• vom 10.12.2016, 11:30 Uhr

Politik

Update: 10.12.2016, 11:43 Uhr

Reichsbürger und Freemen

Bin dann mal weg




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Ohnmacht und Idealismus
Der Vorfall sei von vielen Seiten als Sommerlochgeschichte abgetan geworden, sagt Psychologin Schiesser. In der Hoffnung, es mit einem kurzlebigen Phänomen zu tun zu haben, hätten Justiz und Exekutive zugewartet und das Problem ignoriert. Zahlreiche Anrufe und Besuche von Behörden, Jugendämtern, Gerichten und Gemeindevorstehern, die den staatsfeindlichen Aussteigern ratlos gegenüberstehen, würden jedoch zeigen, dass die Bewegung Zulauf erhält. Immer neue absurde Ideen und Ausprägungen würden auftauchen.

Erst vor wenigen Wochen gründete Monika Unger den "Staatenbund Österreich", dem die neun Bundesländer als "souveräne Staaten" angehören. Unger selbst bezeichnet sich als "Staatspräsidentin", auf ihrer Homepage stellt sie - gegen Gebühr - sogenannte "Lebendmeldungen" zur Verfügung, mittels denen man sich vom Bürger zum "lebenden Menschen" emanzipieren und sich von staatlicher Autorität lossagen könne. Im oberösterreichischen Schloss Walchen hat Freeman Joe Kreissl mit einigen Vertrauten die Kommune "Erlösterreich" gegründet. Vor zwei Jahren war Kreissl bei der Räumung in Hollenbach dabei.

Auffällig sei, erklärt Ulrike Schiesser, dass sich unter den Freemen besonders viele kleine Selbständige befinden würden. Viele von ihnen seien gescheitert oder hätten frustrierende Erfahrungen hinter sich. "Die Schuld dafür geben sie dem Staat, den sie als destruktiv und hinderlich erleben", sagt Schiesser. In Verschwörungstheorien würden viele Freemen Antworten zu finden glauben: "Viele Menschen kommen mit dem sozialen und ökonomischen Druck nicht mehr klar. Die Konsequenz ist oftmals ein Sich-Zurückziehen", so die Expertin.

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Dokument erstellt am 2016-12-09 18:02:08
Letzte Änderung am 2016-12-10 11:43:35



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