• vom 14.04.2018, 15:34 Uhr

Politik

Update: 18.04.2018, 17:20 Uhr

ORF

FPÖ will "nicht korrekte" Korrespondenten streichen




  • Artikel
  • Kommentare (22)
  • Lesenswert (31)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ Online, APA

  • FPÖ-Stiftungsrat Steger fordert "Schritte in eine objektivere Berichterstattung", Wrabetz verteidigt seine Mitarbeiter.

FPÖ-Stiftungsrat Norbert Steger (L) und ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz.

FPÖ-Stiftungsrat Norbert Steger (L) und ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz.© APAweb / Herbert Neubauer FPÖ-Stiftungsrat Norbert Steger (L) und ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz.© APAweb / Herbert Neubauer

Wien. Die FPÖ verschärft wieder ihre Attacken auf den öffentlich-rechtlichen ORF. FPÖ-Stiftungsrat Norbert Steger erklärte gegenüber den "Salzburger Nachrichten", dass die zur Bestellung anstehenden neuen Senderchefs ("Channel Manager") und Chefredakteure von ORF eins und ORF 2 in jedem Fall "Schritte in eine objektivere Berichterstattung" setzen müssten.

"Auch von den Auslandskorrespondenten werden wir ein Drittel streichen, wenn diese sich nicht korrekt verhalten", ergänzte Steger, der als künftiger Stiftungsratsvorsitzender des ORF im Gespräch ist. Als Beispiel nannte der Freiheitliche die Berichterstattung zur Ungarn-Wahl. Diese ist laut Steger nämlich "einseitig" abgelaufen.

Anders als Medienminister Gernot Blümel vom Koalitionspartner ÖVP, der gerade für Anfang Juni zu einer Medienenquete eingeladen hat, bei welcher der ORF zentrales Thema sein soll und welche die Grundlage für ein bis Anfang 2019 fertiges ORF-Gesetz sein soll, will FPÖ-Stiftungsrat Steger ein neues ORF-Gesetz bereits bis Juni. Steger nennt dazu einige zentrale Punkte: Der öffentlich-rechtliche Auftrag soll "zeitgemäß definiert werden". Die ORF-Spitze soll von einer Allein- auf eine Gesamtgeschäftsführung umgestellt werden. Der Betriebsrat soll bei der Wahl der ORF-Führung außen vor gelassen werden. Wichtig ist dem FPÖ-Stiftungsrat auch eine neue Social-Media-Richtlinie für Redakteure. "Wer dagegen verstößt, wird zunächst verwarnt - und dann entlassen", so Steger.

Wrabetz zeigt sich empört

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz verteidigt die Auslandskorrespondenten des öffentlich-rechtlichen Senders gegen die FPÖ-Kritik. Auch unter ORF-Journalisten ist die Empörung über die neuerlichen blauen Attacken groß.

Wrabetz reagierte noch in der Nacht via Twitter auf die Aussagen. "16 Korrespondentenbüros des ORF sind unverzichtbare vom Publikum höchst geschätzte Säule der internationalen Berichterstattung in TV, Radio und Online. Bis 2020 kommen noch 2 weitere Standorte dazu", erklärte Wrabetz. Der ORF-Chef stellte sich auch vor den von Steger direkt angegriffenen Ungarn-Korrespondenten: "Freue mich mitzuteilen, dass ich den Entsendungsvertrag von Ernst Gelegs als Korrespondent in Budapest nach der ausgezeichneten Berichterstattung zur ungarischen Wahl bis 2021 verlängert habe."

Kritik kam - via Social Media - auch von ORF-Journalisten. "Ein ORF-Stiftungsrat, der gegen sein eigenes Unternehmen hetzt und einen untadeligen Kollegen erkennbar bedroht, wird uns als Redakteurssprecher der ORF-KorrespondentInnen selbstverständlich beschäftigen", erklärte Brüssel-Büroleiter Peter Fritz. "Dieser direkte Angriff auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk von einem Aufsichtsorgan ist ein neuerlicher Tiefpunkt der Medienpolitik", kritisierte Redakteursratsvorsitzender Dieter Bornemann.

Wolf reagiert per Twitter

"ZiB 2"-Moderator Armin Wolf, der zuletzt im Visier der FPÖ stand und Freitagabend in Deutschland eine Besondere Ehrung beim renommierten Grimme-Fernsehpreis entgegen nahm, meldete sich nach der Verleihung via Twitter. "Ein Partei-Stiftungsrat will ORF-Korrespondenten 'streichen', deren Berichterstattung ihm nicht gefällt. Tolle Idee 'Objektivität' von Parteienvertretern bewerten zu lassen. Könnte aus Ungarn stammen." Wolf wies auch auf die rechtliche Lage hin: "Der ORF-Stiftungsrat ist weder für die Streichung von Korrespondenten noch für die Verwarnung oder Entlassung von ORF-Journalisten zuständig."





22 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-14 15:36:31
Letzte nderung am 2018-04-18 17:20:42




Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Lange Leitung
  2. Gudenus attackiert Stiftung von US-Milliardär Soros
  3. Mut zum Lückenschluss
  4. "Diese Diskussion basiert nicht auf Fakten"
  5. Zu Ehren einer Pappel
Meistkommentiert
  1. FPÖ will "nicht korrekte" Korrespondenten streichen
  2. Asylrecht Neu bringt etliche Verschärfungen
  3. Salzburg-Wahlen: Erdrutschsieg für Haslauer
  4. Salzburg könnte bunt werden
  5. Kritik an Gudenus wegen Anti-Soros-Kampagne

Die steirische Molekularbiologin und Neo-Nationalratsabgeordnete Juliane Bogner-Strauß übernimmt das Ressort Frauen, Familie und Jugend.



Werbung


Werbung