• vom 11.04.2018, 19:15 Uhr

Politik


Deutschkurse für Flüchtlinge

AMS-Trainer befürchten Kündigungswelle




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Von Werner Reisinger

  • Vor allem wegen Budgetkürzungen fürchten bis zu 2000 Deutschtrainer für Flüchtlinge um ihre Jobs.



AMS-Kompetenzcheck: Einst von Sebastian Kurz propagiert, fehlen hier künftig Mittel.

AMS-Kompetenzcheck: Einst von Sebastian Kurz propagiert, fehlen hier künftig Mittel.© Stanislav Jenis AMS-Kompetenzcheck: Einst von Sebastian Kurz propagiert, fehlen hier künftig Mittel.© Stanislav Jenis

Wien. Ihr Job ist wahrlich kein Honigschlecken: Oftmals bis zu neun Stunden Unterricht in Folge, manchmal in zwei Kursen parallel, kaum Zeit für Pausen, zusätzlich noch administrative Tätigkeiten und Überforderung durch teils kriegstraumatisierte Kursteilnehmer. Zahlreiche AMS-Deutschtrainer, die für private Institute im Auftrag des AMS auch Asyl- und subsidiär Schutzberechtigen Deutsch beibringen sowie für die Wertevermittlung zuständig sind, machten in der Vergangenheit auf ihre Arbeitsbedingungen und auf Missstände bei den Deutschkursen aufmerksam (die "Wiener Zeitung" berichtete ausführlich). Seit der Flüchtlingsbewegung 2015 wurden - vor allem auf Betreiben des damaligen ÖVP-Integrationsministers Sebastian Kurz - Ausschreibungen und Kurskapazitäten der privaten Institute wie Ibis Akam, Mentor, ZIB Training oder BIT massiv ausgebaut.

"Dort wo Asyl endet, beginnt die Integrationsarbeit", sagte der jetzige Bundeskanzler 2015, bei der Vorstellung seines Integrationsplans. Deutschkurse als Schlüssel zu Arbeitsmarkt und Integration - inklusive Wertevermittlung. Jetzt droht Tausenden Deutschtrainern die Kündigung.

"Wir sind Integrationsarbeiter an forderster Front", sagt Katharina Rohrauer, Deutschtrainerin und Betriebsrätin beim Institut "Mentor". Gemeinsam mit Daniela Holzinger und Alma Zadic von der Liste Pilz forderte Rohrauer am Mittwoch vor Journalisten die Regierung auf, den "Kahlschlag" beim AMS und bei den Integrationsmitteln zu stoppen sowie die Finanzierung von zentralen AMS-Aufgaben sicherzustellen.

Unklare Zukunft für Kurse

Für das laufende Jahr kürzte die Regierung die AMS-Integrationsmittel um 50 Prozent - statt 100 Millionen stehen nun 2018 nur mehr 50 Millionen Euro zur Verfügung. Für 2019 sieht das Budget dann gar keine AMS-Mittel für Integration vor. Auch bei der Beschäftigungsförderung muss das AMS auf 80 Millionen Euro verzichten. "Damit kommt die Unterstützung von rund 33.000 beim AMS vorgemerkten anerkannten Flüchtlingen ab Mitte 2018 zum Erliegen", sagt die Liste Pilz. Von 72 bei Mentor nach dem Kollektivvertrag angestellten Deutschtrainern seien rund 40 vom Jobabbau betroffen, sagt Deutschtrainerin Rohrauer. "Bis Juli erwarten 20 bis 30 meiner Kollegen die Kündigung."

In der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) bestätigt man die Kündigungspläne. "Von einem Kahlschlag kann man zwar nicht sprechen, wohl aber von einer ziemlich heftigen Schneise", sagt Karl Dürtscher, stellvertretender GPA-Bundesgeschäftsführer. "Wir gehen von 1500 bis 2000 Kündigungen für 2018 und 2019 aus." Zwar würden die Asylwerber-Zahlen deutlich zurückgehen, durch den Rückstau und der nach wie vor langen Dauer der Asylverfahren müsse sich das AMS aktuell sogar um mehr Asylberechtigte kümmern, als in den vergangenen Jahren.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-11 18:09:10
Letzte Änderung am 2018-04-11 18:42:20



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