• vom 20.09.2016, 17:06 Uhr

Politik

Update: 21.09.2016, 09:22 Uhr

Klimawandel

Auf dünnem Eis




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Von Marina Delcheva

  • Eisschmelze schreitet schneller als je zuvor voran, NGOs fordern Klima-Strategie.

Österreichs Gletscher werden immer kleiner. Allein im Vorjahr sind drei Gletscher um mehr als 100 Meter zurückgegangen. - © apa/Mok

Österreichs Gletscher werden immer kleiner. Allein im Vorjahr sind drei Gletscher um mehr als 100 Meter zurückgegangen. © apa/Mok

Wien. Von 92 österreichischen Gletschern sind im Vorjahr 88 zurückgegangen, zeigt ein Bericht des Gletschermessdienstes des Alpenvereins. Drei dieser Gletscher sind um mehr als 100 Meter geschrumpft. Erst am Dienstag sagte der Klimaforscher Klaus Grosfeld vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut (AWI), dass das Eis bis in die Zentralarktis um den Nordpol hinein zurückgegangen sei.

Das ist ein neuer Negativrekord. Denn so weit sei das Eis über den Sommer noch nie geschmolzen. Gleichzeitig ist fraglich, ob es sich, angesichts immer milderer Winter, über die kalten Monate wieder zurückbildet.


Der Klimawandel ist angesichts von Temperaturextremen, schmelzenden Polarkappen und fortschreitenden Wüsten nicht zu leugnen und wohl auch nicht aufzuhalten. Deshalb haben sich im Dezember des Vorjahres 195 Staaten im UN-Klimaabkommen von Paris darauf verständigt, die Erderwärmung bis 2050 auf unter zwei Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Für Österreich bedeutet das eine Reduktion der Treibhausgase um 80 Prozent. Ex-Kanzler Werner Faymann sicherte in Paris noch zu, dass Österreich bis 2030 zu 100 Prozent auf Strom aus erneuerbaren Energien setzen wird.

NGOs fordern
klare Klimastrategie

Seitdem ist aber noch nicht viel mehr passiert, kritisieren zumindest Umwelt-NGOs und Klimaforscher. "Es braucht jetzt ein klares Bekenntnis der Bundesregierung zu Klimaschutz und Energiewende. Es ist schwierig, fokussiert zu arbeiten, wenn die Regierung keine Vorgaben macht", sagt Johannes Wahlmüller von Global 2000 im Gespräch.

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz am Dienstag bezeichnete Klaus Schellmann vom WWF das Vorgehen der Bundesregierung in Klima-Angelegenheiten als "ambitionslosen Fleckerlteppich von Einzelinteressen ohne klare Richtung". Laut Global 2000 seien die Treibhausgase in Österreich heute auf dem Niveau von 1990, trotz zwischenzeitig festgelegter Emissionsziele.

Nach der UN-Klimakonferenz in Paris hat die Regierung ein sogenanntes "Grünbuch" initiiert. Dieses beinhaltet Studien zum Status quo, Klimastudien und Worst-Case-Szenarien zum Klimawandel von Klimaforschern. Ein damit zusammengehender Konsultationsprozess mit Bürgern und NGOs wurde am Sonntag abgeschlossen. Nach dem Grünbuch sollte bis Jahresende das "Weißbuch" kommen. Dort sollte auch eine genaue Klimastrategie mit konkreten Zielen festgeschrieben werden. Der Start wurde allerdings auf kommendes Jahr verschoben.

14 Jahre Zeit für
Treibhaus-Rückgang

Um einen tieferen Einblick in die Klimastrategie Österreichs zu bekommen, hat Greenpeace gemeinsam mit rund 5000 Bürgern einen Brief mit sieben Fragen an die Regierung geschickt. Etwa, wie schon gesetzte EU-Klimaziele bis 2030 erreicht werden sollen? In ihrem Antwortschreiben verweisen das Umwelt-, Verkehrs-, Sozial- und Wirtschaftsministerium auf die laufenden Diskussionen und das Grünbuch. Wahlmüller kritisiert, dass auch in den eigens eingerichteten Arbeitsgruppen wenig weitergehe. Auch die Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb unterstützt die Forderungen nach einer umfassenden, konkreten Klima-Strategie. Die im Climate Change Center Austria (CCA) zusammengeschlossenen Wissenschafter hätten der Bundesregierung daher bereits ihre Unterstützung zur Umsetzung des Pariser Abkommens angeboten.

"Wir müssen jetzt sofort anfangen, dort einzusparen, wo es leicht geht", sagte Kromp-Kolb am Dienstag im Ö1-"Mittags-
journal". So würde etwa jeder zweite Haushalt in Österreich noch immer fossil heizen. 14 Jahre habe die Regierung Zeit, den CO2-Ausstoß deutlich zu senken. Dann sei der Spielraum des gesamten Ausstoßes aufgebraucht.

Auf der anderen Seite argumentieren etwa Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung damit, dass ein Alleingang Österreichs in Klimafragen zu Nachteilen für den Standort und für hiesige Unternehmen führen würde. Zudem sei Österreich mit seinen hohen Umweltstandards und einem hohen Anteil an erneuerbaren Energieträgern ohnehin Vorreiter. Und tatsächlich lässt sich, wie in vielen anderen Bereichen auch, in Klimafragen ohne internationale Anstrengungen nichts erreichen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-09-20 17:11:11
Letzte Änderung am 2016-09-21 09:22:21



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