• vom 13.02.2018, 18:08 Uhr

Politik

Update: 13.02.2018, 22:05 Uhr

Parteiengeschichte

Blaue Gewissenserforschung




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Von Jan Michael Marchart und Simon Rosner

  • Die FPÖ will ihre Geschichte aufarbeiten. Die braunen Störfeuer aus den Burschenschaften klammert sie dabei aus.

- © Fotolia/krsmanovic

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Wien. Die FPÖ verspricht, ihre Geschichte aufzuarbeiten. Die Partei will damit dem Vorwurf entgegentreten, eine unsaubere Distanz zur NS-Zeit und ihrem Gedankengut zu pflegen. Die Burschenschaften werden dabei allerdings nicht im Fokus der Untersuchung stehen. Dies, obwohl es die Naziliederbuchaffäre der Germania war, die FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache dazu veranlasste, eine Historikerkommission einzusetzen. Diese Verbindungen seien private Vereine, heißt es nun, die FPÖ habe kein Durchgriffsrecht bei ihrer einflussreichen Kaderreserve. Allein in der Koordinationsgruppe der Kommission sitzen zur Hälfte Burschenschafter.

Geleitet wird die Kommission von Wilhelm Braunender. Der 75-jährige emeritierte Professor für Rechtswissenschaft saß in den 90er Jahren für die Freiheitlichen im Parlament und war Dritter Nationalratspräsident. Brauneder werde "völlig unabhängig" eine "Art Kernteam" zusammenstellen, sagte der blaue Klubobmann Walter Rosenkranz. Vor dem Abschlussbericht der Kommission sollen zudem auch jene Forscher einbezogen werden, die "man als durchaus kritisch gegenüber dem dritten Lager bezeichnen kann". Möglicherweise das Dokumenationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW). Die Auswahl der Historiker überlässt die FPÖ Brauneder, stellte ihm aber eine Liste mit 30 bis 50 nationalen und internationalen Personen zur Verfügung. Konkrete Namen wurden noch nicht genannt.

Das DÖW möchte sich gerne beteiligen, solange es nicht nur um eine "Reinwaschung" gehe, sagte DÖW-Leiter Gerhard Baumgartner im Ö1-"Mittagsjournal". Die Kommission müsse nach festgelegten Kriterien arbeiten können. Eine offizielle Einladung von der FPÖ gab es noch nicht.

Dass mit Brauneder ein Freiheitlicher die Geschicke der Kommission führt, stört Baumgartner nicht. Das sei zu erwarten gewesen, schließlich sei es eine parteiinterne und keine unabhängige staatliche Kommission. Auch als die SPÖ ihre NS-Vergangenheit aufgearbeitet hatte, sei ihre Kommission von einem SPÖ-Mitglied, Wolfgang Neugebauer, geleitet worden. Dieser habe "bewiesen, wie kritisch man mit der eigenen Vergangenheit umgehen kann". Mit Brauneder als ehemaligem Dekan der juridischen Fakultät sei "die Wissenschaftlichkeit gesichert", sagt Baumgartner. Die Frage sei, wie weit es der Kommission gelinge, sich von der Partei freizuspielen.

Der Historiker und Politikwissenschafter Georg Spitaler hat 2011 eine Arbeit zur Geschichte des Fußballvereins Rapid Wien im Nationalsozialismus mitverfasst. Nach seiner Erfahrung sei es wichtig, einen konkreten Forschungsauftrag zu definieren, "und für die Wissenschafter ist zu klären, wie die Forschung publiziert wird, wer die Letztverantwortung trägt, was drinnen bleibt und was rausfliegt".




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Dokument erstellt am 2018-02-13 18:11:23
Letzte Änderung am 2018-02-13 22:05:27



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