• vom 08.09.2016, 23:08 Uhr

Politik

Update: 09.09.2016, 06:48 Uhr

IGGiÖ

Der Präsident und der Scherbenhaufen




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Von Werner Reisinger

  • Ibrahim Olgun bleibt Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft. Intern wird weitergekämpft.

Olgun (l.) übernimmt IGGiÖ-Präsidentschaft von Fuat Sanac.

Olgun (l.) übernimmt IGGiÖ-Präsidentschaft von Fuat Sanac.© apa /IGGiÖ Olgun (l.) übernimmt IGGiÖ-Präsidentschaft von Fuat Sanac.© apa /IGGiÖ

Wien. Ibrahim Olgun kann fürs Erste aufatmen. Nach dessen Wahl zum Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) am 19. Juni focht ein Zusammenschluss von acht in der IGGiÖ organisierten weiteren Kultusgemeinden Olguns Wahl wegen "Verfassungswidrigkeit" an. Das interne IGGiÖ-Schiedsgericht wies die Beschwerde jedoch zurück, die Entscheidung oblag daraufhin dem Bundeskanzleramt. Am Donnerstag gab das Büro der zuständigen Staatssekretärin Muna Duzdar die Entscheidung bekannt: Olgun bleibt im Amt.

Beim Streit um den neuen IGGiÖ-Präsidenten geht es nur vordergründig um den Wahlvorgang. Seit der Konstitution der Glaubensgemeinschaft 1979 ringen die in ihr zusammengefassten ethnischen Gruppen teils offen, teils verdeckt um Einfluss in der staatlichen Vertretung der Muslime in Österreich, weiß Richard Potz, Religionsrechtler am Institut für Rechtsphilosophie der Uni Wien.


Streit um internen Pluralismus
"In der ersten Verfassung der IGGiÖ stand, dass in deren Gremien nicht mehr als 30 Prozent einer bestimmten ethnischen Gruppe vertreten sein dürfen", sagt Potz. "Das war insofern problematisch, als die türkischen Muslime seit jeher in Österreich eine Mehrheit darstellen." Inzwischen ist das Statut nicht mehr gültig - die Grabenkämpfe aber gehen weiter.

Türken und arabischstämmige Muslime seien in der IGGiÖ lange Zeit tonangebend gewesen. Erst in den Neunzigern kamen Bosnier als weitere große Gruppe dazu. Aufseiten der Republik sei man wegen der Verfassungsbestimmung und der inneren Spannungen zwischen diesen Gruppen nicht unglücklich gewesen, dass der erste IGGiÖ-Präsident ein Afghane war, sagt Potz.

Mit dem Amtsantritt von Olgun, der klar dem türkischen Moschee- und Kulturverband Atib nahesteht, bricht nun der innermuslimische Streit um Repräsentation innerhalb der Vertretung neu aus. Atib gilt als verlängerter Arm der offiziellen türkischen Religionsbehörde Diyanet in Ankara. Wie die "Wiener Zeitung" am Mittwoch berichtete, warf der IGGiÖ-Vizepräsident Abdi Tasdögen Olgun in einem internen Mail vor, den Beschluss des Obersten Rates der IGGiÖ bezüglich der Stellenbesetzungen im Hochschullehrgang Islamische Religionspädagogik (IRPA) aufgrund von Einflussnahme seitens der türkischen Botschaft und Atib revidieren zu wollen. Aufgrund des neuen Islamgesetzes ist die Ausbildung der muslimischen Religionslehrer seit 1. September an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule (KPH) in Wien und Krems angesiedelt - und damit, zusammen mit allen anderen Konfessionen, an einer staatlichen Hochschule.

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Dokument erstellt am 2016-09-08 18:02:06
Letzte Änderung am 2016-09-09 06:48:39



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