• vom 23.05.2016, 18:26 Uhr

Politik

Update: 23.05.2016, 21:56 Uhr

Norbert Hofer

Überholmanöver in der letzten Runde




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  • Alexander Van der Bellen zieht nach einer bemerkenswerten Aufholjagd als 9. Bundespräsident in die Hofburg ein.
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Wien. (sir) Am Montag, etwa um halb vier Uhr am Nachmittag, ist Alexander Van der Bellen an Norbert Hofer vorbeigezogen. Es war ein Überholmanöver quasi in der letzten Runde in einem an Dramatik kaum zu überbietenden Herzschlag-Finale. Nach und nach hatten die 117 Bezirkswahlbehörden die Auszählung der Wahlkarten in die Zentrale nach Wien gemeldet. Der Vorsprung von Norbert Hofer, der am Sonntag etwa 144.000 Stimmen betragen hatte, schmolz zusehends. Das war auch erwartet worden, denn Briefwähler wählen tendenziell bürgerlich. Aber wie stark? Die Prognosen der Hochrechner am Sonntag waren diesbezüglich nicht eindeutig.

Das offizielle Endergebnis

Das offizielle Endergebnis© WZ Online Das offizielle Endergebnis© WZ Online

Am Ende gaben nur 31.026 Stimmen den Ausschlag zugunsten Van der Bellens, doch deutlich mehr als am Sonntag angenommen. Der 72-Jährige wird damit der 9. Bundespräsident der Republik Österreich. Die Angelobung findet am 8. Juli statt.


Der von den Grünen unterstützte Van der Bellen setzte sich damit in der knappsten landesweiten Wahl aller Zeiten durch. 1965 hatte Franz Jonas (SPÖ) gegen Alfons Gorbach (ÖVP) 50,69 Prozent der Stimmen erreicht, diesmal betrug das Verhältnis 50,35 zu 49,65 Prozent.

Bei Nationalratswahlen war das bisher engste Rennen um Platz eins jenes zwischen SPÖ und ÖVP im Jahr 1959, als nur 25.800 Stimmen zwischen diesen beiden Parteien lagen. Die Auswirkungen damals waren aber gering, denn die ÖVP hatte aus wahlarithmetischen Gründen ohnehin die Mandatsmehrheit geholt. 40 Jahre später dann, als die FPÖ Platz zwei um lediglich 415 Stimmen gegen die Volkspartei gewann, wurde am Ende sogar ÖVP-Chef Wolfgang Schüssel Kanzler, obwohl er zuvor angekündigt hatte, als Dritter in Opposition gehen zu wollen.

Diesmal gaben 0,48 Prozent der Wahlberechtigten den Ausschlag. Und der Unterschied dieses Resultats hätte kaum größer sein können. Denn nicht zwei Kandidaten der politischen Mitte standen einander in der Stichwahl gegenüber, sondern zwei Vertreter der Opposition, die sich links und rechts von den einst großen Parteien positionieren.

Die Folge daraus war ein Lagerwahlkampf, der sich auch darin äußerte, dass sich sukzessive rote, schwarze und pinke Politiker und Sympathisanten für Van der Bellen deklarierten, um so eine Art Koalition gegen Rechtspopulismus und die EU-kritischen Standpunkte der FPÖ bildeten.

Favorit und Außenseiter
Diese Bundespräsidentenwahl war dann auch mit ihrem Finale am Montag eine wahrlich geschichtsträchtige. Noch nie hatten SPÖ und ÖVP ihre Kandidaten nicht in die Stichwahl gebracht. Noch nie war ein so großer Rückstand, nämlich 14 Prozentpunkte, in der Stichwahl aufgeholt worden. Noch nie haben so wenige Stimmen entschieden.

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Dokument erstellt am 2016-05-23 18:29:05
Letzte Änderung am 2016-05-23 21:56:25



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