• vom 20.12.2017, 17:52 Uhr

Politik


Lohnsteuer

Steuerreform brachte 640 Euro pro Person




  • Artikel
  • Kommentare (3)
  • Lesenswert (20)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Entlastung und Gegenfinanzierung waren lange umstritten - positiv auf die Konjunktur hat die Reform aber wohl gewirkt.



Wien. (sir) Die Steuerreform war eines der größten Projekte der vorangegangenen Regierung. Und es war eines jener Projekte, bei denen SPÖ und ÖVP besonders lange gerungen haben, beinahe die Koalition auseinandergeflogen wäre und die ÖVP ihren Parteiobmann auswechseln musste. Michael Spindelegger wollte die Steuerreform partout nicht, wichtige Teile seiner Partei schon.

Die Statistik Austria präsentierte nun das Ergebnis jener Reform, die insgesamt 4,38 Milliarden Euro an Entlastung brachte. Umgelegt auf die lohnsteuerpflichtigen Österreicher und Österreicherinnen bedeutet dies ein Plus von 640 Euro pro Geldbörse. Wobei: Den Österreicherinnen brachte es deutlich weniger. Im Vorjahr entfielen 63,2 Prozent der gesamten Entlastung auf Männer und 36,8 Prozent auf Frauen, was natürlich eine Folge des höheren (Durchschnitts-)Einkommens der Männer ist.


Betrachtet man die Lohnsteuerentlastung nach Steuertarifstufen, zeigt sich, dass der weitaus größte Anteil der Steuerentlastung, nämlich 77,7 Prozent oder auch 3,4 Milliarden Euro, Personen mit einer Bemessungsgrundlage zwischen 18.000 und 60.000 Euro betraf, also kleinere bis mittelhohe Einkommen.

Wachstum sprang an
Ab einer Bemessungsgrundlage von einer Million Euro kam es durch die Reform zu einer Steuererhöhung. Der Grenzsteuersatz wurde von 50 auf 55 Prozent angehoben. Die daraus resultierende Mehrbelastung betrug allerdings nur sieben Millionen Euro und traf lediglich 197 Personen.

Dass durch diese neue Tarifstufe kein wesentlicher Beitrag zur Gegenfinanzierung in die Staatskasse gespült werden wird, war jedoch immer klar, dies war mehr ein symbolischer Schritt der Regierung, die dann auch in neuer Konstellation, also mit Mitterlehner als ÖVP-Chef und Hans Jörg Schelling als Finanzminister, bis an die Grenzen der Zusammenarbeit gehen musste. Die finale Rechnung, wie vier Milliarden ohne neue Schulden finanziert werden können, war dann auch eher kreatives Denken denn höhere Mathematik.

Aber Hauptsache Einigung, und sie hat etwas gebracht. Dass die Steuerreform den Inlandskonsum angekurbelt hat, ist evident. Ob dieser Effekt aber unter oder über den Erwartungen lag, lässt sich laut Wifo-Ökonom Hans Pitlik nicht sagen. Der gestiegene Konsum, der jahrelang kaum in die Gänge kam, hat jedenfalls auch auf das Wirtschaftswachstum gewirkt und Österreich wieder zurück zu guten konjunkturellen Daten geführt. Doch auch hier wäre es nicht seriös, einen exakten Anteil der Steuerreform an der konjunkturellen Trendwende festzumachen.

Das Wachstum hat aber jedenfalls die Steuereinnahmen sprudeln lassen und ein größeres Loch im Budget verhindert. Die Annahmen, dass die Gegenfinanzierung deutlich zu wenig sein werde, haben sich zumindest in dem befürchteten Ausmaß nicht erfüllt. "Es gehört immer auch Glück dazu", sagt Pitlik. Das Defizit ist zwar um 0,6 Prozentpunkte (oder zwei Milliarden Euro) angewachsen, allerdings haben hier auch die Kosten für die Flüchtlingsversorgung hineingespielt. Und wieder gilt: Auch diese Ausgaben wirkten positiv auf den Konsum und damit auf das Wachstum.




3 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-12-20 17:56:06




Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Die vielfältige Stadt wählt am Sonntag
  2. Bildungsbudget erntet scharfe Kritik
  3. Antragszahlen stark rückläufig
  4. Wider die Vertrauenskrise
  5. FPÖ will "nicht korrekte" Korrespondenten streichen
Meistkommentiert
  1. FPÖ will "nicht korrekte" Korrespondenten streichen
  2. Die Unfallversicherung ist nun selbst Akut-Patient
  3. Regierung will Bürgerdaten für Forschung freigeben
  4. Asylrecht Neu bringt etliche Verschärfungen
  5. Brüder im Geiste

Die steirische Molekularbiologin und Neo-Nationalratsabgeordnete Juliane Bogner-Strauß übernimmt das Ressort Frauen, Familie und Jugend.



Werbung


Werbung