• vom 14.04.2018, 08:30 Uhr

Politik

Update: 16.04.2018, 18:56 Uhr

Neue Arbeitswelt

Der soziale Kampf der digitalen Flaschensammler




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Von Jan Michael Marchart

  • Unsere Arbeitsbeziehungen werden zunehmend flexibler, aber auch brüchiger. Das setzt den Sozialstaat unter Druck.

- © WZ-Illustration Irma Tulek

© WZ-Illustration Irma Tulek

Wien. In Österreich hat sich wie auch in allen anderen Industriestaaten dieser Welt die Art und Weise, wie Menschen arbeiten, gravierend, ja radikal verändert. Vor mehr als einem Jahrzehnt arbeiteten noch deutlich weniger Menschen in Teilzeit, befristeten Arbeitsverhältnissen und Minijobs. Zwar nahmen auch die Vollzeitstellen in den vergangenen Jahren zu, für den Beschäftigungszuwachs ist in Österreich aber stark die Teilzeitarbeit verantwortlich. Seit der Jahrtausendwende haben sich diese verdoppelt und machen inzwischen mehr als ein Viertel der gesamten Beschäftigungsverhältnisse aus. Vor allem Frauen arbeiten Teilzeit.

Die nächste Phase dieses Trends ist die digitale Ökonomie. Freiberufler arbeiten von daheim aus oder in Coworking Spaces, andere radeln Essenlieferungen in riesigen Wärmeboxen von Haus zu Haus oder wandeln ihr privates Auto per App in ein Taxi um und sich selbst in einen Hobby-Chauffeur. In der digitalen Plattformökonomie gibt es immer öfter keinen festen Arbeitsplatz, keinen festen Arbeitgeber und keine festen Arbeitszeiten mehr.


Neue, individuelle Arbeitsformen nehmen zu. Sie locken mit ungeahnter Selbstbestimmtheit und der Möglichkeit, in der Freizeit Geld dazuzuverdienen. In ihnen aber verschwimmen die Grenzen zwischen selbständiger und unselbständiger Arbeit. Dadurch wird die Arbeitnehmerschaft an sich komplexer und statistisch schwerer greifbar.

Immer mehr Menschen wechseln nämlich in ihrer Berufslaufbahn zwischen unterschiedlichen Arbeitsformen hin und her. Einmal Vollzeit, einmal Teilzeit, einmal eine befristete Stelle oder Selbständigkeit und wieder zurück. Oder ein Auftrag für ein paar Stunden, einige Tage oder Wochen, für unterschiedliche Firmen und das alles gleichzeitig: Die digitale Vernetzung macht das weltweit schnell und unkompliziert möglich, gleichzeitig stiehlt sie uns die alte Stabilität. Das Arbeitsumfeld verändert sich, der soziale Status ebenso, aber vor allem die soziale Absicherung ist es, die unter Druck gerät.

Auf Freiberufler greift die Wirtschaft generell gerne zurück, weil sie die Arbeitskosten für Firmen reduzieren. Diese müssen nicht für Krankengeld aufkommen, für Pension, für Urlaub und ebenso wenig für die Arbeitslosenversicherung. Selbständige Frauen haben zudem kein Anrecht auf Mutterschutz. Das sind allesamt soziale Errungenschaften, die mit Angestelltenverhältnissen verknüpft sind.

Die Firmen der digitalen Plattformökonomie gehen noch ein Stück weiter. Durch die neuen Technologien wird es immer einfacher, Informationen auszutauschen, Arbeiter zu überwachen und kurze, unsichere Verträge abzuschließen. Das alles macht es profitabler, Aufgaben gegen Niedriglöhne auf den Markt auszulagern. Neben den individuellen Schwierigkeiten gibt es aber ein gesamtgesellschaftliches Problem.

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Dokument erstellt am 2018-04-13 16:18:12
Letzte nderung am 2018-04-16 18:56:20




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