• vom 05.03.2018, 12:19 Uhr

Politik

Update: 17.04.2018, 18:51 Uhr

Future Challenge

Trolle in der Schule




  • Artikel
  • Lesenswert (16)
  • Drucken
  • Leserbrief





Jugendliche, die auf YouTube unterwegs sind, lernen schnell, dass es im Internet vor allem um Aufmerksamkeit geht. "Sie erleben , dass sie als YouTuber oder Blogger mehr Resonanz bekommen, wenn sie möglichst krasse Inhalte produzieren", berichtet Hannes Heller vom "wienXtra-medienzentrum". "Das ist eine Entwicklung, die sehr bedenklich ist: Wenn nur der- oder diejenige gehört wird, die am lautesten schreit, gehen viele Stimmen unter. Man muss Jugendliche unterstützen, die Mechanismen der digitalen Medien, auch den Konkurrenzdruck, zu hinterfragen."

Dem steht möglicherweise die Wirkmächtigkeit der Bilder im Netz entgegen: "Bilder sind ideales Clickbait: Ihnen wird eher geglaubt und sie werden schneller geteilt. Texte spielen eine immer geringere Rolle", so Buchegger.

"Das Urteilsvermögen ist auch davon abhängig, ob diese Themen im Elternhaus oder im Unterricht besprochen werden", so Elisabeth Herndl. Die Studie von Saferinternet.at zeigt hier Unterschiede zwischen Jugendlichen je nach Bildungsstand: Je höher die Bildung, umso größer das Misstrauen gegenüber den "neuen" Medien; je geringer die Bildung, desto eher wird den neuen Medien geglaubt. 23 Prozent derjenigen mit weniger Bildung halten bestimmte YouTuber, denen sie folgen, für glaubwürdig. Bei den höher gebildeten Jugendlichen sind es gerade mal drei Prozent.

Was tun?

Initiativen wie der "DigiCheck" des Bildungsministeriums setzen auf Aufklärung. Medienkompetenz heißt dort - zwar nicht nur, aber in erster Linie -, mit digitalen Anwendungen umgehen zu können. Fake News und die Rolle von Social Media als neue Nachrichtenquellen sind nicht explizit Thema. Auch ist das Fach "Politische Bildung" nur für Berufsschulen verpflichtend. Ein Problem aus Sicht von Sophie Lecheler: "Schüler müssen über ihr Bürgersein informiert werden. Sie müssen zum Beispiel wissen, was der Auftrag des öffentlich rechtlichen Rundfunks in Österreich ist und dass es ein Recht auf Information gibt."

Hannes Heller von wienXtra und Elisabeth Herndl von Education Group verfolgen wie auch Richard Wurzer von der HTL Ottakring neue Ansätze: Jugendliche selbst machen lassen. Gemeinsam mit dem Jugendzentrum "5erHaus" hat das wienXtra-medienzentrum ein Quiz zu Fake News gestaltet, bei dem die Jugendlichen selbst die Fragen entwickelten. Heller: "Wir brauchen Räume, wo Jugendliche genau diese Themen selbst erforschen, Dinge ausprobieren oder sich einfach auch nur darüber austauschen können. Das gibt es viel zu wenig."

Die Education Group will das Thema Medienkompetenz möglichst in allen Facetten in der Schule behandelt sehen. Aus Herndls Sicht bringt es zum Beispiel nicht viel, das Smartphone aus dem Unterricht zu verbannen: "Es treffen zwei Lebenswelten aufeinander, der Schulalltag und das tägliche Leben. Es gilt, einen gemeinsamen Lernraum zu finden, wo Jugendliche sich gut mit ihren Kenntnissen und Erfahrungen einbringen können." Um Lehrende zu unterstützen, bietet das Projektzentrum Veranstaltungen wie "Gewalt - Medien - Schule" an. Für Richard Wurzer gehört technisches Grundwissen dazu: "Wenn ich nicht weiß, wie Datenbanken oder Algorithmen in etwa funktionieren, kann ich sie auch nicht kritisch hinterfragen."


zurück zu Seite 1




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-05 12:23:40
Letzte Änderung am 2018-04-17 18:51:27



Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Die Würfel sind gefallen"
  2. Österreich verliert in Zivilgesellschaftsrating
  3. Hurra, wir leben noch
  4. Häusliche Gewalt nimmt zu
  5. Bad Tatzmannsdorf feiert Grinch-Mas
Meistkommentiert
  1. Namenspflicht gegen Hass im Netz
  2. "Die Zeichen stehen auf Sturm"
  3. Verdacht auf Spionage
  4. "Die Würfel sind gefallen"
  5. Regierung will "digitales Vermummungsverbot"

20.11.2018: Richard Hauffe (1878-1933) war einer der bedeutendsten Fotoreporter in den Anfangsjahren der Ersten Republik. Nun sind durch die aktuelle Ausstellung "Die erkämpfte Republik" im Wien Museum, in der sein Werk im Mittelpunkt steht, bisher unbekannte Bilder des Wiener Fotografen aufgetaucht. Im Bild: Richard Hauffe mit seinem Sohn Karl.



Werbung