• vom 10.11.2017, 17:47 Uhr

Politik

Update: 13.11.2017, 10:01 Uhr

Tabakkonsum

Blaue Nebelschwaden




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  • Die FPÖ will das Rauchverbot kippen, was die ÖVP dem Vernehmen nach ablehnt. Warum ist Österreich hier so wankelmütig?

Tabak- und Alkoholkonsum in Österreich - © Wiener Zeitung

Tabak- und Alkoholkonsum in Österreich © Wiener Zeitung

Wien. (mad/jm/rei) Kaum drang aus den Regierungsverhandlungen die FPÖ-Forderung nach außen, das generelle Rauchverbot kippen zu wollen, scheint dieses Ansinnen wieder vom Tisch zu sein. Dem Vernehmen nach soll die ÖVP ihrem Partner in spe dafür eine Absage erteilt haben, was die FPÖ als "Falschmeldung" abtut. Das Rauchverbot sei in den Verhandlungen noch nicht diskutiert worden, sagten Schwarz und Blau öffentlich. Am Freitag formierte sich Widerstand gegen die blauen Nebelschwaden. Vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger bis zur Noch-Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner: Allesamt erteilten sie den Spekulationen vorsorglich eine Absage.

Die Diskussion zeigt aber, wie wankelmütig Österreich in dieser Frage ist. Warum tut man sich hierzulande in der Gesundheitsprävention so schwer? Warum ist Österreich ein Land der Süchte? Und: Warum hinkt die Gesetzgebung zum Schutz vor gesundheitsschädlichem Verhalten im internationalen Vergleich so hinterher?


Die Fakten sprechen für sich: Österreich schneidet in Sachen Alkohol- und Nikotinkonsum im jüngsten Vergleich der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schlecht ab. Während im OECD-Durchschnitt 18 Prozent der Bevölkerung täglich zur Zigarette greifen, sind es in Österreich 24 Prozent. Und die halten sich konstant: "Im Gegensatz zur großen Mehrheit der OECD-Staaten ist der Anteil der Raucher in Österreich in den vergangenen Dekaden nicht zurückgegangen", heißt es im OECD-Gesundheitsbericht.

Auch dem Alkohol frönen Herr und Frau Österreicherin häufiger als die Bevölkerung in anderen OECD-Ländern. Mit mehr als 12,3 Litern konsumierten Alkohols pro Kopf und Jahr hat Österreich den dritthöchsten Verbrauch, nach Litauen und Belgien übrigens, und vor Frankreich, das im Ranking auf Platz vier landet.

In Alarmstimmung
Warum ist das so? "Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen der Verfügbarkeit und dem Konsum", sagt Michael Musalek, ärztlicher Direktor des AntonProksch-Instituts, das sich seit 60 Jahren mit Suchttherapie auseinandersetzt. An Tankstellen könne man Alkohol sieben Tage die Woche 24 Stunden lang kaufen. An Zigarettenautomaten bestehe ebenfalls die Möglichkeit, Rauchwaren rund um die Uhr zu erwerben. Der zweite Grund: je geringer der Preis, desto höher der Verbrauch. "Es kommt darauf an, welchen Status das Verhalten hat", sagt Musalek. "Wenn es zum guten Ton gehört, auf ein Afterwork-Bier zu gehen, wenn es gesellschaftlich akzeptiert und in den Familien so vorgelebt wird, wird sich das Verhalten nicht ändern." Philipp Ikrath vom Institut für Jugendkulturforschung sagt, dass sich Jugendliche kaum von Erwachsenen unterscheiden: "Es ist ein kulturelles Phänomen." Auch in Deutschland gebe es Alkoholausschank wie in den meisten österreichischen Bundesländern bereits ab 16 Jahren, nur gen Westen sind Spirituosen erst ab 18 Jahren erlaubt. "In Deutschland wird man schräg angeschaut, wenn man zu Mittag ein Glas Wein zum Essen bestellt, bei uns aber rümpft keiner die Nase."

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Dokument erstellt am 2017-11-10 17:53:12
Letzte nderung am 2017-11-13 10:01:34




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