• vom 14.09.2016, 17:48 Uhr

Politik


Flüchtlinge

Der Riss in den Familien




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Von Werner Reisinger

  • Nach einem Jahr Flüchtlingsbetreuung ziehen die kirchlichen Einrichtungen in Wien eine ambivalente Bilanz.

Freiwillige geben Flüchtlingen Deutschunterricht: Die kirchlichen Flüchtlingshelfer beklagen einen Mangel an AMS-Deutschkursen - und fühlen sich von der Politik oft im Stich gelassen. - © Caritas

Freiwillige geben Flüchtlingen Deutschunterricht: Die kirchlichen Flüchtlingshelfer beklagen einen Mangel an AMS-Deutschkursen - und fühlen sich von der Politik oft im Stich gelassen. © Caritas

Wien. Frustrierend und mühselig seien die Erfahrungen des letzten Jahres teilweise gewesen, in Summe aber sei aus dem "Wir schaffen das" ein "Wir haben es geschafft" geworden. Rainald Tippow, Flüchtlingskoordinator der Erzdiözese Wien, zog am Mittwoch vor Journalisten Bilanz über ein Jahr Flüchtlingsbetreuung in den Wiener Pfarrgemeinden.

Die Zahl der Freiwilligen, die sich seit dem Sommer 2015 ehrenamtlich in der kirchlichen Flüchtlingshilfe engagiert haben, habe jede Erwartung übertroffen. Rund 50.000 Einzelunterbringungen in Transit- und Notquartieren wurden im vergangenen Jahr laut Tippow organisiert, inzwischen seien 1100 Flüchtlinge dauerhaft in kirchlichen Einrichtungen untergebracht. Ohne das Engagement der vielen Freiwilligen, betonte Tippow, hätte der Staat das Versprechen, das er mit der Europäischen Menschenrechtskonvention gegeben habe, nicht einhalten können.


Noch nie zuvor hätte es in so kurzer Zeit einen so intensiven kulturellen Austausch gegeben, und dieser sei nicht nur bereichernd, sondern auch weitgehend friktionsfrei abgelaufen, sagt der Flüchtlingskoordinator. Christen nahmen am muslimischen Fastenbrechen im Ramadan teil, Frauen mit Kopftuch sangen in Kirchenchören, junge Flüchtlinge feierten mit Christen das Weihnachtsfest. Die Erfahrungen der Pfarren würden zeigen, dass Integrationsarbeit am besten über den Alltag, über viele gemeinsam verbrachte Zeit beim Deutschlernen und über die gemeinsame Bewältigung von Problemen funktioniere. Die von Integrationsminister Sebastian Kurz eingeführten Wertekurse seien zwar zu begrüßen, "in acht Stunden" könne man aber nie das leisten, was die Freiwilligenarbeit zu leisten vermöge.

"Eine Menge Trauerarbeit" sei zu bewältigen gewesen, immerhin würden viele vergessen, dass Flüchtlinge meist alles zurücklassen hätten müssen, dass sie auch dem "bürgerlichen Tagesablauf" in ihren Heimatländern entrissen worden wären. Die "herbeigeredeten Religionskonflikte" könne er - obwohl die überwiegende Mehrheit der Flüchtlinge Muslime seien - seinen Erfahrungen nach nicht bestätigen, so Tippow. Spezielles Betreuungs- und Schutzbedürfnis hätten aber jene Flüchtlinge, die zum Christentum konvertieren wollen. Aktuell handle es sich um rund 140 Personen. Ein Jahr werde geprüft, wie ernst es den Flüchtlingen damit wirklich sei, der Prozess laufe "nicht immer friktionsfrei" ab.

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Dokument erstellt am 2016-09-14 17:53:05



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