• vom 06.03.2018, 17:08 Uhr

Politik

Update: 06.03.2018, 17:41 Uhr

Lehrlingsausbildung

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  • Die Regierung will 13 neue und überarbeitete Lehrberufe fit für das digitale Zeitalter machen.

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Wien. (jm/rei) Um sein duales Ausbildungssystem wird Österreich immer wieder international beneidet. Durch die Kombination von Theorie und Praxis werden Lehrlinge in Österreich zu einem großen Teil in den Betrieben selbst ausgebildet, was den Eintritt ins Berufsleben erleichtert. Oft ist aber die Ausbildung nicht mehr zeitgemäß, die Qualifikation stimmt nicht mehr mit den Anforderungen überein, die etwa das digitale Zeitalter mit sich bringt.

Die Regierung will deshalb heute, Mittwoch, im Ministerrat im Zuge einer "Standortoffensive" 13 neue beziehungsweise überarbeitete Lehrberufe präsentieren. Auch die Lehre mit Matura soll ausgebaut werden.


Damit folgt sie einer schon länger paktierten Punktation der Sozialpartner. Eine Reform der Lehrberufe werde jedes Jahr vorgenommen, heißt es aus der Wirtschaftskammer. Die neue Verordnung soll noch im Laufe dieser Woche in Begutachtung gehen und mit 1. Juni in Kraft treten. Bereits ab Herbst dieses Jahres sollen die neuen Lehrberufe ausgebildet werden.

Kein geeignetes Personal
Auf den ersten Blick hat das Lehrberufspaket allerdings wenig Digitales zu bieten. Auf dem Papier des Wirtschaftsministeriums werden nämlich Berufe wie die Bautechnische Assistenz, der Maskenbildner oder die Steinmetztechnik ebenso angeführt wie der Medienfachmann. Das ist deshalb der Fall, da auch etwa Lehrlinge der Steinmetztechnik künftig Computerprogramme beherrschen müssen, um etwa digitale Modelle erstellen zu können.

Das größte digitale Feld des Lehrlingspakets bietet aber wohl E-Commerce, eine sperrige Bezeichnung für Internethandel. Die Digitalisierung hat den Handel in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Die stationären Flächen gehen zurück, gekauft wird immer mehr im Internet. Dadurch wandeln sich auch die Anforderungen der Beschäftigten. Nun soll eine dreijährige Lehre in einem Ausbildungsbetrieb oder in einer Berufsschule adäquat auf die gegengewärtigen Erfordernisse vorbereiten. Auszubildende müssen demnach lernen, Shop-Management-Systeme zu betreiben und weiterzuentwickeln sowie Onlineshops zu bewirtschaften. Und auch, Waren- und Dienstleistungssortimente zu strukturieren und zu entwickeln. Dazu kommen Marketingfertigkeiten, etwa wie genau man eine Ware online präsentiert.

Derzeit würden Händler "händeringend" nach Personal mit einer solchen Ausbildung suchen, sagt der Geschäftsführer des Handelsverbands, Rainer Will. Dieses sei momentan nicht verfügbar. Der Bereich Informationstechnologie sei derzeit in der Lehre deutlich unterrepräsentiert. Dementsprechend begrüßt Will die Maßnahme der Regierung. Denn alleine zwei Drittel des stationären Handels sei bereits digital beeinflusst. In der Praxis würden die Probleme aber viel früher beginnen. Viele Lehrlinge im Handel hätten schon oft Probleme damit, sinnerfassend zu lesen und Grundrechenarten zu lösen. Da müsse angesetzt werden, so Will.

Staatsziel in die Verfassung
Neben den neuen Lehrberufen will die Koalition eine umstrittene Maßnahme umsetzen und das "Staatsziel Wirtschaftswachstum" in die Verfassung schreiben. Dafür ist allerdings eine Zweidrittel-Mehrheit im Nationalrat notwendig. Umweltschützer sehen darin den Versuch, Umweltrechte auszuhebeln.

2017 verfolgten bereits SPÖ und ÖVP den Plan, das Wirtschaftswachstum als Staatsziel in die Verfassung aufzunehmen, sagten das Vorhaben dann im Juni ab, um es nach der Wahl breiter zu diskutieren. Die FPÖ signalisierte damals schon Zustimmung zu der Verfassungsmaterie. Anlass für die Staatszieländerung ist ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, das aus Umwelt- und Klimaschutzgründen den Bau der dritten Piste am Flughafen Wien untersagt hatte. Für die noch vor dem Sommer erwartete Gerichtsentscheidung zur dritten Piste dürfte das neue Gesetz aber wohl zu spät kommen.

Für die Verfassungsmehrheit kämen SPÖ und die Neos infrage. Neos-Chef Matthias Strolz erklärte auf dem Nachrichtendienst Twitter, er sei skeptisch, "weil wir von dieser Form der Verfassungsaufblähung wenig halten". Man sei allerdings gesprächsbereit. Bei der SPÖ verweist man nun auf die kritischen Stellungnahmen aus dem Vorjahr und zeigt sich eher ablehnend. Außerdem habe die Regierung mit den Roten nicht gesprochen, heißt es aus dem roten Parlamentsklub.




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Dokument erstellt am 2018-03-06 17:14:40
Letzte Änderung am 2018-03-06 17:41:39



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