begeistern. Und das könnte laut Filzmaier vor allem den Kandidaten der Oppositionsparteien oder Irmgard Griss schaden. Richard Lugner buhlt teils um dieselbe Wählerschicht wie Norbert Hofer von FPÖ. "Und das bei einer Wahl, bei der jeder Prozentpunkt für die Stichwahl entscheidend sein kann", sagt Filzmaier.





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Dokument erstellt am 2016-02-11 18:23:07
Letzte Änderung am 2016-04-01 16:49:42



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