• vom 29.07.2016, 18:22 Uhr

Politik

Update: 29.07.2016, 18:46 Uhr

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Das Volk und der Verrat




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Von Marina Delcheva

  • Nach dem Putschversuch greift die Denunzierung in der türkischen Community um sich.

Auf einem Plakat bei einer Pro-Erdogan-Demo wird eine Grünen-Abgeordnete mit der als terroristisch eingestuften PKK in Verbindung gebracht. - © apa/Oczeret

Auf einem Plakat bei einer Pro-Erdogan-Demo wird eine Grünen-Abgeordnete mit der als terroristisch eingestuften PKK in Verbindung gebracht. © apa/Oczeret

Wien. "Verräter!" "Deine Tochter sollte aufpassen, was sie über Erdogan postet, sonst passiert noch was!" "PKK-Groupie im Nationalrat!" Das sind noch die netteren Zuschreibungen, die Erdogan-kritische Mitglieder der türkischen Community in Österreich seit dem gescheiterten Putsch-Versuch in der Türkei bekommen. Angefeindet und bedroht werden auch heimische Politiker wie die Nationalratsabgeordnete der Grünen, Berivan Aslan, deren Familie kurdische Wurzeln hat.

"Die Situation ist gerade sehr angespannt", erzählt der ehemalige Grünen-Politiker Efgani Dönmez. In der Vergangenheit ist er immer wieder mit kritischen Äußerungen über Anhänger des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan aufgefallen und hat auch die jüngsten Pro-Erdogan-Demonstrationen in Wien scharf verurteilt. Für seine Kritik hat er Drohungen geerntet, die sich auch gegen seine Familie richten. "Es kann nicht sein, dass einige wenige hier alle Türken in Geiselhaft nehmen", sagt er. Und weiter: "Wer in einem islamistischen Land leben will, soll dort hin. Ihm wird hier niemand nachweinen." Wegen der zahlreichen Anfeindungen habe er nun auch die Behörden eingeschaltet.


Drohungen, bis hin zu Morddrohungen, und Beleidigungen bekommt auch die Grünen-Politikerin Aslan. Ihr Foto fand sich sogar auf einem Plakat bei einer Pro-Erdogan-Kundgebung mit der Zuschreibung "PKK-Groupie" wieder. "Man verlässt sich darauf, dass diese Personen, die zur Hasszielscheibe gesetzt werden, dann von irgendjemand attackiert werden." In ihrem Fall soll nun auch der Verfassungsschutz ermitteln.

Aufruf zur Denunzierung
Die ohnehin schon gespaltene Community ist seit dem Putsch-Versuch von vor zwei Wochen noch gespaltener. Die Kluft verläuft allerdings weniger zwischen Türken, Kurden, Aleviten oder Kemalisten. Die politische Demarkationslinie liegt nun zwischen Erdogan-Anhängern und Kritikern.

Und Kritik ist nicht gern gesehen. Die "Union Europäisch-Türkischer Demokraten" (UETD) in Österreich hat online dazu aufgerufen, Putsch-Unterstützer, respektive Erdogan-Kritiker, den türkischen Behörden zu melden. Die Organisation gilt als verlängerter Arm von Erdogans islamisch-konservativer Partei AKP und hat auch zu den Demos in Wien aufgerufen. Der Melde-Aufruf wurde mittlerweile gelöscht, die Botschaft ist allerdings geblieben. Eine junge Austro-Türkin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, berichtet, dass ihre Mutter nach einigen Postings auf ihrer anonymen Handynummer angerufen wurde. Sie sei gewarnt worden, dass ihre Tochter Erdogan kritisiere.

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Schlagwörter

UETD, Türkei, Putsch

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-07-29 18:26:05
Letzte Änderung am 2016-07-29 18:46:54



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