• vom 09.04.2018, 17:55 Uhr

Politik


Rechtsextremismus

Neonazi Gerd Honsik ist tot




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  • Der Holocaustleugner und Publizist verstarb am Wochenende 76-jährig in Ungarn.

Der Neonazi und Holocaustleugner Gerd Honsik, wie ihn wohl die meisten Österreicher kennen: vor Gericht.

Der Neonazi und Holocaustleugner Gerd Honsik, wie ihn wohl die meisten Österreicher kennen: vor Gericht.© apa/Georg Hochmuth Der Neonazi und Holocaustleugner Gerd Honsik, wie ihn wohl die meisten Österreicher kennen: vor Gericht.© apa/Georg Hochmuth

Wien. (rei) Er gehörte quasi zur alten Garde des europäischen Neonazismus. Seine Bücher, Zeitschriften und vor allem sein internationales Netzwerk machten ihn ab Mitte der 70er Jahre zu einem der wichtigsten Symbolfiguren für das revisionistische Lager sowie für Rechtsextreme und Neonazis im In- und Ausland. Mehrfach stand der Holocaustleugner, Autor und "Dichter" Gerd Honsik wegen Verstößen gegen das NS-Verbotsgesetz vor Gericht und wurde zu teils langjährigen Haftstrafen verurteilt. Am vergangenen Samstag verstarb Honsik 76-jährig, offenbar im ungarischen Sopron, wo er seit einigen Jahren mit seiner Frau gelebt haben soll.

Die Nachricht verbreitete sich am vergangenen Wochenende in sozialen Medien. Auf Honsiks YouTube-Kanal, auf dem er regelmäßig im "Radio Deutsch-Österreich" seine häufig in Versform formulierten einschlägigen Traktate verlas, war am Samstag vom "Bundesbruder, Kamerad und Landsmann" Honsik zu lesen, der "zur Großen Armee und in die Ewige Heimat abberufen" worden sei.


Honsik und die NDP
Er sei in eine Familie "von anständigen Nationalsozialisten" geboren worden, sagte Honsik einmal vor Gericht. Schon als 20-Jähriger war Honsik in der neonazistischen geprägten Szene der Südtirol-"Kämpfer" aktiv, verübte in Wien mit Gleichgesinnten rechtsextreme Attentate, warf Brandbomben gegen die italienische Botschaft.

Als der Rechtsextremist Norbert Burger, der Jahre später zum Mentor von Heinz-Christian Strache wurde, 1967 die "Nationaldemokratische Partei" (NDP) gründete, war Honsik mit dabei. 1976 wurde er in den Parteivorstand gewählt. Die NDP, die erfolglos versuchte, ein "Anti-Gastarbeiter-Volksbegehren" zu initiieren, wurde erst 1988 wegen NS-Wiederbetätigung verboten. Wie Burger, "alter Herr" der extrem rechten, deutschnationalen Burschenschaft Olympia, war auch Honsik Korporierter und bei der Burschenschaft Rugia Markomannia aktiv.

Jahrzehntelang verbreitet Honsik rechtsextreme und revisionistische Propaganda. Ab 1980 schrieb Honsik für die neonazistische Zeitschrift "Halt", wo er sich des Pseudonyms "Gerhon Endsik" bediente - eine Anspielung auf den NS-Terminus "Endsieg". Noch Ende September vergangenen Jahres war Honsik für den Vertrieb von "Halt" verantwortlich und schrieb Beiträge.

1984, noch vor dem Verbot der NDP, versuchte Honsik eine eigene Partei zu gründen, die "Nationale Front" - das Innenministerium untersagte die Gründungsveranstaltung. Nach der Waldheim-Affäre avancierte Honsik seit den späten 80er Jahren von einem "ideologischen Berater" zum Vorsitzenden der "Ausländer-Halt-Bewegung". Damaliger Mitstreiter von Honsik: der Neonazi Gottfried Küssel. 1990 versuchte Honsik noch einmal über den demokratischen Weg. Mit Horst Jakob Rosenkranz, dem Ehemann der inzwischen aus der FPÖ ausgetretenen früheren Nationalratsabgeordneten Barbara Rosenkranz, trat er mit der Liste "Nein zur Ausländerflut" zur Nationalratswahl an.

Kaum mehr Einfluss auf Szene
Seit den späten 1980ern entfaltete Honsik eine massive geschichtsrevisionistische Publizistik. Sein erstes Buch "Freispruch für Hitler?" brachte ihm 1992 seinen ersten Schuldspruch nach dem Verbotsgesetz und eine 18-monatige Haftstrafe ein. Daraufhin setzte sich der Holocaustleugner nach Spanien ab, von wo aus er weiter publizierte. Er stand in engem Kontakt mit anderen bekannten Holocaustleugnern wie Ernst Zündel, Wolfgang Fröhlich oder Walter Lüftl. Mit seinem Strafverteidiger, dem erst im Jänner verstorbenen Szene-Anwalt Herbert Schaller, verband Honsik eine enge Freundschaft. Erst 2007 wurde Honsik aufgrund eines europäischen Haftbefehls im spanischen Malaga verhaftet und in Österreich der Justiz ausgeliefert. Zuvor hatte sich Spanien lange geweigert, den Neonazi auszuliefern. Schlussendlich erhielt Honsik vier Jahre unbedingte Haft, die er teils in Spanien verbüßte. 2011 wurde er entlassen.

"Abgesehen von der traditionellen, aber immer kleiner werdenden geschichtsrevisionistischen, deutschnationalen und NS-affinen Szene hatte Honsik in den letzten Jahren keinen besonderen Einfluss auf die rechtsextreme Szene", sagt der Rechtsextremismus-Experte Bernhard Weidinger vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW). Er stehe "genau für das Misserfolgsmodell, dass die heutige extreme Rechte überwinden will".




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Dokument erstellt am 2018-04-09 18:00:07



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