• vom 07.11.2017, 17:04 Uhr

Politik


Rudolf Kaske

"Sie werden noch einiges von mir hören"




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  • Rudolf Kaske zieht sich von der Spitze der Arbeiterkammer zurück.
  • Bis zum kommenden April soll seine Nachfolge geregelt sein.


© apa/Georg Hochmuth © apa/Georg Hochmuth

Wien. (rei/apa) Nach 48 Jahren als Arbeitnehmervertreter hat Rudolf Kaske genug. Am Dienstag gab der gelernte Koch, der später als Chef der Gewerkschaften HGPD und Vida und seit 2013 als Präsident der Arbeiterkammer fungierte, seinen Rückzug aus dem politischen Leben bekannt. Einen Wunschnachfolger nannte Kaske am Dienstag vor den Journalisten zwar nicht, allerdings hatte er ein Anforderungsprofil parat. Es brauche eine Person, die mit ruhiger Hand Interessenspolitik für die Arbeitnehmer mache.

Und Kaske zog Bilanz: Es sei auch sein Credo gewesen, das Land sozialer und gerechter zu machen. Seine Politik sei getragen gewesen von Respekt gegenüber den Arbeitnehmern aber auch den Arbeitgebern. Seinen Amtsstil beschrieb er derart, dass er nie einer gewesen sei, der nur einen Bürojob gemacht habe, sondern einer, der versucht habe, direkt bei den Arbeitnehmern zu sein. Nicht alles sei gelungen, aber etliche eigene Erfolge fielen Kaske schon ein. Erwähnt wurden etwa die Einführung der Fünf-Tage-Woche in der Gastronomie, die große Steuerreform im Vorjahr oder aber, dass es gelungen sei, die vom damaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser geplante Besteuerung des Trinkgeldes abzuwenden.


Kaskes Nachfolger steht vor Herausforderungen
Nach Bekanntwerden des Wechsels an der Spitze des Wirtschaftsbundes - Christoph Leitl stellte vergangene Woche mit dem Noch-Wirtschaftsminister Harald Mahrer seinen Nachfolger vor - zieht also nun die Arbeitnehmerseite nach. Mahrer gilt im Gegensatz zu seinem Vorgänger Leitl als besonders wirtschaftsliberal. Geht es nach Mahrer, müsse die Sozialpartnerschaft zur "Zukunftspartnerschaft" werden, sollte sie sich nicht den "gesamtstaatlichen Zielen" unterordnen, sei sie "in Frage zu stellen", so Mahrer bei seiner Präsentation als Wirtschaftbundobmann.

Dass eine Neuauflage von Schwarz-Blau die Zeiten für die Arbeiterkammer härter machen könnte, ist auch Rudolf Kaske klar. Er stellte aber fest, dass man gewappnet sei: "Wer an den Grundpfeilern der Zweiten Republik rüttelt, wird unseren Gegenwind auch in Zukunft spüren", sagte Kaske in Anlehnung an die aktuelle Debatte um die Pflichtmitgliedschaft in den Kammern und eine mögliche Kürzung der Beiträge.

Was den Zeitpunkt seines Rücktritts angeht, meinte Kaske, dass es nie den richtigen Moment gebe. Entweder es werde gefragt, wieso man schon aufhöre oder man sage, wann geht er denn endlich. Sein Entschluss, nach 48 Berufsjahren ins Privatleben zu wechseln, habe ausschließlich private Gründe: "Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die haben mit dem beruflichen Leben nichts zu tun."

Nun sei jedenfalls Wolfgang Katzian, Chef der Fraktion sozialdemokratischer Gewerkschafter, am Zug, Gespräche zu führen und entsprechende Weichenstellungen für Kaskes Nachfolge zu treffen.

Ehrenamtliche Funktion wahrscheinlich
Sollte Kaske politisch in Zukunft auftauchen, dann nur in ehrenamtlicher Funktion, versicherte er am Dienstag. Am ehesten könnte sich eine Aufgabe im Pensionistenverband ergeben. Vielleicht wird sich Kaske aber auch tatsächlich den Ruhestand gönnen.

Ausschlaggebend war freilich nicht Amtsmüdigkeit angesichts der bevorstehenden schwarz-blauen Koalition, sondern eine schwere Erkrankung seiner Frau. Andererseits hat Kaske immer wieder einmal damit geliebäugelt, sich vorzeitig zurückzuziehen und den politischen Ruhestand in seinem spanischen Feriendomizil zu genießen. Danach klang der langjährige Gewerkschafter am Dienstag allerdings nicht. "Sie werden noch einiges von mir in den nächsten Monaten hören, das ist keine Drohung, sondern im Interesse der Arbeitnehmer", sagte Kaske vor den Journalisten, für die er sich für die langjährige gute Zusammenarbeit bedankte. Und Kaske zitierte Ex-Bundespräsident Heinz Fischer: "Es ist relativ einfach, in die Politik hineinzukommen, aber es ist viel schwieriger, mit Anstand wieder herauszukommen."




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Dokument erstellt am 2017-11-07 17:08:06



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