• vom 15.04.2018, 08:00 Uhr

Politik


Interview mit Karl Blecha

Niemals stillstehen




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Von Brigitte Pechar

  • Karl Blecha beendet am Montag seine Präsidentschaft der SPÖ-Pensionisten, macht aber als Ehrenpräsident weiter.

Karl Blecha: "Das rot-schwarze Vermächtnis ist der Wohlfahrtsstaat." - © Moritz Ziegler

Karl Blecha: "Das rot-schwarze Vermächtnis ist der Wohlfahrtsstaat." © Moritz Ziegler

Wien. Karl Blecha übergibt am Montag das Zepter nach 20 Jahren als Präsident des SPÖ-Pensionistenverbands (PVÖ) an den früheren SPÖ-Klubobmann und Volksanwalt Peter Kostelka. Der PVÖ-Verbandstag fällt mit Absicht auf den 85. Geburtstag von "Charly" Blecha, wie er unter Freunden genannt wird. Rund 350 Delegierte werden ihn dort zum Ehrenpräsidenten der 388.155 Mitglieder wählen.

Der Soziologe gründete in jungen Jahren das Meinungsforschungsinstitut Ifes, das er bis heute mehrheitlich besitzt. Dort hat er sich für die Zeit nach dem PVÖ bereits ein Büro eingerichtet, denn ans Aufhören denkt der "Homo politicus", wie ihn sein Freund Bundespräsident a. D. Heinz Fischer nennt, nicht. Das verwundert jene nicht, die Blecha kennen, denn er war und wird angetrieben von Arbeitseifer und Interesse für alles, was auch nur entfernt mit Politik zu tun hat.


Blecha hat Ende der 1960er Jahre die Meinungsforschung modernisiert und die Wahlwerbung auf völlig neue Beine gestellt. Bruno Kreisky hat Blecha einen Teil seines Erfolges zu verdanken - während der Kreisky-Jahre war Blecha Zentralsekretär der SPÖ. Später wurde er Innenminister und als solcher ist er, wie er es selbst ausdrückt, in die Affären Lucona und Noricum "hineingeraten". 1989 ist er infolgedessen als Innenminister zurückgetreten. Er wurde 1993 wegen Beweismittelunterdrückung und Urkundenfälschung im Fall Noricum rechtskräftig zu einer neunmonatigen bedingten Haftstrafe verurteilt.

"Wiener Zeitung":Sie waren mehr als 60 Jahre politisch aktiv. SPÖ und ÖVP haben die Zweite Republik bis heute fest in Händen gehalten. Was bleibt von der rot-schwarzen Republik?

Karl Blecha: Es ist in der rot-schwarzen Koalitionszeit der Aufbau des Sozialstaates Österreich durchgeführt worden - bei Widerständen des Koalitionspartners da und dort. Aber es ist ein Wohlfahrtsstaat, wie ihn die Sozialdemokratie bezeichnet, ein Sozialstaat, wie er allgemein bezeichnet wird, entstanden, der so wie der schwedische ein Musterbeispiel für viele andere europäische Länder geworden ist. Aber ein Sozialstaat, der finanzierbar ist, der die Verantwortung der Mitglieder seines Staates fordert und auf der anderen Seite auf der Zusammenarbeit der Sozialpartner basiert. Wir haben daher in Österreich keine Streiks, keine harten arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen gekannt, weil es die Zusammenarbeit der Sozialpartner am Runden Tisch gegeben hat, wo man sich ausgesprochen hat, wo man Kompromisse gefunden hat, mit denen jeder leben konnte. Man könnte es als österreichisches Wunder bezeichnen, dass jede der sozialen Gruppen die Abhängigkeit von den anderen im Blick hat.

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Dokument erstellt am 2018-04-13 15:06:11
Letzte Änderung am 2018-04-14 19:13:35



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