• vom 23.01.2018, 15:33 Uhr

Politik

Update: 23.01.2018, 20:43 Uhr

Burschenschaft "Germania"

Nazi-Lieder: Schwere Vorwürfe gegen Landbauer




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Von WZ Online, APA

  • Liederbuch mit NS-Inhalten bei Burschenschaft des FPÖ-Spitzenkandidats publiziert.

Udo Landbauer (FPÖ) ist stellvertretender Vorsitzender der Burschenschaft "Germania". In einem Liederbuch wird das Naziregime verherrlicht.

Udo Landbauer (FPÖ) ist stellvertretender Vorsitzender der Burschenschaft "Germania". In einem Liederbuch wird das Naziregime verherrlicht.© APAweb, Helmut Fohringer Udo Landbauer (FPÖ) ist stellvertretender Vorsitzender der Burschenschaft "Germania". In einem Liederbuch wird das Naziregime verherrlicht.© APAweb, Helmut Fohringer

St. Pölten. Der "Falter" sieht Udo Landbauer, FPÖ-Spitzenkandidat für die NÖ Landtagswahl am Sonntag, in der Nähe der Schoah. Die Wiener Stadtzeitung berichtete vorab zur aktuellen Ausgabe von einem Liederbuch der Burschenschaft "Germania zu Wiener Neustadt", in dem der Judenmord und das Naziregime verherrlicht würden. Der Spitzenkandidat habe "nichts zu tun damit", reagierte ein FPÖ-Sprecher auf APA-Anfrage.

Laut "Falter" ist Landbauer stellvertretender Vorsitzender der "Germania". Aus einem Lied wird zitiert: "Da trat in ihre Mitte der Jude Ben Gurion: ,Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million'" und weiter "Da schritt in ihre Mitte ein schlitzäugiger Chines': ,Auch wir sind Indogermanen und wollen zur Waffen-SS.'"

Landbauer schockiert

Udo Landbauer hat auf den "Falter"-Bericht "entsetzt" reagiert. Er sei "schockiert über jene Text- und Liedpassagen, welche heute zum Gegenstand politischer Diskussionen geworden sind. Als dieses Buch gedruckt wurde, war ich elf Jahre alt. Ich erhalte davon heute zum ersten Mal Kenntnis und ziehe auch sofort die notwendigen Konsequenzen".

"Im Konkreten bedeutet dies, dass ich meine Mitgliedschaft in diesem Bund ("Germania zu Wiener Neustadt") umgehend ruhend stelle und die Einsetzung einer Untersuchungskommission mit allen auch rechtlichen Konsequenzen fordere, um diese skandalöse Angelegenheit restlos und umfassend zu klären, gegebenenfalls auch vor Gericht", hieß es in der Stellungnahme.

"Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit sind etwas sehr Hässliches und müssen auch nur in der kleinsten Dosis entschieden verurteilt und bekämpft werden", betonte Landbauer. Gerade er, der selbst Migrationshintergrund habe, habe weder in der FPÖ noch in seinem Bund in den vielen Jahren seines Wirkens auch nur das geringste Maß an Fremdenfeindlichkeit oder Antisemitismus wahrgenommen. "Umso schmerzhafter ist es, wenn jetzt fünf Tage vor der niederösterreichischen Landtagswahl ein Bild erzeugt wird, das weder zu mir als Person, noch zur FPÖ, oder auch meinem Umfeld passt." Er wolle und werde "persönlich mit Nachdruck die Klärung dieser Angelegenheit vorantreiben und nicht den leisesten Zweifel zurücklassen, dass weder ich, noch die FPÖ mit Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Totalitarismus, auch nur das Geringste am Hut haben".


Freiheiliche distanzieren sich

Bei den Freiheitlichen distanzierte man sich. Die Partei würde in solchen Fällen "hart durchgreifen". Wenn das Liederbuch "im Jahr 1997 neu überarbeitet in Druck geschickt" worden sei, wie der "Falter" schreibt, so sei Landbauer damals "elf Jahre alt" gewesen. Er habe somit "noch nicht einmal allein Radfahren dürfen".

Seit Landbauer das Buch kenne, seien die fraglichen Seiten "entweder entfernt oder geschwärzt" gewesen, so der Parteisprecher weiter. Nicht zuletzt sei die "Germania" dabei, ein neues Buch zu verlegen, "wo Lieder, die mit dieser unseligen Zeit verbunden sind, nicht mehr vorkommen".

ÖVP will "restlose Aufklärung"

Die Vorwürfe gegen Udo Landbauer, den Listenersten der FPÖ für die niederösterreichische Landtagswahl, in dem "Falter"-Bericht seien "unglaublich schwerwiegend", reagierte ÖVP-Landesgeschäftsführer Bernhard Ebner. Sie müssten "jedenfalls restlos aufgeklärt werden".

Auch die SPÖ hat den freiheitliche Spitzenkandidaten für die Landtagswahl in Niederösterreich, Udo Landbauer, zum Rücktritt aufgefordert. "Es muss Konsequenzen geben", betonte Abg. Sabine Schatz, Sprecherin für Gedenkkultur, in einer Aussendung.

"Hier gibt es keine Zweifel. Offenbar gehören NS-verherrlichende, judenfeindliche und andere rassistische Lieder zum Freizeitprogramm", reagierte die Mandatarin auf den "Falter"-Bericht. Landbauer müsse "sofort zurücktreten und alle weiteren politischen Ämter niederlegen". Sie gehe davon aus, dass sich wohl auch die Behörden mit dem Material in dem genannten Liederbuch befassen werden, so die Abgeordnete.

NEOS-Spitzenkandidatin Indra Collini zeigte sich schockiert. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, bleibe Landbauer "als einzige Konsequenz der Rücktritt", teilte sie in einer Aussendung mit. "Dieser Stil und diese Geisteshaltung haben in Niederösterreich und vor allem in der nächsten Landesregierung keinen Platz." Eine Stimme für die NEOS am Sonntag sei eine "gegen ewig gestriges und nationalistisches Gedankengut und eine Stimme für mehr Freiheit", betonte Collini.

Erst am Samstag hatte das Nachrichtenmagazin "profil" berichtet, dass Landbauer im Jahr 2010 - als er bereits Spitzenfunktionär der Freiheitlichen Jugend war und im selben Jahr Stadtrat in Wiener Neustadt wurde - einen rechtsextremen Verein ("Junge Patrioten") unterstützt haben soll. Die FPÖ sah in diesen Vorwürfen "linke Polemik" im Wahlkampf-Finale.





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Dokument erstellt am 2018-01-23 15:39:16
Letzte nderung am 2018-01-23 20:43:26




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